Eine Woche vor der Bundestagswahl hat das Terrornetzwerk El Kaida seine Drohungen gegen Deutschland verstärkt für den Fall, dass die Bundeswehr am Hindukusch bleibt. Von Michael Bergius
Kombo des Bonner Islamisten Bekkay Harrach, der sich Abu Talha oder
"Der Deutsche" nennt: Links ist er in einem Video, das auch auf der Internet-Plattform YouTube erschienen ist.
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Kombo des Bonner Islamisten Bekkay Harrach, der sich Abu Talha oder
"Der Deutsche" nennt: Links ist er in einem Video, das auch auf der Internet-Plattform YouTube erschienen ist.
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Berlin. Nach dem Auftauchen neuer islamistischer Drohvideos hat der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz vor einem Schwenk in der Afghanistan-Strategie gewarnt. "Auf Erpressung darf man nicht mit Wankelmütigkeit reagieren", sagte Polenz der Frankfurter Rundschau. "Im Gegenteil: In dem Moment, wo wir uns erkennbar durch solche Botschaften beeindrucken ließen, würden sich ihre Urheber bestätigt fühlen." Gedankenspiele über einen Truppenabzug aus Afghanistan könnten Anschläge von El Kaida und den Taliban "geradezu provozieren", gab der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag zu bedenken.
Am Sonntag war eine zweite Videobotschaft innerhalb von 48 Stunden im Internet aufgetaucht. Sicherheitsexperten schreiben sie dem aus Bonn stammenden Deutsch-Marrokaner Bekkay Harrach zu, der unter dem Decknamen "Abu Talha" seit Jahresbeginn damit bereits vier Drohungen im Namen des Terrornetzwerks El Kaida verbreitet hat. "Auch dieses Video reiht sich ein in frühere Botschaften islamistischer Kreise; wir halten es für authentisch", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums der FR. Über den genauen Inhalt des Textes wurde zunächst nichts bekannt.
Deutsche Islamisten festgesetzt
In Pakistan sind mehrere Deutsche festgenommen worden, bei denen es sich offenbar um mutmaßliche Islamisten handelt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Samstag, es gebe "konsularische Bemühungen" für die Betroffenen.
Nach Informationen des Spiegel handelt es sich um sechs mutmaßliche Islamisten und ein Kind. Die Gruppe sei bereits im Mai an der pakistanischen Grenze festgenommen worden. Der Fall gelte in Berlin als besonders dringlich, weil zu der Gruppe auch ein vierjähriges Mädchen gehöre, schreibt das Magazin. Dieses leide besonders unter den Haftbedingungen in dem Gefängnis in Islamabad, in das die Festgenommenen verlegt worden seien.
Laut deutschen Sicherheitsbehörden, wollte die Gruppe in ein Lager der "Islamischen Bewegung Usbekistans" (IBU), die vom afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aus Anschläge verübt. Einer der Festgenommenen sei nach Erkenntnissen der Behörden der Schwager des in Bonn aufgewachsenen IBU-Sprechers Mounir Chouka.
Bei einer Befragung durch einen Beamten der deutschen Botschaft sagten den Angaben zufolge zwei der Männer, sie hätten in den Dschihad, also den "Heiligen Krieg", ziehen wollen. Laut Spiegel gehören zu der Gruppe sechs Deutsche und ein Tunesier. Vorrangig zurückholen wolle die Regierung das vierjährige Mädchen sowie dessen aus Eritrea stammende Mutter. Alle Bemühungen in diese Richtung seien aber bisher gescheitert, heißt es weiter. Der Vater des Kindes, ein deutscher Konvertit, gehöre auch zu der Gruppe. (afp)
Der Bonner Islamist Bekkay Harrach alias Abu Talha droht erneut Deutschland.
Foto: afp
Der Bonner Islamist Bekkay Harrach alias Abu Talha droht erneut Deutschland.
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Die Streifendienste von mit Maschinenpistolen bewaffneten Bundespolizisten auf deutschen Bahnhöfen und Flughäfen wurden in den vergangenen Tagen erhöht. Die Bundesländer hätten sich diesen Vorkehrungen angeschlossen, hieß es im Bundesinnenministerium; gleichwohl gebe es keinen Grund zur Panik. Bereits seit längerem sei geplant gewesen, die Sicherheitsvorkehrungen vor der Bundestagswahl zu verschärfen. Die jetzt aufgetauchten Drohvideos bestätigten die Einschätzung, dass man mit dieser Strategie richtig gelegen habe, hieß es.
Zunächst war am vergangenen Freitag ein Video von Harrach bekannt geworden. Darin hatte er einen sofortigen Abzug der rund 4200 Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan verlangt. Falls hierfür bei der bevorstehenden Bundestagswahl keine politische Mehrheit zustande komme, werde es ein "böses Erwachen geben", so die Drohung. Den in Deutschland lebenden Muslimen empfahl Harrach, sich in den zwei Wochen nach der Wahl "von allem, was nicht lebensnotwendig ist, fernzuhalten".
Einsatz in Afghanistan
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Ein deutscher Marder-Schützenpanzer der schnellen Eingreiftruppe pflügt im Marmal-Gebirge bei Masar-i-Scharif während einer Übung durch den Sand.
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Deutsche Soldaten während einer Schießübung in Kunduz. Seit 2009 mehren sich die Feuergefechte zwischen der Bundeswehr und afghanischen Terroristen.
