Ein deutscher Oberst entscheidet sich für einen folgenschweren Luftangriff. Es hagelt Kritik. Nun schlägt der Bundeswehrverband zurück. Kanzlerin Merkel soll das Thema zur Chefsache machen. Von Steffen Hebestreit
Bundeswehrverbandschef Ulrich Kirsch hat Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan mangelnde Rückendeckung für den Oberst vorgeworfen, der in Afghanistan den Luftangriff angefordert hat.
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Bundeswehrverbandschef Ulrich Kirsch hat Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan mangelnde Rückendeckung für den Oberst vorgeworfen, der in Afghanistan den Luftangriff angefordert hat.
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Die deutschen Soldaten in Afghanistan finden sich nach Aussage des Bundeswehrverbandes "im Stich gelassen". Der Vorsitzende des Verbandes, Oberst Ulrich Kirsch, stellte am Freitag in Berlin "eine Schieflage" in der Wahrnehmung des deutschen Afghanistan-Einsatzes in Öffentlichkeit und Politik fest.
In der Umgebung von Kundus herrsche Krieg. "Unsere Soldaten stehen dort täglich im Gefecht. Der Kampf ist Alltag. Unsere Soldaten fallen. Unsere Soldaten werden verwundet. Unsere Soldaten schießen. Unsere Soldaten müssen töten", sagte Kirsch.
Spezial: Afghanistan
Die Bundeswehr in Afghanistan. Erstmals befinden sich deutsche Soldaten in einem Kampfeinsatz außerhalb Europas.
Verteidigen wir tatsächlich unsere Sicherheit am Hindukusch? Grundlagen, Meinungen, Bilder, Hintergründe im Spezial: Einsatz in Afghanistan
Der Bundeswehr-Lobbyist verlangte, die gesamten Afghanistan-Einsatz "zur Chefsache" zu machen. Die Verantwortung dafür dürfe nicht mehr allein bei Verteidigungsminister Franz Josef Jung liegen, sondern müsse im Kanzleramt angesiedelt sein. "Offensichtlich klappt es sonst nicht", sagte Kirsch. Es müsse eine saubere Bilanz aller deutschen Anstrengungen geben. Vorwürfe richtete der Bundeswehrverband auch an die Adresse von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan.
Der höchste Militär des Landes müsse dem in die Kritik geratenen deutschen Kommandeur in Kundus, Oberst Georg Klein, endlich öffentlich Rückendeckung geben. "Es muss ein spürbares Signal geben", verlangte Oberst Ulrich Kirsch, Vorsitzender der Bundeswehrverbandes. Klein hatte vergangenen Freitag den verheerenden Luftangriff in Kundus angeordnet, bei dem mehr als 50 Menschen getötet wurden.
Einsatz in Afghanistan
Bildergalerie ( 26 Bilder )
Ein deutscher Marder-Schützenpanzer der schnellen Eingreiftruppe pflügt im Marmal-Gebirge bei Masar-i-Scharif während einer Übung durch den Sand.
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Deutsche Soldaten während einer Schießübung in Kunduz. Seit 2009 mehren sich die Feuergefechte zwischen der Bundeswehr und afghanischen Terroristen.
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Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) bergen in Mazar-i-Sharif in Afghanistan während einer Gefechtsübung einen "Verwundeten".
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Einsatz bei Tag und Nacht. Soldaten der QRF proben in den Marmal Bergen nahe Mazar-e-Sharif in Afghanistan in totaler Dunkelheit den Ernstfall.
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Ein deutscher CH-53 Hubschrauber der ISAF landet in Feyzabad, nördlich von Kabul.
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Gefährlicher Einsatz. Bundeswehrsoldaten sichern in Kundus die Hauptstrasse nach Kabul. Immer wieder kommt es dabei zu Angriffen von Taliban-Kämpfern.
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Ein Soldat der Bundeswehr steht in Kundus an einer Strassensprerre. In der Nacht zuvor waren erneut zwei Raketen auf das Feldlager abgeschossen worden.
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Alltag für die Soldaten. Einsatz für die Bundeswehr an einer Straßensperre in Kundus.
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Patrouillenfahrt. Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) fahren in Masar-i-Sharif in Fahrzeugen vom Typ "Fuchs" und "Dingo".
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Ruhephase. Ein Bundeswehrsoldat der QRF lehnt in den Marmal Bergen nahe Masar-I-Sharif in Afghanistan während einer Übungspause an einem Bundeswehr-Fahrzeug des Tys "Dingo".
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Deutsche Soldaten observieren die Gegend während einer Mission in der Region von Kunduz.
