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Afghanistankrieg: Kein Geld für Witwen von Kundus

Bei vielen Hinterbliebenen des Bombenangriffs im afghanischen Kundus ist die Entschädigung aus Deutschland nicht angekommen. Das berichtete die afghanische Ärztin Habibe Erfan am Montag im Hessischen Landtag in Wiesbaden.

        

Habibe Erfan, Mitglied des Provinzrats von Kundus, hilft Witwen   von Opfern des  Bombardements.
Habibe Erfan, Mitglied des Provinzrats von Kundus, hilft Witwen von Opfern des Bombardements.
Foto: Linksfraktion Hessen

Bei vielen Hinterbliebenen des Bombenangriffs im afghanischen Kundus ist die Entschädigung aus Deutschland nicht angekommen. „Das Geld wurde von Männern abgeholt, aber nicht an die Witwen und Waisen weitergegeben“, berichtete die afghanische Ärztin Habibe Erfan am Montag in Wiesbaden, wo sie auf Einladung der Linken im Landtag auftrat.

Beim Luftangriff auf Tanklaster in der Provinz Kundus im September 2009, der von einem deutschen Offizier befohlen wurde, waren nach verschiedenen Angaben zwischen 90 und weit über hundert Menschen getötet worden. Erfan, die in der vorigen Woche als erste Zeugin aus Afghanistan im Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestags auftrat, hat 113 Todesfälle dokumentiert.

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Deutschland überwies eine „Unterstützungsleistung“ von 5000 Dollar (3600 Euro) für 91 Opfer an die Hinterbliebenen. Da Frauen in dem islamischen Land nicht befugt seien, Geld abzuholen, sei es von Brüdern, Cousins, Schwagern oder anderen männlichen Verwandten entgegengenommen worden, erzählte Erfan. Dann sei es oft verschwunden. „Es ist nicht transparent, was mit dem Geld passiert ist“, sagte sie.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte der FR, dass die Beträge aus Deutschland von „Familienoberhäuptern“ abgehoben worden seien, die Vollmachten vorgelegt hätten. Man habe sich entschlossen „die Lebensverhältnisse zu akzeptieren“, da sonst gar keine Regelung möglich gewesen wäre.

Erfan forderte, die Bundesrepublik solle für die betroffenen Frauen und Kinder statt der Einmalzahlung Häuser, Land und Projekte finanzieren, die ihnen ein lebenslanges Auskommen ermöglichen würden. Das sei erforderlich, da in den Familien Ernährer fehlten. Der Ministeriumssprecher erwiderte, derartige Projekte seien wegen der unsicheren Lage „schwierig bis gar nicht möglich“. Auch der Kauf von Land für Hinterbliebene sei wegen der komplizierten Rechtsverhältnisse in Afghanistan nicht realistisch.

Die Frauenärztin Erfan, die dem Provinzrat von Kundus angehört, hat mit fünf Mitstreitern die Schicksale der Betroffenen dokumentiert. In dieser Woche berichtet sie auf Einladung der Linken-Fraktion im Bundestag öffentlich über ihre Erfahrungen. Sie ist heute in Stuttgart, morgen in München und am Donnerstag in Mainz zu hören.

Autor:  Pitt von Bebenburg
Datum:  1 | 11 | 2010
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