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Neuer Bericht zu Talokan: Bundeswehr erschoss drei Afghanen

Bei den gewaltsamen Protesten im afghanischen Talokan vor zweieinhalb Wochen sollen Bundeswehrsoldaten drei Angreifer erschossen haben. Das geht aus einem Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen hervor.

Soldaten des deutschen ISAF-Kontingents patrouillieren auf dem Markt in Talokan (Archivfoto vom 30.09.2008).
Soldaten des deutschen ISAF-Kontingents patrouillieren auf dem Markt in Talokan (Archivfoto vom 30.09.2008).
Foto: dpa

Zunächst hatte das Einsatzführungskommando davon gesprochen, dass durch die Schüsse sieben bis zehn Angreifer verletzt, aber nach damaligem Erkenntnisstand niemand getötet worden sei. Von den drei Getöteten berichtete am Samstag das Magazin Der Spiegel unter Berufung auf einen Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen.

Das Verteidigungsministerium wies auf Anfrage darauf hin, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien, und wollte sich deshalb zu Einzelheiten nicht äußern. Ein Sprecher sagte aber: „Alle bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass die deutschen Soldaten im Einklang mit den nationalen Regeln und den ISAF-Regeln gehandelt haben.“ Auch der UN-Bericht kommt laut Spiegel zu dem Ergebnis, dass die Soldaten „angemessen“ handelten.

Nach einer nächtlichen Attacke amerikanischer Spezialeinheiten war am 18. Mai eine Trauerfeier für die vier afghanischen Opfer zu einem Angriff auf das deutsche Außenlager in Talokan ausgeartet. Einige Demonstranten warfen Molotow-Cocktails und Handgranaten. Die Deutschen schossen dem Magazin zufolge erst mit Signalpistolen, gaben dann Warnschüsse ab und zielten schließlich auf die Demonstranten.

Nach dem UN-Bericht wurden durch die Angreifer vier afghanische Sicherheitskräfte und zwei deutsche Soldaten verletzt. Die Bundeswehr hatte im Mai von drei verletzten Soldaten und fünf verletzten afghanischen Wachleuten gesprochen.

Ferner berichtete das Magazin unter Berufung auf einen Vertreter des afghanischen Geheimdienstes NDS, dass es bei den afghanischen Sicherheitskräften 130 bis 150 sogenannte Schläfer gebe. Diese könnten von der Taliban-Führung jederzeit für Angriffe gegen die ausländischen Truppen eingesetzt werden. Bis zu sieben Prozent der afghanischen Soldaten und Polizisten hätten Sympathien für die Taliban.

Erst vor einer Woche waren bei einem Anschlag ebenfalls in Talokan zwei Bundeswehrsoldaten getötet und sechs verletzt worden, darunter der ISAF-Regionalkommandeur, General Markus Kneip. Im Zusammenhang damit wurden fünf einheimische Polizisten unter dem Verdacht festgenommen, die Attentäter unterstützt zu haben. (dpa)

Datum:  4 | 6 | 2011
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