Ex-Generalinspekteur Harald Kujat warnt im FR-Interview vor einem Strafverfahren gegen Oberst Georg Klein. Bereits die ganze Vorgeschichte sei ein einziger Skandal.
Harald Kujat, 67,General a.D. der Luftwaffe, war von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr.
Foto: ddp
Harald Kujat, 67,General a.D. der Luftwaffe, war von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr.
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Herr Kujat, wie bewerten Sie die Dresdner Entscheidung?
Es ist ja nicht klar, ob man das Verfahren in Karlsruhe annimmt. Zudem ist das Ergebnis nicht sicher. Wenn das Verfahren allerdings dazu führen würde, dass alle Rahmenbedingungen unter die Lupe genommen werden, dann hätte es letztlich sein Gutes. Dabei muss auch der Beitrag der Politik deutlich werden. Insgesamt ist das Ganze eine unglückliche Geschichte, die von Anfang an und von allen Beteiligten hundsmiserabel gehandhabt wurde.
Zur Person
Harald Kujat (67),General a.D. der Luftwaffe, war von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr. Bis 2005 war er danach Vorsitzender des Militärausschusses der Nato.
Der Vorgänger des aktuellen Inspekteurs Wolfgang Schneiderhan ist davon überzeugt, dass der Fall des Luftschlags von Kundus langfristig enorme Folgen für die Streitkräfte haben wird. (sha)
Was würde ein Strafverfahren für die Bundeswehr bedeuten?
Für die Bundeswehr hätte es katastrophale Folgen. Denn jeder wird sich überlegen, ob er unter diesen Bedingungen noch Führungsverantwortung übernimmt. Bereits die ganze Vorgeschichte ist ein einziger Skandal.
Einsatz in Afghanistan
Bildergalerie ( 26 Bilder )
Ein deutscher Marder-Schützenpanzer der schnellen Eingreiftruppe pflügt im Marmal-Gebirge bei Masar-i-Scharif während einer Übung durch den Sand.
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Deutsche Soldaten während einer Schießübung in Kunduz. Seit 2009 mehren sich die Feuergefechte zwischen der Bundeswehr und afghanischen Terroristen.
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Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) bergen in Mazar-i-Sharif in Afghanistan während einer Gefechtsübung einen "Verwundeten".
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Einsatz bei Tag und Nacht. Soldaten der QRF proben in den Marmal Bergen nahe Mazar-e-Sharif in Afghanistan in totaler Dunkelheit den Ernstfall.
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Ein deutscher CH-53 Hubschrauber der ISAF landet in Feyzabad, nördlich von Kabul.
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Gefährlicher Einsatz. Bundeswehrsoldaten sichern in Kundus die Hauptstrasse nach Kabul. Immer wieder kommt es dabei zu Angriffen von Taliban-Kämpfern.
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Ein Soldat der Bundeswehr steht in Kundus an einer Strassensprerre. In der Nacht zuvor waren erneut zwei Raketen auf das Feldlager abgeschossen worden.
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Alltag für die Soldaten. Einsatz für die Bundeswehr an einer Straßensperre in Kundus.
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Patrouillenfahrt. Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) fahren in Masar-i-Sharif in Fahrzeugen vom Typ "Fuchs" und "Dingo".
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Ruhephase. Ein Bundeswehrsoldat der QRF lehnt in den Marmal Bergen nahe Masar-I-Sharif in Afghanistan während einer Übungspause an einem Bundeswehr-Fahrzeug des Tys "Dingo".
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Deutsche Soldaten observieren die Gegend während einer Mission in der Region von Kunduz.
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Deutscher Bundeswehrsoldat trifft afghanisches Kind - aufgenommen in einem Dorf in der Region von Kunduz.
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Feldjäger der Bundeswehr patrouillieren in Mazar-i-Sharif. Der Kontakt zu den Einheimischen gilt als ebenso notwendig wie gefährlich, da es gerade während der Patrouillen immer wieder zu Anschlägen kommt..
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Ohne Übersetzer ist die Kommunikation mit den Bewohnern eines Dorfes in der Region von Kunduz für die deutschen Soldaten nur schwer möglich.
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Soldaten der Bundeswehr laufen über einen Markt in der Stadt Kundus im afghanischen Kundus Patrouille.
