KRIEGSGRUND:
Bei Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001 sterben rund 3000 Menschen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Attentate als "Bedrohung des Weltfriedens": Sie seien ein bewaffneter Angriff, der den USA eine Selbstverteidigung nach Artikel 39 der UN-Charta erlaubt. Für die Bush-Administration und andere Regierungen, auch die deutsche, legitimiert dies den Krieg gegen den Terror. Einige Völkerrechtler argumentieren dagegen, das Abwehrrecht richte sich gegen Staaten, nicht gegen Gruppen wie El Kaida. Die USA beschuldigen das Taliban-Regime Afghanistans, die Terrororganisation zu unterstützen und ihren Anführer Osama bin Laden zu verstecken.
NATO-EINSATZ:
Der Nato-Rat wertet die Anschläge als Angriff auf die USA unter Artikel 5 des Washingtoner Vertrags, wonach die Staaten des Bündnisses einem angegriffenen Mitglied beistehen müssen. Die USA beginnen am 7. Oktober mit Großbritannien die "Operation Enduring Freedom (OEF)" und bombardieren Afghanistan.
DEUTSCHE BETEILIGUNG:
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verknüpft die Abstimmung über den Afghanistan-Einsatz im Bundestag am 7. November mit einer Vertrauensfrage. Er spricht von "uneingeschränkter Solidarität mit den USA" und "Deutschlands neuer Verantwortung auch an weltweiten Militäreinsätzen". Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) sagt, die Sicherheit Deutschlands werde auch am Hindukusch verteidigt.
DER BUNDESWEHR-EINSATZ: Derzeit sind vor allem im Norden 3300 Bundeswehrsoldaten stationiert - das drittgrößte Kontingent der Nato-Schutztruppe Isaf. Die Obergrenze soll der Bundestag am Donnerstag auf 4500 erhöhen. Über die Verlängerung der Beteiligung am Anti-Terror-Einsatz OEF soll der Bundestag am 4. November entscheiden. Elite-Soldaten für OEF werden nicht mehr zur Verfügung gestellt. Die Nato hat etwa 48 000 Soldaten im Land, zu OEF zählen rund 7000.
DEUTSCHES ENGAGEMENT:
Berlin hat von 2002 bis Mitte 2008 etwa 560 Millionen Euro für Hilfsprojekte gezahlt. Bis 2010 sind insgesamt 1,1 Milliarden Euro zugesagt. Der Militäreinsatz kostete bis Ende 2007 ohne die auch in Deutschland anfallenden Personalkosten 2,4 Milliarden Euro.
TOTE BEI KÄMPFEN:
Die Angaben von Isaf, afghanischen Stellen und Aufständischen über Kriegstote unterscheiden sich stark. Die Nachrichtenagentur ap zählte 2008 bei Kämpfen bisher mehr als 4000 Tote, meist Aufständische. Je nach Schätzung starben bis 1500 Zivilisten. In dieser Zeit starben etwa 210 Soldaten der internationalen Truppen.
WIEDERAUFBAU:
Seit dem Sturz der Taliban 2001 sind je nach Quelle zehn bis 15 Milliarden Euro nach Afghanistan geflossen, unter anderem für den Aufbau von Polizei, Armee, Justiz, des Bildungs- und Gesundheitswesens. Laut Acbar, einem Bündnis von 94 Nichtregierungsorganisationen, überwiesen die Geberländer damit bisher rund zehn Milliarden Dollar weniger als zugesagt. Zudem flössen 40 Cent je Dollar zurück - wenn etwa eine US-Firma statt einer afghanischen eine Straße baut.
ENTWICKLUNG:
Dem internationalen Entwicklungsindex (HDI) der Vereinten Nationen (UN) zufolge stand Afghanistan 2007 auf dem 174. von 178 Plätzen. Nur in Afrika gibt es noch ärmere Länder (Burkina Faso, Mali, Sierra Leone und Niger).
WIRTSCHAFTSLEISTUNG
Die Wirtschaftsleistung (BIP) der etwa 30 Millionen Bürger Afghanistans lag laut UN 2006 bei 8,3 Milliarden Dollar (2002: 4,7 Milliarden). Das sind 319 Dollar pro Kopf (2002: 213). Mehr als 30 Prozent der Menschen sollen arbeitslos sein. Die Weltbank schätzt, der Opiumhandel mache ein Drittel des BIP aus. Das Land produziert mehr als 90 Prozent des weltweit gehandelten Opiums. dpa/ap/ara