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Gespräch mit deutschem Soldaten: "Hier ist Krieg"

Ein deutscher Isaf-Soldat, der anonym bleiben will, spricht über die Lage in Afghanistan, die Diskussion in der Heimat und Taliban als "lohnende Ziele". Für ihn ist ganz klar: "Hier ist Krieg." Von Daniela Vates


Foto: rtr

Der Mann am anderen Ende des Telefons wird richtig laut. "Hier ist Krieg!", ruft er in den Hörer. Er wiederholt den Satz mehrfach in dem Gespräch, er ist aufgebracht. Es ist ein Gespräch mit einem deutschen Isaf-Soldaten, der seit mehreren Monaten in Afghanistan Dienst tut.

In Deutschland wird darüber diskutiert, ob der von einem deutschen Isaf-Mann befohlene Luftangriff von Kundus verantwortbar gewesen ist. Zivilisten und Taliban sind dabei ums Leben gekommen. Es sind wegen des Vorfalls bereits der frühere Verteidigungsminister, der Generalinspekteur und ein Staatssekretär zurückgetreten.

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Ein deutscher Soldat reinigt seine Waffe.
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Foto: rtr

Der neue Minister, der den Angriff erst als notwendig, dann als nicht notwendig bezeichnet hat, steht wegen seiner Informationspolitik in der Kritik. Der Bundestag hat einen Untersuchungsausschuss eingesetzt.

Der Soldat in Afghanistan - der offen redet unter der Voraussetzung, dass man seinen Namen nicht nennt - nennt die Debatte in Deutschland "unsachlich, gründend auf solider Nichtahnung". Die internationalen Truppen seien mit massiver Gewalt der Taliban konfrontiert. Jeden Tag gebe es bis zu 20 Verwundete bei der Isaf, immer wieder auch Tote. Jeden Tag würden afghanische Soldaten und Polizisten umgebracht.

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Panzeraufschrift: Du bist Deutschland
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"Die Debatte in Deutschland gründet auf solider Nichtahnung"

"Hier ist Krieg", sagt der Mann wieder. Wenn man da 60 Taliban auf einem Haufen antreffe, dann sei das "ein lohnendes Ziel". Auch nach den Luftangriffen von Kundus sei die Isaf noch mehrfach so gezielt gegen die Taliban vorgegangen. "Es wurden Zielpersonen liquidiert", so heißt das in der Militärsprache. "Seitdem ist es ruhiger", sagt der deutsche Soldat.

Bundeswehrsoldaten essen unter freiem Himmel ihre Ration.
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Foto: rtr

Aber sind bei dem Luftangriff nicht Zivilisten getötet worden und schreiben nicht die Einsatzregeln vor, dass das zu vermeiden ist? "Jeden Tag werden in Afghanistan Zivilisten von den Taliban umgebracht", sagt der Mann.

Und das Verhältnismäßigkeitsgebot für die internationalen Truppen? "Deswegen sterben nur so wenige Zivilisten." Immer wieder haben Militärs aus Afghanistan berichtet, dass die Taliban Zivilisten als Schutzschilde verwenden. Es gibt auch Spekulationen, dass die Taliban Bewohner der naheliegenden Dörfer gezwungen haben sollen, sich um die auf einer Sandbank festsitzenden Tanklastwagen zu versammeln, die dann von der Isaf bombardiert wurden.

"Wir sitzen hier nicht rum und bauen Brunnen, wir laufen hier mit Waffen rum"

Über die künftige Gestaltung des Afghanistan-Mandats hat der Gesprächspartner eine klare Meinung. "Natürlich brauchen wir mehr Soldaten, für einen Zeitraum von etwa 20 Monaten." Nur so könne die Lage beruhigt werden. Eine Veränderung des deutschen Auftrags sei aber über die Zahl hinaus nicht notwendig. "Schützen und verteidigen - da ist alles drin, was wir brauchen", sagt er und betont, das damit auch die Tötung von Taliban zulässig sei. Auch die Ausrüstung der Deutschen in Afghanistan sei ausreichend.

Klar sei, dass die Soldaten verunsichert seien durch die Debatte. "Es ist Krieg", sagt der Mann zum Abschluss des Gesprächs noch mal. "Es ist nicht so, dass wir hier rumsitzen und Brunnen bauen. Wir laufen hier mit Waffen rum." Plötzlich scheine das auch in Deutschland allen klar zu werden.

Autor:  Daniela Vates
Datum:  19 | 12 | 2009
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