Er galt als gefährlichster Feind der Bundeswehr im nordafghanischen Kundus. Ihm werden Raketenbeschüsse auf das deutsche Lager ebenso wie Bombenanschläge auf Bundeswehr-Konvois angelastet. Nun wurde Mullah Abdul Salam, der Schattengouverneur der Taliban in Kundus, offenbar aus dem Verkehr gezogen. Dies gab der offizielle Gouverneur von Kundus, Mohammad Omar, bekannt. Demnach wurde Salam vorige Woche in Pakistan geschnappt - zusammen mit dem Talibanregenten der Nachbar-provinz Baghlan, Mullah Mir Mohammad.
Damit gelang es dem pakistanischen Geheimdienst ISI, binnen kurzer Zeit gleich drei hochrangige Talibanführer zu verhaften. Etwa zur selben Zeit war auch Abdul Ghani Baradar, der Militärchef der Rebellen und die Nummer zwei nach dem gefürchteten Taliban-Chef Mullah Omar, in der pakistanischen Hafenstadt Karachi dem ISI und dem US-Geheimdienst CIA ins Netz gegangen.
Bei einem Nato-Luftangriff im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden Afghanistans sind am Donnerstag versehentlich sieben afghanische Polizisten getötet worden. Die afghanische Polizei und Augenzeugen berichteten, ein Fahrzeug sei von einem Nato-Militärflugzeug angegriffen worden. Ein Nato-Sprecher erklärte in Kabul, man prüfe den Vorfall.
In der Provinz Kundus hatten einheimische und Nato-Truppen am Morgen eine Operation gegen die Taliban begonnen, wie der örtliche Polizeichef Abdul Kajum sagte. Dabei hätte ein Nato-Flugzeug eine Polizeipatrouille getroffen und sieben Polizisten getötet. Dem Verteidigungsministerium in Berlin und dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam lagen zunächst keine Informationen über den Nato-Luftangriff vor. (dpa)
Die Bundeswehr in Afghanistan. Erstmals befinden sich deutsche Soldaten in einem Kampfeinsatz außerhalb Europas.
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Salam soll Mitte dreißig sein. Widersprüchlich blieb, wo in Pakistan er festgenommen wurde. Einige Quellen sprachen von der Stadt Faisalabad in der Provinz Punjab, andere von der Provinz Belutschistan. Er soll einer der skrupellosesten, aber auch professionellsten Führer der Rebellen gewesen sein und bis zu 1200 Mann befehligt haben.
Laut Spiegel online macht ihn die Bundeswehr für die Ermordung von drei deutschen Soldaten im Mai 2007 verantwortlich. Auch bei vielen anderen Anschlägen soll Salam mitgewirkt haben. Er diente als Verbindungsglied zwischen den Taliban in Nordafghanistan und der Quetta-Schura, also der politischen Taliban-Führung, die im pakistanischen Belutschistan sitzen soll. Ob seine Festnahme den deutschen Soldaten allerdings eine Atempause verschafft, bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit konnten die Taliban Führungsposten schnell wieder neu besetzen.
Verwundert zeigte sich die Bundeswehr über die Ankündigung von Gouverneur Omar, dass es in "naher Zukunft" eine Offensive in Kundus und dem benachbarten Baghlan geben werde, die vergleichbar sei mit der laufenden Militäroperation im südafghanischen Helmand, wo seit Samstag 15000 Isaf-Soldaten gegen Rebellen vorrücken. "Natürlich gibt es immer wieder Militäroperationen im Raum Kundus, doch nichts, was auch nur im Entferntesten an die Aktion in Südafghanistan erinnert", sagte ein Ministeriumssprecher der FR.
Über die Festnahme von Taliban-Militärchef Baradar gibt es in Pakistan neue Spekulationen. Mehrere Medien berichteten, dass Baradar der wichtigste Unterhändler bei seit Monaten laufenden geheimen Gesprächen mit Kabul und den USA über eine friedliche Lösung in Afghanistan war. Der pakistanische Taliban-Experte Ahmed Rashid äußerte sich deshalb sehr kritisch zur Festnahme. Baradars Arrest könne den Gesprächen einen herben Rückschlag versetzen. Rashid vermutet, dass es Pakistans Militär nicht passte, dass es von den Friedensgesprächen mit den Taliban ausgeschlossen war - und deshalb Baradar festnahm.
Bei einer Bombenexplosion im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan sind am Donnerstag mindestens 25 Menschen getötet worden. Die meisten der Opfer seien Extremisten gewesen, sagte ein Geheimdienstoffizier. (mit dpa)