Besser spät als gar nicht. Bundeskanzlerin Merkel hat den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan alternativlos genannt. Gut daran ist, dass die Regierungschefin zu diesem wichtigen nationalen und internationalen Thema nicht mehr schweigt und Verteidigungsminister Jung zur Seite springt, der nicht nur bei diesem Thema oft überfordert wirkt.
Besser wäre die Kanzlerin gewesen, wenn sie nicht nur die bekannten Worthülsen formuliert hätte. Eine Note Eins hätte sie sich verdient, wenn sie wie US-Präsident Obama ihrem Volk erklärt hätte, welches Ziel die Soldaten verfolgen. Obama formulierte die Aufgaben und erläuterte sie den Amerikanern. Demnach will er die Region Afghanistan-Pakistan stabilisieren, damit Terroristen dort keinen Unterschlupf mehr haben. Für diesen Zweck schickt Washington mehr Truppen, die in schweren - also blutigen - Wochen diese Aufgabe realisieren sollen. Der (Wieder-)Aufbau des Landes kommt für Washington erst an zweiter Stelle.
Dies ist kein Plädoyer für einen deutschen Einsatz nach amerikanischen Vorbild. Doch die Kanzlerin hätte darüber sprechen müssen, ob die neue US-Strategie das deutsche Engagement ändert - und wenn ja, wie. Viele Bundeswehrsoldaten erwarten beispielsweise, dass die Aufständischen den US-Truppen ausweichen werden - auch in den Norden. Die Folge: mehr Gefechte. Wird sich also auch etwas bei der Ausbildung von afghanischen Soldaten, Polizisten und Juristen ändern? Wann wird die Masse der Bevölkerung endlich mehr Vor- als Nachteile vom internationalen Einsatz haben? Doch von all dem schwieg Merkel. Schade, hätten Sie doch geredet, Kanzlerin.