In Afghanistan werden zwei Deutsche vermisst. Außenminister Guido Westerwelle schließt eine Entführung nicht aus. Die Identität der der beiden Opfer ist noch offen.
Blick über Wälder und Berge in Afghanistan. In dem Land werden zwei deutsche Staatsbürger vermisst.
Berlin –
Zwei Deutsche werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes seit vier Tagen in Afghanistan vermisst. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Dienstag in Berlin, dass die beiden deutschen Staatsbürger im Norden des Landes womöglich entführt worden sind. Man suche intensiv nach den Männern und stehe in ständigem Kontakt zu den zuständigen Behörden, sagte Westerwelle.
Nach afghanischen Angaben waren die beiden Männer am vergangenen Freitagmorgen zu einer Bergtour am Salang-Pass in der Provinz Parwan, nordwestlich der Hauptstadt Kabul, aufgebrochen. Weil sie bis 18 Uhr nicht zum vereinbarten Treffpunkt zurückgekehrt waren, alarmierte ihr afghanischer Fahrer die Polizei. Nach Angaben des Gouverneurs von Parwan handelt es sich bei den beiden um Entwicklungshelfer. Nach Recherchen der Frankfurter Rundschau ist einer der Männer bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) beschäftigt, der andere arbeitet für ein christliches Hilfswerk.
Bundeswehr in Afghanistan
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Bundeswehr in Afghanistan
Der Soldat wurde bei einem Feuergefecht nahe Kundus getötet, vier weitere verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikal-islamische Taliban. Mehr als 3800 deutsche Soldaten sind in Afghanistan stationiert. Der Einsatz begann 2002.
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Die deutsche Patrouille geriet in einen Hinterhalt. Sie wurde mit Handfeuerwaffen und Granaten beschossen. Auf den Anschlag reagierte Steinmeier mit dem Satz: "Natürlich lassen wir uns von solchen feigen Anschlägen nicht von unserem Engagement in und für Afghanistan abbringen."
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So sah es am Unglücksort knapp 250 Kilometer nördlich von Kabul aus. Erst wenige Wochen zuvor war der Afghanistan-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel von einem Angriff der Taliban überschattet worden.
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Seit den Anschlägen herrscht erhöhte Alarmbereitschaft bei den deutschen Soldaten. Zumal bei einem Selbstmordanschlag in der Nähe von Kundus in dieser Woche weitere fünf Bundeswehrsoldaten verletzt wurden.
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Die Bundeswehr will auch Vertrauen schaffen, weshalb der Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung trotz aller Sorgen und Ängste aufrecht erhalten wird. Der Gesamtwert der deutschen Hilfe für das zerrissene Land wird bis 2011 einen Betrag von 1,2 Millliarden Euro erreichen.
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Außenminster Steinmeier setzt sich für die "regionale Lösung" gegen den islamischen Terrorismus ein. Afghanistan und Pakistan sollen stärker einbezogen werden. Mit Sorge wird beobachtet, dass sich Afghanistan aufs Neue radikalisiert. So soll fortan ein Ehegesetz für schiitische Frauen deren Sexualleben streng regeln.
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Das Gesetz wird im Westen allgemein als Rückfall in ein Wertesystem gesehen, dass noch radikaler sei als das der Taliban früher. Es würde für rund 20 Prozent der Bevölkerung Afghanistans gelten. Dieser Afghane hat gut lachen, der Soldat im Hintergrund weniger.
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In Afghanistan sind derzeit mehr als 70.000 Soldaten aus über 40 Nationen stationiert. Im Zuge der Präsidentenwahl im August sollen weitere 20.000 das Land stabilisieren. Die Taliban kündigen bereits in Reaktion darauf eine Offensive an. Auch deutsche Soldaten müssen weiter um ihr Leben fürchten.
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Hierzulande wird die Debatte über den Sinn und die Dauer des Afghanistan-Einsatzes weitergehen. Einen Termin für den endgültigen Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan gibt es nicht, Anschläge werden weiter zur Tagesordnung gehören.
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Ein weiteres Mal ist hoher Besuch aus Deutschland in Afghanistan von einem Anschlag überschattet worden. Außenminster Frank-Walter Steinmeier reagierte betroffen, als er bei seiner Visite in Kabul Ende April 2009 vom Tod eines Bundeswehrsoldaten erfuhr.