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Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) bergen in Mazar-i-Sharif in Afghanistan während einer Gefechtsübung einen "Verwundeten".
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Einsatz bei Tag und Nacht. Soldaten der QRF proben in den Marmal Bergen nahe Mazar-e-Sharif in Afghanistan in totaler Dunkelheit den Ernstfall.
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Ein deutscher CH-53 Hubschrauber der ISAF landet in Feyzabad, nördlich von Kabul.
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Gefährlicher Einsatz. Bundeswehrsoldaten sichern in Kundus die Hauptstrasse nach Kabul. Immer wieder kommt es dabei zu Angriffen von Taliban-Kämpfern.
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Ein Soldat der Bundeswehr steht in Kundus an einer Strassensprerre. In der Nacht zuvor waren erneut zwei Raketen auf das Feldlager abgeschossen worden.
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Alltag für die Soldaten. Einsatz für die Bundeswehr an einer Straßensperre in Kundus.
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Patrouillenfahrt. Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) fahren in Masar-i-Sharif in Fahrzeugen vom Typ "Fuchs" und "Dingo".
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Ruhephase. Ein Bundeswehrsoldat der QRF lehnt in den Marmal Bergen nahe Masar-I-Sharif in Afghanistan während einer Übungspause an einem Bundeswehr-Fahrzeug des Tys "Dingo".
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Deutsche Soldaten observieren die Gegend während einer Mission in der Region von Kunduz.
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Deutscher Bundeswehrsoldat trifft afghanisches Kind - aufgenommen in einem Dorf in der Region von Kunduz.
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Feldjäger der Bundeswehr patrouillieren in Mazar-i-Sharif. Der Kontakt zu den Einheimischen gilt als ebenso notwendig wie gefährlich, da es gerade während der Patrouillen immer wieder zu Anschlägen kommt..
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Ohne Übersetzer ist die Kommunikation mit den Bewohnern eines Dorfes in der Region von Kunduz für die deutschen Soldaten nur schwer möglich.
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Soldaten der Bundeswehr laufen über einen Markt in der Stadt Kundus im afghanischen Kundus Patrouille.
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Bundeswehrsoldaten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan rauchen nach dem Einsatz an einer Straßensperre der Bundeswehr in Kundus in Afghanistan im Feldlager. An ihrem Checkpoint hatten die Soldaten Schüsse auf einen herannahenden Wagen abgeben müssen, um diesen zum Anhalten zu zwingen. Verletzt wurde niemand.
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Ärzte der Bundeswehr versorgen einen verletzten Afghanen im deutschen Camp in Kunduz.
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Der Mann war von einer Kugel getroffen worden.
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Auch die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte gehört zu den Aufgaben der Bundeswehr. Hier werden bei Masar-i-Scharif im Camp Mike Spann Soldaten der Afghanischen Nationalarmee ANA trainiert.
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Auch Waffenkunde gehört zu den Ausbildungseinheiten der Bundeswehr für das afghanische Militär.
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Ein Bundeswehrsoldat bildet im Feldlager der Bundeswehr in Feyzabad in Afghanistan afghanische Polizisten aus. Bei der Übung kommen allerdings nur Waffenattrappen zum Einsatz.
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Ein Polizist der Afghan National Police (ANP) führt in Aibak in der Provinz Samangan in Afghanistan im Rahmen der Ausbildung duch Feldjäger der Bundeswehr eine Durchsuchung durch. Feldjäger der Bundeswehr trainieren in den nördlichen Provinzen Afghanistans Polizisten der ANP.
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Wachsoldat vor dem deutschen Feldlager in Masar-i-Sharif.
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Der deutsche Oberst Georg Klein geriet in die Kritik, weil er US-Luftunterstützung im Kampf gegen zwei Tanklaster bei Kundus angefordert hatte.
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Bei dem von einem deutsche Oberst angeforderten US-Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kundus sterben mindestens 135 Menschen, unter ihnen viele Zivilisten, auch Kinder.
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Was macht die Bundeswehr in Afghanistan? Welche Aufgaben haben die deutschen Soldaten? Die Bilder internationaler Fotografen dokumentieren den Einsatz im Hindukusch. Hier trainieren Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) in Mazar-i-Sharif für den Ernstfall.
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Den bisherigen Konsens beim Thema Afghanistan sieht Polenz durch die jüngsten Videos nicht gefährdet - ungeachtet der ansonsten zunehmenden Polarisierung im Wahlkampfendspurt. "Die verantwortlichen Politiker nahezu aller Parteien wissen, dass man sich nicht erpressen lassen darf", sagte er der FR.
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz betonte ebenfalls, man dürfe sich einer solchen "gezielten Ansage vor der Bundestagswahl" nicht beugen. "Wir lassen uns nicht hinbomben in eine bestimmte Richtung", sagte Wiefelspütz der Deutschen Presseagentur. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) hob hervor, der Staat dürfe sich nicht "einschüchtern und beeinflussen lassen".
Polenz lehnt es ab, bereits jetzt feste Daten für einen Truppenabzug aus Afghanistan zu nennen. Dies würde vor Ort "falsche Signale" setzen, warnte er. Allerdings solle man "Etappen und Bedingungen beschreiben, unter denen die ausländische Präsenz schrittweise reduziert werden kann". Dazu gehöre die Fähigkeit der Afghanen, selbst für Sicherheit, Stabilität und Wiederaufbau zu sorgen.