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Entschlüsselung der Dokumente: Was hinter den Kürzeln steckt

Es wird Wochen, wenn nicht Monate dauern, den Wust an Informationen komplett auszuwerten.

BERLIN –  

Allein die Ordnungsnummer jedes Vorgangs umfasst 31 Ziffern. Hinzu kommen die Längen- und Breitenkoordinaten, jeweils bis auf die achte Stelle hinter dem Komma; Datum, Uhrzeit und eine Reihe von Kategorisierungen, die den einzelnen Bericht für die militärischen Datenbanken erst nutzbar machen sollen. Selbst der Prosa-Text ist gesättigt mit Nato-Kürzeln und gespickt mit all den Abkürzungen, die den militärischen Alltag ausmachen: PRT, KDZ, SAF, UAV, INS …

Mehr als 75.000 solcher Dokumente umfasst das Dossier, das die Internetplattform Wikileaks in der Nacht zu Montag veröffentlicht hat. Es wird Wochen, wenn nicht Monate dauern, den Wust an Informationen, Nato-Meldungen, Isaf-Feldberichten und US-Militärerkenntnissen komplett auszuwerten. Erst am Ende dieser Sichtung kann eine abschließende Einschätzung stehen, welchen Wert die Dokumente wirklich haben – und welchen Einfluss sie auf den Fortgang des Krieges in Afghanistan ausüben werden.

Die Wikileaks-Macher haben die Dokumente im Internet zumindest nach groben Kategorien geordnet. Auf diese Weise können sie nach Datum, Region und verschiedenen Delikten sortiert werden. Doch jede einzelne Kategorie zieht leicht einige hundert bis einige tausend Treffer nach sich, die mühsam angeklickt, gelesen und ausgewertet werden wollen. Ein Beispiel: Unter der Ordnungsnummer 6C3F18B8-D823-4C85-83B0-918FA3720DF4 gibt es eine dreizeilige Meldung vom 15. Oktober 2008, wonach sich ein deutscher Soldat im Camp Marmal in Masar-i-Sharif in den Fuß geschossen hat, als sich versehentlich ein Schuss aus einer Waffe löste. Der Vorfall werde untersucht.

Am 5. März meldet das deutsche Regionalkommando Nord (B0D9BC2E-D7E2-4CA7-BA65-DDCE7AA294C7), dass die afghanische Polizei mehrere Sprengfallen an der Versorgungsroute Pluto entdeckt hat. Im weiteren Verlauf der 17-zeiligen Meldung wird genau erläutert, welche Schritte das Militär unternommen hat, um die Sprengfallen zu entschärfen. Vorgang 826B488C-EA6F-A132-511610DB68C2EDBD hat in der Bundesrepublik traurige Berühmtheit erlangt: der fatale Luftschlag vom 4. September 2009 in Kundus. In diesem Bericht ist von 56 getöteten „Feinden“ die Rede; immerhin werden auch „internationale Medienberichte“ erwähnt, wonach auch Zivilisten zu Schaden gekommen sein sollen.

Drei Dokumente von mehr als 75.000 geheimen Reports, die Wikileaks ins Internet gestellt hat – Rohmaterial, das der Übersetzung und Interpretation bedarf.

Autor:  Steffen Hebestreit
Datum:  27 | 7 | 2010
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