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Kabul: Taliban machten Jagd auf Hotelgäste

Fünf Stunden dauerte die Besetzung des Hotels Hotel Intercontinental in Kabul, bis auch die letzten Attentäter, die sich auf das Dach geflüchtet hatten, von einem Nato-Hubschrauber aus getötet wurden.

Das Restaurant im Erdgeschoss von Kabuls Hotel Intercontinental war voller Gäste, als der Alptraum über sie hereinbrach. Neun Talibankämpfer drangen von zwei Seiten in das Hotel ein, das auf einem Hügel über Kabul liegt. Einer der Attentäter sprengte sich im Speisesaal in die Luft, die anderen schossen auf das Sicherheitspersonal. Sie waren mit Sprengstoffgürteln, Raketen und Waffen ausgerüstet.

Afghanische Soldaten auf dem Weg ins Hotel Intercontinental.
Afghanische Soldaten auf dem Weg ins Hotel Intercontinental.
Foto: dapd

Fünf Stunden lang dauerte die Besetzung, bis auch die letzten drei Attentäter, die sich auf das Dach des Hotels geflüchtet hatten, von einem Nato-Hubschrauber aus getötet wurden. Mindestens acht Zivilisten und zwei Polizisten kamen laut offiziellen Angaben ums Leben, darunter ein spanischer und ein türkischer Gast. 18 weitere Hotelgäste wurden verletzt. Manche sprangen aus Todesangst aus dem zweiten und dritten Stockwerk.

Angesichts der heftigen Kämpfe und der meterhohen Flammen, die aus dem Gebäude schlugen, grenzt es an ein Wunder, dass nicht noch mehr Gäste ums Leben kamen. Ein möglicher Grund: In dem Anfang der 60er Jahre gebauten Hotel, das längst nicht mehr zur Kette der Intercontinental-Häuser gehört, wimmelte es von afghanischen Leibwächtern, die mehrere Gouverneure aus dem Norden Afghanistans begleiteten. Dank ihnen gelang es den Taliban-Attentätern offenbar nicht, wie geplant die Hotelzimmer systematisch nach ausländischen Gästen zu durchsuchen.

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Die Provinz-Gouverneure hatten sich in Kabul versammelt, um gemeinsam mit der Regierung und Vertretern der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe Isaf die Übergabe der Verantwortung von ausländischen Soldaten an afghanische Sicherheitskräfte zu diskutieren. Die ersten Provinzen werden Kabul (mit Ausnahme des Ortes Sarobi), Bamyian und Panjsheer sowie die Städte Masar-i-Scharif, Herat, Lashkargah und Metharlam sein. Die Konferenz sollte nun in einem Regierungsgebäude im Zentrum Kabuls stattfinden.

Die sogenannte Transition ist Voraussetzung für den geplanten Abzug westlicher Kampftruppen bis zum Jahr 2014. Bis dahin will die Nato afghanische Sicherheitskräfte mit einem Gesamtumfang von etwa 300.000 Mann aufbauen, um die gegenwärtig etwa 35.000 Kämpfer der Talibanmilizen in Schach zu halten.

        

Angriff in der Nacht: Flammen loderten aus dem Hotel Intercontinental in Kabul.
Angriff in der Nacht: Flammen loderten aus dem Hotel Intercontinental in Kabul.
Foto: Massoud HOSSAINI/afp

Einen Tag vor dem Angriff der Taliban auf das Hotel war in Kabul eine Sitzung der sogenannten Kontaktgruppe beendet worden, bei der Sonderbeauftragte aus etwa 50 Ländern die Bonner Konferenz vorbereiteten, die am 5. Dezember 2011 stattfindet. Bei dem Treffen soll eine Bilanz der Bemühungen seit der ersten Petersberg-Konferenz gezogen werden. Damals wurden die Taliban-Milizen von der Teilnahme ausgeschlossen, und auch jetzt ist noch nicht klar, ob die Regierungsgegner zur Folgekonferenz eingeladen werden. Bislang lehnen die Gotteskrieger jede Kontaktaufnahme für einen Dialog ab.

Afghanische Sicherheitsexperten glauben, dass die Attacke auf das Hotel die Handschrift der Haqqani-Fraktion trägt – einer Freischärler-Gruppe, die vom pakistanischen Nord-Waziristan aus operiert sowie enge Verbindungen zu Al-Kaida und Teilen der pakistanischen Sicherheitskräfte haben soll. Die Gruppe verübte nach Ansicht von Experten die meisten Anschläge der vergangenen Jahre in der afghanischen Hauptstadt. 2008 griff sie das Fünf-Sterne-Hotel „Serena“ an. Außerdem verübte sie ein Selbstmordattentat auf die indische Botschaft und attackierte Unterkünfte der Vereinten Nationen.

Der Anschlag auf das Hotel zeigt, dass der sogenannte Eiserne Ring, mit dem afghanische Armee und Polizei seit 2008 die Hauptstadt sichern, immer noch gewaltige Löcher hat.

(mit afp)

Autor:  Willi Germund
Datum:  30 | 6 | 2011
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