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Eintracht-Kolumne: Befreiungsschlag am Niederrhein

Mit vier blitzsauberen Toren schießt sich Eintracht Frankfurt in Mönchengladbach aus der Minikrise. Es war der erste Sieg seit April dieses Jahres. „Wir waren eiskalt, das war ein tolles Spiel“, sagte Verteidiger Maik Franz.

Die Frankfurter Theofanis Gekas (l) und Torschütze Patrick Ochs feiern das 3:0.
Die Frankfurter Theofanis Gekas (l) und Torschütze Patrick Ochs feiern das 3:0.
Foto: dpa

Am Abend vor dem Befreiungsschlag hat der Frankfurter Trainer Michael Skibbe den Mannschaftsrat zur Seite genommen, zu einer Art Krisensitzung. Skibbe sprach ein paar Dinge an, die zuletzt schiefgelaufen waren, aber vor allem trichterte er seinen Führungsspielern eines ein: „Wir dürfen unsere Linie nicht verlieren. Was wir uns in einem Jahr an Spielstärke erarbeitet haben, dürfen wir nicht nach zwei Niederlagen einfach weggeben.“ Keinesfalls solle die Mannschaft ihren Spielstil ändern, sondern weiter versuchen, Probleme auf dem Rasen spielerisch zu lösen.

Pirmin Schwegler, einer der Spieler, die was zu sagen haben, meinte nach dem 4:0 (2:0)-Sieg bei Borussia Mönchengladbach: „Der Trainer sagte, wir sollen nicht komplett alles anders machen, sondern weiter an uns und unsere Stärken glauben.“ Das hat die Mannschaft am Samstag auf eindrucksvolle Art und Weise gezeigt. Der 4:0-Kantersieg, den selbst Gladbachs Trainer Michael Frontzeck als „absolut verdient“ einstufte, war genau die richtige Reaktion auf den Fehlstart in die neue Bundesliga-Saison. Er war auch ein Ausdruck Frankfurter Spielstärke, war ein Indiz dafür, wozu diese Elf in der Lage ist, wenn man sie denn spielen lässt. „Wir haben heute tollen Fußball geboten“, sagte Mittelfeldspieler Benjamin Köhler, der das wichtige 1:0 erzielte. „Fußballerisch halten wir immer gut mit oder sind sogar die spielbestimmende Mannschaft.“ Auch in Mönchengladbach hatten die Hessen 57 Prozent Ballbesitz, auch in Mönchengladbach zeigten die Frankfurter eine abgeklärte, reife Leistung. Der Sieg war hochverdient, die Eintracht zeigte sich völlig unberührt von dem ganzen Krisengerede der letzten Wochen, unberührt auch von Druck und der Angst, mit einer neuerlichen Niederlage ganz unten im Keller festzustecken. Skibbe sagte: „Die größte Leistung war, dass die Mannschaft Ruhe bewahrt hatte und nicht nervös geworden ist.“ Es war zudem der höchste Auswärtssieg seit mehr als 16 Jahren – am 19. März 1994, 4:0 bei Dynamo Dresden (Tore: Becker, Gaudino, Yeboah und Falkenmayer).

Die Partie an diesem schönen Spätsommertag lief für die Eintracht auch optimal. Sie profitierte offenbar auch von den überbordenden Erwartungen des Gladbacher Umfeldes nach dem 6:3-Sieg des VfL bei Bayer Leverkusen am letzten Spieltag, die Gladbacher wirkten trotz dieser Gala gehemmt, fanden nie ins Spiel. „Wir hatten uns vorgenommen, aggressiv auf die Gladbacher drauf zu gehen, es hat auch geklappt. Wir waren immer zu zweit am Mann“, sagte Kapitän Patrick Ochs, der nach feinem Pass von Pirmin Schwegler das 3:0 (50.) machte und für die Vorentscheidung sorgte. Tatsächlich zwangen die sehr entschlossen zu Werke gehende Frankfurter die Borussen schon in der Anfangsphase zu vielen leichten Fehlern, von Anfang an war klar, wer Herr im Hause war. „Das sind so kleine Punkte, die ein Spiel entscheiden können“, sagte Ochs. „Wir haben alles richtig gemacht.“

Und die Hessen hatten auch in einer kniffligen Situation Glück, die dem Spiel womöglich eine andere Wendung hätte geben können. Nach 34 Minuten, da stand es bereits 1:0 für die Eintracht, ließ sich Eintracht-Torwart Oka Nikolov von Mohamadou Idrissou übertölpeln. Nach einer Bogenlampe sprang der Kameruner im Fünfmeterraum einfach höher als Nikolov, der Ball landete im Tor – doch Schiedsrichter Jochen Drees annullierte den Treffer und gab Freistoß. Er lag damit falsch, es war ein einwandfreies Tor. Praktisch im Gegenzug fiel das 2:0, als Alexander Meier den Griechen Theofanis Gekas mustergültig einsetzte, der aus kurzer Distanz keine Mühe hatte, sein erstes Pflichtspieltor für die Eintracht zu erzielen. Ohnehin war es das Spiel des zuletzt gescholtenen 30-jährigen Neuzugangs. Skibbe hatte auch ihn vor dem Spiel zur Seite genommen und von ihm eine bessere Laufleistung als im Spiel gegen Hannover verlangt. „Ich habe ihm gesagt, er muss sehr viel mehr laufen“, sagte Skibbe. Gekas war einsichtig. Auch ihm hatte sein erstes Spiel nicht gefallen, er habe in Hannover eine Blockade gehabt, sei gar nicht ins Laufen gekommen.

Eintracht schlägt Gladbach 4:0

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In Gladbach war er immer unterwegs, auch die Führung hatte er eingeleitet, seinen Kopfball konnte der Gladbacher Torwart Logan Bailly nur abklatschen, Köhler staubte ab. Und das 4:0 (64.) nach sehr schöner Vorarbeit des ohnehin auffälligen Halil Altintop erzielte er per Linksschuss in der Manier eines Torjägers. „Er hat sehr gut gespielt“, lobte Skibbe, der sich schon früh in dieser Woche entschieden hatte, Gekas als Ersatz für Ioannis Amanatidis zu nominieren. Zumal Martin Fenin über eine Entzündung am Fußzeh klagte und vor und während des Spiels schmerzstillende Spritzen erhielt. Trotzdem war der Tscheche hinterher sauer, nicht doch ein paar Einsatzminuten bekommen zu haben. Im Kabinengang machte er seinem Unmut lautstark Luft.

Ansonsten war im Frankfurter Lager die Erleichterung über die ersten drei Punkte der Saison mit Händen zu greifen. „Man macht sich schon Gedanken, was passiert, wenn wir wieder verloren hätten. Deshalb war der Sieg sehr wichtig“, sagte Köhler, einer der Besten im Team. Auch der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen wirkte aufgeräumt: „Das war ein überraschendes Ergebnis. Wir haben gespielt wie in Hannover, nur sehr viel zwingender. Wir sind alle sehr erleichtert.“ Für Eintracht Frankfurt hat diese Bundesligasaison jetzt erst begonnen – mit dreiwöchiger Verspätung. Jetzt wollen die Hessen durchstarten. Schon am Freitag gegen den SC Freiburg, „da müssen wir nachlegen“, sagte Skibbe.

Autor:  Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Datum:  11 | 9 | 2010
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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