Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Franz Josef Jung als Verteidigungsminister überfordert ist, hat ihn diese Bundestagsdebatte erbracht. Selbst fünf Tage nach dem verheerenden Luftschlag in Kundus findet der CDU-Politiker noch immer nicht den richtigen Ton. Selbst nach den anhaltenden Zweifeln an seinen Darstellungen kommt ihm eine Entschuldigung nur quälend über die Lippen. Selbst nach der erfrischend eindeutigen Erklärung der Bundeskanzlerin zögert und zaudert Jung weiterhin nach Kräften.
Die beiden Bomben von Freitag können alsbald eine verheerende politische Sprengkraft entfalten, weil Franz Josef Jung bis heute nicht erkannt hat, worauf es ankommt: Es geht nicht darum, den Bundeswehr-Kommandeur von Kundus im Regen stehen zu lassen. Sondern es geht darum, aufrichtig und schnell zu klären, was genau passiert ist, wie viele Menschen dabei getötet worden sind und etwaige Fehler für die Zukunft auszuschließen.
Und es geht darüber hinaus darum, endlich aufrichtig Problembewusstsein an den Tag zu legen für den Fall, dass tatsächlich Zivilisten getötet worden sind. Merkel hat dies erkannt, Jung nicht. Er spürt nicht, wie fatal sein Mangel an Sensibilität gegenüber der afghanischen Öffentlichkeit auch für die Bundeswehrtruppen im Einsatz sein kann.
Nein, der einzige Grund für den Verbleib von Franz Josef Jung an der Spitze des Bendlerblocks ist der Bundestagswahlkampf. Merkel kann und will es sich nicht leisten, nach Althaus und Müller vor dem 27. September noch einen Mann zu verlieren. Doch nach dem Wahltermin endet die Schonzeit für Franz Josef Jung.