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Franz Josef Jung: Der stolze Minister

Es ist Wahlkampfzeit - und der Verteidigungsminister spricht lieber über seine Erfolge als über die Kämpfe um Kundus. Von Thomas Kröter

Bloß nicht übertreiben, lautet die Devise von Verteidigungsminister Jung. Bloß nicht den Eindruck erwecken, in Afghanistan herrsche Krieg.
Bloß nicht übertreiben, lautet die Devise von Verteidigungsminister Jung. Bloß nicht den Eindruck erwecken, in Afghanistan herrsche Krieg.
Foto: dpa

Berlin. Bilanz will der Minister ziehen - kurz vor der Bundestagswahl die Summe der vier Jahre, seit die Fährnisse der Politik ihn aus Wiesbaden nach Berlin gespült haben. Aber Franz Josef Jung geht schnell noch auf die aktuellen Ereignisse ein - um das wunderbare Rekrutengelöbnis am 20. Juli zu loben. Das aktuellste Ereignis unter Beteiligung von Menschen aus seinem Verantwortungsbereich muss da noch eine Weile auf seine Würdigung warten: der bislang größten zusammenhängend militärischen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Die Nachrichten an diesem Mittwochmorgen sind voll davon. Aber der Verteidigungsminister spaziert erst mal gemächlich durch das ruhige Gelände des Lobes seiner politischen Tätigkeit.

Dafür hat er sogar sein Schneckenhaus verlassen und ist in den Saal der Bundespressekonferenz gekommen, im Gefolge seine Staatssekretäre Christian Schmidt (CSU, stumm), Thomas Kossendey (CDU, überwiegend stumm) und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, der ihn rhetorisch glänzend unterstützt. Eine Viertelstunde parliert Jung ungestört etwa darüber, dass er es geschafft habe, seinen Etat um vier Milliarden zu erhöhen. Das ist selbst Volker Rühe, dem letzten Christdemokraten unter seinen Vorgängern, nicht gelungen. An die 30 Punkte umfasst die Erfolgsliste, die er dann verteilen lässt.

Allein, die "Meute" der Hauptstadtjournalisten setzt in ihren Fragen doch andere Schwerpunkte als der stolze Minister - sie fragt zum Beispiel, warum die Bundeswehr am Hindukusch nicht noch schwerere Waffen einsetzt als die Schützenpanzer und Artillerie, mit der sie seit Sonntag eine Offensive der afghanischen Armee unterstützt. Zum Glück hat er seinen Generalinspekteur dabei, der einleuchtend erklären kann, warum es eben nicht darauf ankommt, möglichst viel schweres Gerät anzukarren.

Schlitzohrig zögert Schneiderhan auch zu bestätigen, dass es sich bei der Beteiligung von 300 Bundeswehrsoldaten an den Gefechten um die bislang größte deutsche militärische Aktion handelt - als wüsste er das nicht ganz genau. Aber der oberste militärische Ratgeber des Ministers folgt genau der politischen Linie seines Chefs: bloß nicht übertreiben. Bloß nicht den Eindruck erwecken, da herrsche Krieg. Deshalb lenkt er den Fokus darauf, dass die deutschen 900 Afghanen unterstützten, die auch die Aktion führten.Franz Josef Jung jedenfalls geht nicht davon ab: "Wir machen einen Stabilisierungseinsatz und keinen Krieg". Was der Unterschied ist? Nun, sagt der Minister die Taliban bezeichneten sich als Krieger, seien aber Terroristen. Ihre Sprache dürfe man nicht übernehmen.

Für die terminologischen Schwierigkeiten hat ausnahmsweise sogar der Grüne Verteidigungspolitiker Winfried Nachtwei Verständnis. "Wir haben kein angemessenes Wort, um diesen Einsatz insgesamt zu beschreiben", sagt er in der ARD. Aber durch die Kampfe werde die Bundeswehr eben doch "immer tiefer in einen Krieg verstrickt".

Autor:  Thomas Kröter
Datum:  23 | 7 | 2009
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