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Kundus-Affäre: Guttenberg entlässt erneut General

Brigadegeneral Henning Hars ist mit 54 Jahren in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Er schrieb einen Brief an den Verteidigungsminister. Der gerät jetzt weiter in die Kritik.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg
Foto: dpa

Berlin. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat einen weiteren General wegen der Kundus-Affäre entlassen. Das Ministerium bestätigte am Freitag, dass der 54-jährige Brigadegeneral Henning Hars bereits vor einer Woche in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde.

Der frühere Gruppenleiter im Bundeskanzleramt und Militärattaché in Washington hatte nach der Entlassung des Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan einen Brief an Guttenberg geschrieben, der ihn nun seinen Job kostete.

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Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums führten Staatssekretär Rüdiger Wolf und ein weiterer Vorgesetzter Gespräche mit Hars über das Schreiben. "Als Ergebnis dieser Gespräche haben beide dem Minister die Versetzung des Brigadegenerals Hars in den einstweiligen Ruhestand empfohlen", erklärte ein Ministeriumssprecher. Guttenberg folgte dieser Empfehlung und veranlasste die Entlassung durch Bundespräsident Horst Köhler.

Der "Tagesspiegel" berichtete, Hars habe in seinem Brief nach den Gründen für die Entlassung Schneiderhans und nach der Einschätzung des Ministers zum Bombardement von Kundus gefragt. Bei dem von einem Bundeswehroberst befohlenen Angriff waren Anfang September 2009 bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden. Das Verteidigungsministerium äußerte sich nicht zum Inhalt des Briefes.

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Kritische Reaktionen

Der sicherheitspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, hat die Versetzung des Brigadegenerals Henning Hars durch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den einstweiligen Ruhestand scharf kritisiert. "Die Zustände im Bundesverteidigungsministerium muten atemberaubend an", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". "Es sieht so aus, als würden unliebsame Querköpfe einfach deshalb rollen, weil sie eine andere Meinung vertreten als der Minister."

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, erklärt: "Natürlich kann ein Minister einen General in den Ruhestand schicken, wenn er kein Vertrauen zu ihm hat. Ich habe aber zunehmend den Eindruck, dass es führende Militärs gibt, die kein Vertrauen mehr zum Minister haben. Die Einschläge kommen näher." Bei den dringenden Veränderungen, die Truppe betreffend, gehe Guttenberg hingegen "auf Tauchstation", sagte Arnold dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Hars sei "keiner, der unbotmäßig schreibt", so Arnold. "Aber er ist Staatsbürger in Uniform."

Informationspannen

Bereits Ende November mussten Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert wegen Informationspannen im Zusammenhang mit der Kundus -Affäre ihre Ämter niederlegen. In der kommenden Woche sagen beide vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestags aus.

Hars war unter anderem Sekretär in der Weizsäcker-Kommission zur Reform der Bundeswehr, Gruppenleiter "Militärpolitik und militärische Angelegenheiten" im Bundeskanzleramt und Verteidigungsattaché an der deutschen Botschaft in Washington. Zuletzt war er "in Vorbereitung auf neue Verwendung" beim Wehrbereichskommando I in Kiel eingesetzt.

Laut "Tagesspiegel" war als nächste Station für Hars ein viermonatiger Einsatz im Kosovo geplant. Danach sei er als Direktor für den Bereich Lehre an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg vorgesehen gewesen. (dpa/kho)

Datum:  12 | 3 | 2010
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