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Alltag in Afghanistan
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Das Plakat, das Junge zum Verkauf anbietet zeigt die indische Schauspielerin Smriti Irani. Sie spielt die Figur "Tulsi" in der beliebten Familien-Soap "Saas Bhi Kabhi Bahu Thi" (Die Schwiegermutter war selbst einmal nur Schwiegertochter). Nach 25 Jahren Krieg ist das die erste Serie im afghanischen Fernsehen.
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Jeden Abend um 20.30 Uhr kleben Afghanen vor dem Fernseher um die indische Serie "Saas Bhi Kabhi Bahu Thi". Das Familiendrama thematisiert Probleme, die Afghanen selbst aus ihrem Alltag kennen.
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Egal ob Männer oder Frauen, jung oder alt, wer in Afghanistan Zugang zu einem Fernsehapparat hat, schaut abends um 20.30 Uhr die indische Familien-Soap "Saas Bhi Kabhi Bahu Thi". Hier schauen sich die Gäste einer Pension in Kabul gemeinsam eine der täglichen Folgen an.
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Während das Fernsehen Familiendramen zeigt, spielen sich auf den Straßen andere Tragödien ab: Nach einem Selbstmordanschlag versammeln sich Schaulustige auf der Straße in Kabul. Vor den schwerbewaffneten Polizisten halten sie lieber einen großen Abstand.
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...Kein Wunder, denn Zivilisten werden öfter mal selbst Opfer der Ordnungshüter. Der Fahrer dieses Taxis wurde durch die Kugeln der Polizei getötet, als sie versuchte die Entführer der deutschen Geisel aufzuhalten und auf deren Wagen schoss.
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Auch für die Kinder ist die Gewalt ein Alltags-Szenario: Afghanische Polizisten vor einem Haus in Kabul bei der Suche nach der deutschen Geisel.
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Aber neugierig sind sie trotzdem, wie alle Kinder dieser Erde.
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Bevor das Tragen der Burka allgemein zur Pflicht gemacht wurde, war blau eine eher seltene Farbe. Die ursprünglich teurere blaue Burka kam erst unter den Taliban in Mode. Und Handys - die gibt es erst seit vier Jahren in Afghanistan.
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Ganz unter sich sind jedoch die Männer, die in einem Boxclub in Kabul trainieren.
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Freizeitvergnügen, nur für Männer: In einem Park in Kabul werden Wasserpfeifen zum gemütlichen Schmauchen angeboten. In der Wasserpfeife dampft aromatisierter Tabak, nicht etwa Opium, das die Bauern in großen Mengen gewinnen.
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Afghanische Bauern bestellen ihre Mohnfelder in der Provinz Balkh, etwa 500 Kilometer nördlich von Kabul. Sie gewinnen hier Rohopium. Der Handel mit illegalen Narkotika dominiert die afghanische Wirtschaft. Der Opiumhandel trägt zu 60 Prozent des Bruttosozialproduktes bei. Afghanistan produziert 87 Prozent des weltweiten verfügbaren Opiums.
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Die Brücke über den Pyanj River wurde vor allem gebaut, um den Handel zwischen den beiden Uferseiten zu beleben. Die Regierung hofft darauf, mit ihr nur den legalen Handel zu fördern. Doch ebenso blüht der illegale: Drogenkuriere passieren die Brücke genauso, wie die Arbeiter.
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Auch Alltag: Dieser Wagen diente einem Selbstmordattentäter als Angriffswaffe. Mit ihm jagte er mehrere Fahrzeuge auf einer Straße im Norden des Landes in die Luft.
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Dass Zivilisten bei den Anschlägen oft schwer verletzt werden, gehört ebenso zum Leben in Afghanistan wie die Anschläge selbst. Ein aus Decken und einem Auto improvisierter Krankenwagen bringt die verletzte Familienangehörige ins Krankenhaus.
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Viele Afghanen besuchen den Schrein, der dem bekannten Dichter und Gelehrten, Khowja Abdullah Ansari, gewidmet ist in Herat im Westen Afghanistans. Die Stadt nahe der iranischen Grenze gilt als Wiege der Afghanischen Kultur und Literatur.
