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Kommentar: Der verleugnete Krieg

Es ist völlig unerheblich, ob die rechtlichen Voraussetzungen für einen Krieg gegeben sind - sie sind es nicht. Denn für die Soldaten fühlt es sich verdammt nochmal nach einem Krieg an. Von Steffen Hebestreit

Steffen Hebestreit ist Autor der Dumont-Redaktionsgemeinschaft.
Steffen Hebestreit ist Autor der Dumont-Redaktionsgemeinschaft.
Foto: FR

Auf die Bundeswehrsoldaten in Kundus, Faisabad oder Masar-i-Sharif muss die aktuelle Debatte in Deutschland seltsam wirken. Da streitet der Verteidigungsminister mit dem Wehrbeauftragten, ob sich die Soldaten in Afghanistan nun in einem Krieg befänden oder nicht.

Wortklauberei. Es ist doch völlig unerheblich, ob die rechtlichen Voraussetzungen für einen Krieg gegeben sind - sie sind es nicht. Für die Soldaten, die sich oft stundenlange Gefechte mit den Aufständischen liefern, fühlt es sich verdammt nochmal nach einem Krieg an.

Wenn Franz Josef Jung nun neuerdings von "Gefallenen" redet, wenn Bundeswehrsoldaten getötet werden, ist der Schritt zum "Krieg" nicht mehr weit. Schluss also mit dieser unsinnigen Debatte.

Viel wichtiger wäre es jetzt, sich noch einmal zu vergewissern, weshalb sich die Bundeswehr überhaupt in Afghanistan befindet. Welche Ziele sie dort erreichen will und soll - und ob die gewählten Mittel dafür denn die richtigen sind. Diese Debatte lässt sich, wenn sie ernsthaft geführt wird, nicht verkürzen auf ein "Weiter so!". Genauso wenig wie auf das - immer populärer werdende - "Raus aus Afghanistan!".

Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr krankt vor allem daran, dass sich die politische Führung in Deutschland seltsam desinteressiert zeigt an diesem Krieg (!). Die Bundeskanzlerin hat gerade mal zwei Stippvisiten in Afghanistan gemacht. Keine zentrale Rede, kein überzeugender Auftritt bleiben nach knapp vier Jahren Merkel in Erinnerung. Nein, die große Koalition tut so, als sei der Krieg in Afghanistan nur eine Angelegenheit von Franz Josef Jung. Das ist aber falsch, er geht uns alle an.

Autor:  STEFFEN HEBESTREIT
Datum:  24 | 6 | 2009
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