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Bundeswehr in Afghanistan: Deutsche sterben in Kundus

Traurige Bilanz eines Feuer-Gefechts nahe Kundus: Drei deutsche Soldaten sterben, zwei weitere werden verletzt. Minister Jung kondoliert den Familien - und verteidigt den Einsatz. Von Willi Germund und Steffen Hebestreit


Foto: dpa

Kundus/Kabul/Berlin. Drei deutsche Soldaten sind in der nordafghanischen Region Kundus in Folge eines Gefechts getötet worden. Das bestätigte jetzt der deutsche Außenminister Franz-Josef Jung. Sie seien "im Einsatz für den Frieden gefallen", sagte Jung.

Nach FR-Informationen stürzte ein Fuchs-Transportpanzer nach einem Ausweichmanöver in einen Fluss. Dabei ertranken zwei Soldaten. Ein dritter erlag später seinen Verletzungen. Zwei weitere Soldaten überlebten verletzt.

Spezial Afghanistan
Transport-Panzer Fuchs
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Die Bundeswehr in Afghanistan: Erstmals befinden sich deutsche Soldaten in einem Kampfeinsatz außerhalb Europas. Verteidigen wir tatsächlich unsere Sicherheit am Hindukusch? Grundlagen, Meinungen, Bilder, Hintergründe im Spezial: Einsatz in Afghanistan

Der Transportpanzer 1 Fuchs ist ein geländegängiges, gepanzertes Radfahrzeug, das ursprünglich als reines Transportfahrzeug konzipiert wurde. Heute wird er bei zahlreichen Truppengattungen eingesetzt.

In Afghanistan sterben zwei Soldaten bei einem Feuergefecht in der Nähe von Kundus.
In Afghanistan sterben zwei Soldaten bei einem Feuergefecht in der Nähe von Kundus.
Foto: ddp

Vorausgegangen war ein fast einstündiger Schusswechsel. Aufständische sollen die deutsch-afghanische Patrouille mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten angegriffen haben. Die Deutschen erwiderten das Feuer und forderten Luftunterstützung an.

Nach dpa-Informationen stammt einer der Getöteten aus Zweibrücken in Rheinland-Pfalz. Die beiden anderen Männer kommen laut ZDF aus Bad Salzungen in Thüringen. Die Männer seien zwischen 21 und 23 Jahre alt gewesen.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) informiert  auf dem Rollfeld des Flughafens in Hamburg die Medienvertreter über den Angriff auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) informiert auf dem Rollfeld des Flughafens in Hamburg die Medienvertreter über den Angriff auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.
Foto: dpa

Laut Abdul Najib Azami, dem Kunduz-Chef des afghanischen Geheimdienstes "NDS", fand das Gefecht in der Nähe des Dorfes Gulbagh, rund sechs Kilometer südwestlich des Stützpunkts der Bundeswehr im Distrikt Chahar Darreh statt. Das Verteidigungsministerium erklärte, eine deutsch-afghanische Patrouille der Bundeswehr sei um 9.29 Uhr (Ortszeit: 11.59 Uhr) mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten beschossen worden.

Maulavi Shamsuldin, der Talibankommandeur im Chahar Darreh Distrikt, erklärte auf FR-Anfrage telefonisch: "Die deutschen Soldaten befanden sich auf Patrouille mit afghanischen Soldaten. Wir haben sie angegriffen und das Feuergefecht dauerte eine Stunde." Laut dem Talibankommandeur seien zwei "Panzer", wie er die Fahrzeuge der Bundeswehr beschrieb, zerstört worden. Die Angabe ist ebenso mit Vorsicht zu genießen wie seine Behauptung, sieben deutsche Soldaten seien ums Leben gekommen.

Jung, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie Politiker der Opposition von FDP, Linken und Grünen drückten den Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl aus. Jung sagte, die Lage in Kundus habe sich durch militärische Hinterhalte verschärft. Der Einsatz in Afghanistan sei aber ein Stabilisierungseinsatz, der fortgesetzt werden müsse. Attentäter müssten verfolgt und Terroristen bekämpft werden. Rein militärisch werde die Mission aber nicht zum Erfolg führen. Auch der zivile Wiederaufbau müsse vorangetrieben werden. Steinmeier verurteilte "den feigen Angriff". Die Linke forderte erneut den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.

Strategiewechsel sorgt für Irritationen in Deutschland

Offenbar verfolgt die Bundeswehr im Norden des Landes seit einiger Zeit eine neue Strategie, indem sie deutlich mehr Präsenz zeigt und gezielt Gegenden aufsucht, in denen Taliban-Gruppen die Macht haben. In jüngster Zeit häufen sich die Berichte über oft stundenlange Feuergefechte der Deutschen mit Aufständischen. Ende April war ein Soldat bei einem solchen Gefecht erschossen worden.

Mitglieder des Verteidigungsausschusses zeigten sich nach einem Besuch bei der Schnellen Eingreiftruppe in Kundus vor einigen Tagen irritiert darüber, dass dieser Strategiewechsel des Militärs bislang in Deutschland politisch nicht erklärt, geschweige denn diskutiert worden sei. Zudem prahlten die Soldaten dort leichtfertig mit der Zahl getöteter Taliban, als sei dies eine Trophäe, hieß es.

Nächste Woche entscheidet der Bundestag über die Entsendung von Awacs-Aufklärungsflugzeugen sowie 300 weiteren Soldaten nach Afghanistan. Seit Beginn der Isaf-Mission haben mehr als 30 deutsche Soldaten in Afghanistan ihr Leben verloren.

Isaf startet "eine der größten" Offensiven

Die Internationale Schutztruppe Isaf hat im Süden Afghanistans nach eigenen Angaben einen der bislang größten Militäreinsätze gegen die radikal-islamischen Taliban gestartet. Wie die Nato-geführte Isaf am Dienstag mitteilte, sind an der seit dem Wochenende andauernden Luft-Lande-Operation in der Unruheprovinz Helmand zwölf Hubschrauber, 13 Kampfflugzeuge sowie mehr als 350 amerikanische und britische Soldaten beteiligt.

Ziel der Offensive sei es, ein Gebiet nördlich der Provinzhauptstadt Laschkar Gah zurückzuerobern, das bislang von den Aufständischen kontrolliert werde, hieß es. Angaben über Opfer lagen zunächst nicht vor.

Die Provinz Helmand gilt als Taliban-Hochburg. Zudem zählt sie zu den wichtigsten Anbaugebieten von Schlafmohn, aus dem Opium und schließlich Heroin gewonnen wird. Von hier stammen etwa 20 Prozent der weltweiten Produktion. Afghanistan ist insgesamt für mehr als 90 Prozent der globalen Opiumproduktion verantwortlich. (mit dpa)

Autor:  Willi Germund und Steffen Hebestreit
Datum:  23 | 6 | 2009
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