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Afghanische Frauen beim Gitarrenunterricht in Mazar-I-Shariff im Norden des Landes. Unter der radikal-islamistischen Herrschaft der Taliban war jede Musik verboten. Frauen waren von den Schulen verbannt worden. Die UN und verschiedene Hilfsorganisationen gaben den 2006 den finanziellen Anschub, um die Musikschule zu gründen, in der diese Frauen lernen.
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Neben klassischer Musik, entsteht in Afghanistan auch eine Szene für Populärmusik. Der Rapper Bezhan Zafarmal (rechts) alias DJ Besho, mit einer Raubkopie seiner CD in einem Musikladen in Kabul. Der 28-Jährige sagt, er wolle eine Friedensbotschaft an die junge Generation seines kriegsgebeutelten Landes schickn. Junge Afghanen sollten sich im Kampf gegen Drogen vereinen und sich um eine gute Bildung bemühen, um ihr Land vorwärts zu bringen.
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In Afghanistan gibt es natürlich Probleme wie überall auf der Welt. Auf dem Geflügelmarkt in Kabul tauchte im März 2006 die Vogelgrippe auf.
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Daraufhin schwärmten in Kabul Trupps mit Gesundheitspersonal aus, um Hühner einzufangen und Desinfektionsmittel zu versprühen. Sie hofften, der Infektion so Herr werden zu können.
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Die Bevölkerung leidet unter Armut: Ein alter Mann besucht den Markt in Kabul.
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Ein junger Mann sammelt Blätter als Brennstoff außerhalb von Kabul.
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Einst war Kabul eine schöne Stadt. Davon zeugen nur noch wenige Gebäude wie das im Bild.
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Afghanistans Hauptstadt Kabul heute: Es gibt kaum fließendes Wasser und die Straßen sind meist ungepflastert. Zerbombte und zerschossene Häuser prägen das Bild. Berge von Plastikflaschen verschandeln den Kabulfluss, und die mit Autos verstopften Straßen erfüllen die Luft mit Staub und Abgasen.
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In Afghanistan gehören Entführungen und Selbstmordanschläge zum Alltag - jedenfalls dem der Medienberichterstattung. Danaben gibt es aber noch den schmalen Grat der Normalität: Märkte, Schulen, Sport und auch Freizeitaktivitäten. Ein kulturelles Leben.
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Zuletzt sollen die beiden Deutschen am Freitagnachmittag in Begleitung von drei bewaffneten Männern gesehen worden seien. Seither gebe es keinerlei Kontakt zu ihnen, erfuhr die FR. Ein Sprecher der Taliban dementierte, etwas mit der Angelegenheit zu tun zu haben. Deutsche Stellen vermuten einen kriminellen Hintergrund für die Tat.
In den vergangenen Jahren hat sich in Afghanistan eine regelrechte Entführungsindustrie etabliert, der nicht nur westliche Entwicklungshelfer und Geschäftsleute zum Opfer fallen, sondern viel häufiger auch wohlhabende oder vermeintlich wohlhabende Afghanen. In der Regel kommen die Betroffenen gegen die Zahlung eines Lösegeldes wieder frei. Nicht ungewöhnlich ist es nach Angaben aus Sicherheitskreisen, dass Geiseln im Laufe einer Entführung immer wieder von unterschiedlichen Gruppen gefangen gehalten werden. Sie werden einfach „weitergereicht“.
Das Auswärtige Amt wollte keine näheren Angaben zu den Betroffenen machen und auch nicht bestätigten, dass es sich um Entwicklungshelfer handele. Der Krisenstab habe sich des Falls angenommen. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam teilte auf Anfrage mit, dass nach ihren Erkenntnissen keine deutschen Soldaten vermisst würden.
Westlich von Kundus verübten Aufständische am Dienstag einen Sprengstoffanschlag gegen die Bundeswehr. Bei der Detonation eines Sprengsatzes seien drei afghanische Soldaten leicht verletzt worden, Bundeswehrangehörigen blieben unverletzt. Der mutmaßliche Attentäter sei nach der Explosion in einem nahen Gehöft festgenommen worden.