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Eintracht macht Miese: Aus dem Fenster gelehnt

Eintracht Frankfurt rutscht tiefer in die roten Zahlen: Heribert Bruchhagen spricht von einem Verlust von drei bis fünf Millionen Euro. "Wir haben uns weit aus dem Fenster gelehnt", erklärt der Vorstandschef (mit Video).

Bruchhagen räumt noch weitere Defizite ein.
Bruchhagen räumt noch weitere Defizite ein.
Foto: Thorsten Wagner

Vor ziemlich genau sechs Wochen hat Thomas Pröckl, der Hüter der Zahlen, auf der Bilanzpressekonferenz von Eintracht Frankfurt eingeräumt, dass der Bundesligist für die laufende Spielzeit mit einem Minus von zwei Millionen Euro kalkuliere. Am Sonntag nun, in der Sport-1-Sendung Doppelpass, überraschte Vorstandschef Heribert Bruchhagen mit der freimütigen Einlassung, die Eintracht rechne mit einem Verlust von drei bis fünf Millionen Euro. „Wir haben uns in diesem Jahr wirklich weit aus dem Fenster gelehnt“, sagte der Klubboss. Die Differenz erklärt sich vermutlich aus der defensiven und vorsichtigen Öffentlichkeitsarbeit des rigiden Sparkommissars Pröckl. Doch eines steht unumstößlich fest: Ins kalkulierte Risiko ist Bruchhagen auch deshalb gegangen, „weil wir den Wünschen unseres Trainers weitestgehend gefolgt sind“.

Viel Geld, wenig Leistung

Michael Skibbe wollte unbedingt seinen Wunschspieler Theofanis Gekas, der die Eintracht eine Million Euro Ablöse (plus Gehalt von mehr als 1,5 Millionen Euro per annum) kostet. Gekas, ausgerechnet, war schon im zweiten Spiel nicht mehr gut genug für die erste Mannschaft. Zudem war der Klub gezwungen, einen Ersatz für den abgewanderten Kapitän Christoph Spycher zu holen: der Grieche Georgios Tzavellas kostete 1,2 Millionen Euro. Auch er spielte gegen den HSV nicht mehr.

Der Auftakt missriet der Eintracht gehörig. Und Bruchhagen räumte am Fernsehstammtisch eine gewisse Nervosität ein: „Wenn man aus den ersten beiden Spielen keinen Punkt geholt hat, kann schon eine Verunsicherung eintreten.“ Auch bei ihm. Schon nach dem ersten Saisonspiel, dem 1:2 in Hannover, hatte der Vorstandsvorsitzende einige Spieler in der FR in den Senkel gestellt, weil sie sich in den Tagen vor dem Bundesligastart allzu oft und vollmundig in den Medien geäußert hatten. Gerade Maik Franz und Ioannis Amanatidis ging er hart an: „Spieler muss man auch mal in der Öffentlichkeit kritisieren“, begründete Bruchhagen nun. „Wenn man die in sein Büro holt und sagt: ,Komm’ mal her, wir müssen jetzt mal einen Kaffee trinken und uns unterhalten.’ Dann gehen die später raus und sagen: ,Das war ja schön, dass ich hier eine Tasse Kaffee getrunken habe.’“ Ausdrücklich erwähnte Bruchhagen, dass er zu Amanatidis ein besonders enges Verhältnis habe. Das ist bekannt.

Video zum Thema

Der Eintracht-Boss, der am Samstag seinen 62. Geburtstag feierte, ist weit davon entfernt, die Lage zu dramatisieren, ihm passen allerdings einige Begleiterscheinungen rund um die neue Saison nicht. Die Außendarstellung von Trainer und Mannschaft ist ihm zu laut, zu forsch und zu selbstbewusst. Das geht ihm gegen den Strich. Das passt auch nicht zu seiner eher konservativen, realitätsgläubigen Auffassung, die er über Jahren hinweg predigte und lebte. Schon die gute Vorbereitung mit dem Testspielsieg gegen den FC Chelsea war ihm nicht ganz geheuer: „Man kennt die Eigendynamik des Optimismus’. Da hatte ich meine Bedenken. Deshalb habe ich zurückgerudert. Ich wollte den Druck nicht zu groß werden lassen.“

Die von Trainer und Team ausgegebene Zielsetzung von 50 Punkten findet Bruchhagen eh für reichlich optimistisch. Er halte eher Platz neun bis 13 für machbar, „wir sind eine Mannschaft des Mittelfeldes, und man muss auch sehen, wie sich die anderen Teams verstärkt haben. Gerade die Spitzenvereine haben sich enorm verstärkt, und wir müssen auch gegen diese Mannschaften punkten, um auf 50 Punkte zu kommen.“ In der zurückliegenden Spielzeit hat die Eintracht 15 ihrer 46 Punkte gegen die Schwergewichte geholt. Ob sich das wiederholen lässt? „Wir haben Vertrauen in die Mannschaft und werden eine ordentliche Rolle spielen“, sagte Bruchhagen.

Auch das Vertrauen in den Trainer sei ungebrochen. „Er macht sehr gute Arbeit. Meine Prognose ist, dass er nirgendwo so lange sein wird wie bei der Eintracht.“ Da liegen ja noch einige Jahre vor Skibbe: Beim DFB arbeitete er vier Jahre an der Seite von Rudi Völler als Bundestrainer.

Autor:  Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Datum:  5 | 9 | 2010
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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