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Bundeswehrsoldaten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan rauchen nach dem Einsatz an einer Straßensperre der Bundeswehr in Kundus in Afghanistan im Feldlager. An ihrem Checkpoint hatten die Soldaten Schüsse auf einen herannahenden Wagen abgeben müssen, um diesen zum Anhalten zu zwingen. Verletzt wurde niemand.
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Ärzte der Bundeswehr versorgen einen verletzten Afghanen im deutschen Camp in Kunduz.
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Der Mann war von einer Kugel getroffen worden.
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Auch die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte gehört zu den Aufgaben der Bundeswehr. Hier werden bei Masar-i-Scharif im Camp Mike Spann Soldaten der Afghanischen Nationalarmee ANA trainiert.
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Auch Waffenkunde gehört zu den Ausbildungseinheiten der Bundeswehr für das afghanische Militär.
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Ein Bundeswehrsoldat bildet im Feldlager der Bundeswehr in Feyzabad in Afghanistan afghanische Polizisten aus. Bei der Übung kommen allerdings nur Waffenattrappen zum Einsatz.
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Ein Polizist der Afghan National Police (ANP) führt in Aibak in der Provinz Samangan in Afghanistan im Rahmen der Ausbildung duch Feldjäger der Bundeswehr eine Durchsuchung durch. Feldjäger der Bundeswehr trainieren in den nördlichen Provinzen Afghanistans Polizisten der ANP.
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Wachsoldat vor dem deutschen Feldlager in Masar-i-Sharif.
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Der deutsche Oberst Georg Klein geriet in die Kritik, weil er US-Luftunterstützung im Kampf gegen zwei Tanklaster bei Kundus angefordert hatte.
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Bei dem von einem deutsche Oberst angeforderten US-Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kundus sterben mindestens 135 Menschen, unter ihnen viele Zivilisten, auch Kinder.
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Was macht die Bundeswehr in Afghanistan? Welche Aufgaben haben die deutschen Soldaten? Die Bilder internationaler Fotografen dokumentieren den Einsatz im Hindukusch. Hier trainieren Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) in Mazar-i-Sharif für den Ernstfall.
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Fotostrecken Politik
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Da wird der Name des Betroffenen durch die Presse gezogen. Seine Familie und er werden einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Es wird im Detail diskutiert, von kompetenten und weniger kompetenten Leuten, was er richtig oder falsch gemacht hat. Das allein reicht schon aus, dass sich jeder Soldat überlegt: Wie würde es mir in einer vergleichbaren Situation ergehen? Das ist vollkommen unabhängig vom Ergebnis einer Gerichtsverhandlung.
Aber muss der Luftangriff denn nicht geahndet werden?
Das Geschehen muss rechtlich gewürdigt werden. Das ist in einem Rechtsstaat so. Das darf aber nicht verengt werden auf eine Person, sondern auf die Umstände, die die Person zu einer Entscheidung gebracht haben. Dass da Fehler passiert sind, ist ja ganz offenkundig. Doch wenn Fehler gemacht wurden, dann hat sie nicht nur einer gemacht. Das Problem liegt in den Verhältnissen und den Regeln, denen die Soldaten ausgesetzt sind. So fehlt es an modernen Aufklärungsmitteln. Mit ihnen wäre die Sache ganz anders verlaufen. Und Einsatzregeln, die auf dem innerstaatlichen Regelwerk der Notwehr und Nothilfe beruhen, sind für Kampfeinsätze unter kriegsähnlichen Bedingungen nicht brauchbar. Die bisherige Praxis hat im Übrigen nicht zur Verhaltenssicherheit beigetragen, sondern die Soldaten verunsichert. Dabei geht es immer, um mit Clausewitz zu reden, um Entscheidungen unter Friktionen. Dass eine Staatsanwaltschaft verfährt, wie sie verfahren muss, das kann man nicht kritisieren.
Kann der Fall denn überhaupt juristisch geklärt werden?
Ich bin äußerst neugierig zu sehen, ob die Kompetenz da ist, die Einsatzregeln beurteilen zu können. Da gibt es ja verschiedene Interpretationen. Teilweise sind die Einsatzregeln gar nicht veröffentlicht worden, sondern geheim. Das ist eine ganz schwierige Situation. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass der Fall langfristig enorme Auswirkungen auf die Streitkräfte haben wird.