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Deutscher Bundeswehrsoldat trifft afghanisches Kind - aufgenommen in einem Dorf in der Region von Kunduz.
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Feldjäger der Bundeswehr patrouillieren in Mazar-i-Sharif. Der Kontakt zu den Einheimischen gilt als ebenso notwendig wie gefährlich, da es gerade während der Patrouillen immer wieder zu Anschlägen kommt..
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Ohne Übersetzer ist die Kommunikation mit den Bewohnern eines Dorfes in der Region von Kunduz für die deutschen Soldaten nur schwer möglich.
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Soldaten der Bundeswehr laufen über einen Markt in der Stadt Kundus im afghanischen Kundus Patrouille.
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Bundeswehrsoldaten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan rauchen nach dem Einsatz an einer Straßensperre der Bundeswehr in Kundus in Afghanistan im Feldlager. An ihrem Checkpoint hatten die Soldaten Schüsse auf einen herannahenden Wagen abgeben müssen, um diesen zum Anhalten zu zwingen. Verletzt wurde niemand.
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Ärzte der Bundeswehr versorgen einen verletzten Afghanen im deutschen Camp in Kunduz.
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Der Mann war von einer Kugel getroffen worden.
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Auch die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte gehört zu den Aufgaben der Bundeswehr. Hier werden bei Masar-i-Scharif im Camp Mike Spann Soldaten der Afghanischen Nationalarmee ANA trainiert.
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Auch Waffenkunde gehört zu den Ausbildungseinheiten der Bundeswehr für das afghanische Militär.
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Ein Bundeswehrsoldat bildet im Feldlager der Bundeswehr in Feyzabad in Afghanistan afghanische Polizisten aus. Bei der Übung kommen allerdings nur Waffenattrappen zum Einsatz.
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Ein Polizist der Afghan National Police (ANP) führt in Aibak in der Provinz Samangan in Afghanistan im Rahmen der Ausbildung duch Feldjäger der Bundeswehr eine Durchsuchung durch. Feldjäger der Bundeswehr trainieren in den nördlichen Provinzen Afghanistans Polizisten der ANP.
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Wachsoldat vor dem deutschen Feldlager in Masar-i-Sharif.
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Der deutsche Oberst Georg Klein geriet in die Kritik, weil er US-Luftunterstützung im Kampf gegen zwei Tanklaster bei Kundus angefordert hatte.
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Bei dem von einem deutsche Oberst angeforderten US-Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kundus sterben mindestens 135 Menschen, unter ihnen viele Zivilisten, auch Kinder.
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Was macht die Bundeswehr in Afghanistan? Welche Aufgaben haben die deutschen Soldaten? Die Bilder internationaler Fotografen dokumentieren den Einsatz im Hindukusch. Hier trainieren Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) in Mazar-i-Sharif für den Ernstfall.
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Fotostrecken Politik
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Linkspartei in der Krise
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Mit Blick auf die laufenden Untersuchungen verlangte Kirsch die Schaffung einer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft in Potsdam, die sich ausschließlich mit militärischen Verfahren beschäftigt. Es sei unerträglich, dass Soldaten langwierige Untersuchung abwarten müssten, bevor klar gestellt sei, ob sie rechtmäßig gehandelt hätten.
Seiner Auffassung nach wird wertvolle Zeit verschwendet, weil das Militär den jeweiligen Staatsanwälten erst umständlich den Unterschied zwischen einem Checkpoint in Kundus und einer Verkehrskontrolle in Bielefeld erläutern müssten.
Der Verband wiederholte damit eine Forderung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), der "den gesammelten Sachverstand" in einer solchen Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft bündeln will, um die Verfahren zu verkürzen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) lehnt den Vorstoß ab. Die bestehenden Verfahren seien ausreichend.
Ministerium übt Kritik an General
Währenddessen hat das Bundesverteidigungsministerium US-General
und ISAF-Oberbefehlshaber Stanley McChrystal wegen seines Verhaltens gegenüber dem deutschen Oberst Klein scharf kritisiert, der den Luftangriff in Afghanistan angefordert hat.
Ohne McChrystal namentlich zu nennen, sagte Ministeriumssprecher Thomas Raabe am Freitag in Berlin, es sei ein "Unding", dass man in eine erste Besprechung mit dem Oberst nach dem Angriff mit Dutzenden Toten einen Journalisten einbinde. "Man kann nicht in einer solchen ersten Untersuchung einen Journalisten dabei haben (...) Es ist absolut unüblich und ich gehe davon aus, dass sich das auch nicht wiederholen wird." (mit dpa)