Wenn Benjamin Köhler seinen kleinen Sohnemann Dian Benny in die Arme schließt, sind alle Sorgen vergessen. Dann ist der Ärger über die Bankdrückerei wie weggeblasen, dann ist der Frust über Einsätze für drei, vier Minuten perdu.
Nach der Partie gegen den VfL Bochum schleppte der 29 Jahre alte Frankfurter Berufsfußballer seinen knapp 15 Monate alten Sprössling, kopfüber sehr korrekt mit Eintracht-Mütze gewärmt, in die Kabine, da war die Welt wieder in Ordnung.
Blog-G: Das Rundschau-Blog zur Eintracht. Unausgewogen, subjektiv, einseitig. Hier mitreden...
Sportlich ist die Welt des Benjamin Köhler hingegen ein bisschen aus den Fugen geraten.
Der Linksfuß, gegen Bochum wieder nur für wenige Minuten im Einsatz, ist gänzlich unzufrieden mit seiner Situation beim hessischen Bundesligisten, zweimal stand er in elf Spielen lediglich in der Anfangsformation, siebenmal wurde er nur eingewechselt, zumeist kurz vor Schluss. "Das habe ich mir so nicht vorgestellt, zufrieden bin ich natürlich nicht", sagt er.
Der Mittelfeldmann, unter Ex-Trainer Friedhelm Funkel nicht immer, aber doch sehr oft unverzichtbar, hadert mit seinem persönlichen Schicksal. Er gebe im Training immer alles, er versuche sich anzubieten, "aber wenn man nur ein paar Minuten spielt, ist das natürlich nicht so leicht".
Weshalb er nicht berücksichtigt wird, erschließt sich ihm nicht. Er habe auch keine Erklärung von Trainer Michael Skibbe erhalten. "Ich weiß nicht, warum ich keine Rolle spiele", sagt Köhler. "Verstehen kann ich es im Moment nicht."
Auf seiner Position spielen entweder Selim Teber oder auch Pirmin Schwegler, gerade Teber wird von Skibbe gelobt, weil er stets direkt versuche, eine Aktion nach vorne zu initiieren, auch wenn diese nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Ob es daran liegt, dass Köhler eher den Ball abschirmt, anstatt den direkten Weg nach vorne zu suchen? Köhler zuckt mit den Achseln.
Er habe ein direktes Gespräch mit seinem Vorgesetzten gesucht, das war vor der Partie auf Schalke, in Gelsenkirchen spielte Köhler dann eher schwächelnd denn gut dabei. Seitdem ist er raus aus der Verlosung, seitdem herrscht Funkstille mit Skibbe. Köhler will nicht nachhaken. "Ich bin keiner, der jedes Mal zum Trainer rennt. Das ist nicht mein Ding", befindet er. Er sagt auch: "Ich vertraue auf meine Qualität."
Er habe schon häufiger in seiner Karriere solche Phasen durchlebt, Phasen, in denen er außen vor war und anderen den Vortritt lassen musste. "Ich habe mich aber immer durchgesetzt", sagt Köhler. Und dieses Mal?
Der gelernte Stürmer, der im Laufe seiner Karriere zum Mittelfeldspieler umfunktioniert wurde und sogar mehrere Male mit wechselndem Erfolg als linker Verteidiger aushalf, scheint sich nicht mehr so sicher zu sein, es auch unter Skibbe zu packen.
Keine Gedanken an Funkel
"Ich mache mir schon immer sehr viele Gedanken, egal, ob es gut oder schlecht läuft", sagt er. Auch jetzt überlegt er, was zu tun ist. "Wenn es so weitergeht, dann muss ich gucken, was ich mache." Gegebenenfalls müsse er die Gespräche mit den Verantwortlichen suchen, womöglich schon in der Winterpause, denn Köhler gedenkt nicht, seinen bis 2011 datierten Vertrag auf der Bank abzusitzen.
Spekulationen, wonach er in seine Heimatstadt Berlin und zu Ex-Eintracht-Coach Funkel zurückkehren könnte, weist er aber zurück. "Das sind doch nur Gerüchte." Er fühle sich wohl in Frankfurt. "Ich bin hier in meinem sechsten Jahr, da ist die Verbundenheit sehr groß."
Trainer Skibbe weiß natürlich um die Unzufriedenheit der nicht für die Anfangsformation nominierten Spieler. Aber er könne halt keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen. "Korkmaz, Steinhöfer, Köhler - klar sind die nicht glücklich."
Aber sie dürften sich nicht in den Schmollwinkel zurückziehen, sondern müssten weiter an ihre Chance glauben - und diese dann auch konsequent nutzen, wenn sie denn komme. Köhler, das geknickte Stehaufmännchen, sagt: "Ich gebe ganz bestimmt nicht auf." Doch seine eigenen Zweifel kann er nicht ganz zerstreuen.
Spielplan, Ergebnisse, Tabelle und mehr Statistik
Reden Sie mit! Im Blog-G.
Verfolgen Sie die Spiele im Bundesliga-Live-Ticker
Sehen Sie die FR-Videokolumnen.
| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.