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"Funkel-raus"-Rufe: Vergiftete Atmosphäre

Die Eintracht hat den Klassenerhalt so gut wie geschafft, doch die Anhänger geben Anlass zur Sorge. Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

Zwei gegen einen ist unfair: Den Eintracht-Spielern Chris (vorne) und Steinhöfer ist es egal. Sie nehmen Matmour in die Zange. Mit Erfolg.
Zwei gegen einen ist unfair: Den Eintracht-Spielern Chris (vorne) und Steinhöfer ist es egal. Sie nehmen Matmour in die Zange. Mit Erfolg.
Foto: Getty

Zum guten Schluss schallte aus vielen tausend Kehlen der Evergreen, der besonders herausragende Fußball-Erlebnisse gesanglich begleitet. "Oh, wie ist das schön", schmetterten die Frankfurter Fans in der Westkurve, als Schiedsrichter Felix Brych um 17.18 Uhr die ungleiche Bundesligapartie im Stadtwald abgepfiffen und die Eintracht den wohl entscheidenden Schritt zur Rettung gemacht hatte. Nun lässt sich trefflich darüber streiten, ob ein denn doch sehr mühevoll herausgespielter 4:1-Erfolg gegen eine limitierte Mannschaft wie die von Borussia Mönchengladbach tatsächlich derart frenetisch abgefeiert werden muss. Dass sich aber überhaupt jemand freute, war eigentlich noch erstaunlicher.

Denn die Atmosphäre im Frankfurter Stadion ist vergiftet, fast schon feindselig.

Eintracht Frankfurt

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Bereits vor dem Anpfiff der Partie gaben die Unverbesserlichen die schlichte wie unsinnige Losung aus: "Funkel raus." Nach 30 Minuten dann hallten die obligatorischen "Caio, Caio"-Rufe durchs Oval, gefolgt von den Sprechchören: "Wir woll'n euch kämpfen seh'n". Das, mit Verlaub, war selten dämlich.

Zum einen war den Hessen womöglich spielerische Armut, aber ganz sicher nicht mangelnde Kampfeslust vorzuwerfen. Zum anderen zeugten die Sprechchöre von wenig fußballerischem Sachverstand. Die Mannschaften aus Frankfurt und Mönchengladbach neutralisierten sich nämlich lange Zeit, weil beider Spiel ähnlich angelegt ist: massiv stehen, Räume verdichten, laufintensiv gegen den Ball arbeiten. "Die standen mit neun Mann hinterm Ball", analysierte Funkel. Da fällt es fast jeder Mannschaft schwer, so sie denn nicht FC Barcelona heißt, den Gegner auszuhebeln.

Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 4:1

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Als die Eintracht durch Alexander Meier die erlösende Führung geschafft hatte (40.), konnte sich Funkel eine abfällige Handbewegung in Richtung der Krakeeler nicht verkneifen. Pikanterweise war es der bei den Fans eher unbeliebte Meier, der mal wieder seinen Wert für die Mannschaft herausstellte und zurecht anstelle von Caio spielt. So oder so: Die Anti-Funkel-Stimmung im Stadion ist bedenklich ausgeprägt.

Der Coach wollte sich nicht dazu äußern, um dem unschönen Thema nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Spieler hingegen sind zunehmend genervt von den Unmutsbekundungen: "Wir haben auch ohne Caio unsere Tore geschossen", sagte Marco Russ, "aber diese Rufe gegen den Trainer sind ja schon normal bei uns." Auch Torwart Markus Pröll wollte eine "generell negative Stimmung" ausgemacht haben. Ob die Eintracht noch einmal die Versöhnung mit ihren Fans schafft? Das scheint zurzeit eher zweifelhaft.

Das ist verwunderlich, weil die Hessen nun, sechs Spieltag vor Schluss, den Klassenerhalt so gut wie geschafft haben. Mit neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz dürften die Frankfurter nicht mehr in die Bredouille geraten. Und tabellarisch stehen sie so gut wie nie zuvor in dieser Runde da, sie überholten den 1. FC Köln, kletterten auf den elften Platz - und sind der Spitzenreiter des zweiten Tableaus. Immerhin.

Und doch wollte im Frankfurter Lager kaum einer von der Rettung sprechen. Am weitesten, und das ist durchaus kurios, lehnte sich der ansonsten so defensive Vorstandschef aus dem Fenster. "Das war der entscheidende Schritt", sagte Heribert Bruchhagen und trat einige Minuten später den geordneten Rückzug an. Er informierte prompt den Trainer von seiner "laienhaften Einschätzung". Das Duo Bruchhagen/Funkel soll weiter mit einer Zunge sprechen.

Funkel mimte erwartungsgemäß den Bremser. "32 Punkte reichen nicht aus, um die Klasse zu halten", mahnte er und verwies auf die "schweren Spiele, die wir vor der Brust haben". Das Restprogramm ist fürwahr diffizil: Die Eintracht muss noch in Stuttgart, gegen Dortmund, in Hannover, gegen Bremen, in Bochum und gegen Hamburg antreten. "Wir werden die Anspannung aufrechterhalten", versprach Funkel.

Gegen Gladbach, das von zwei zugesprochenen Strafstößen nur einen verwandeln konnte durch Filip Daems (75.) und nach Frankfurter Toren von Meier, Nikos Liberopoulos (47.), Russ (80.) und Michael Fink (88.) die Waffen strecken musste, machte Funkel mal wieder vieles richtig: Er gönnte Ümit Korkmaz eine schöpferische Pause, er beorderte Chris in die Innenverteidigung und Junichi Inamoto ins defensive Mittelfeld. "Das war eine Bauchentscheidung", sagte Funkel. Inamoto machte nach anfänglichen Schwierigkeiten ein sehr passables Spiel. "Ina kannst du immer bringen. Er hat den hoch gelobten Baumjohann neutralisiert", sagte Funkel. Der Bald-Münchner wurde nach 54 Minuten ausgetauscht.

Eine Schrecksekunde musste die Eintracht überstehen: Zlatan Bajramovic humpelte fünf Minuten nach seiner Einwechslung vom Platz und direkt in die Kabine. Er hatte sich das linke Sprunggelenk verdreht. Heute soll per Kernspintomographie eine Kapsel- und Bänderverletzung ausgeschlossen werden. Bajramovic gilt als Hoffnungsträger für die neue Saison - die alte scheint ohnehin nur sportlich noch zu retten.

Autor:  INGO DURSTEWITZ UND THOMAS KILCHENSTEIN
Datum:  19 | 4 | 2009
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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