"Mit zwei Fingern hat Herr Kinhöfer den Rasen hochheben können." Selbst leichte Drehbewegungen hätten den Rasen "wie einen Teppich" verschoben. Da ahnte Heribert Bruchhagen schon, dass das am Abend nichts werden würde mit dem Bundesligaspiel der Frankfurter Eintracht gegen den Karlsruher SC. Bald darauf senkten Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) und die Platzkommission der Deutschen Fußball Liga den Daumen: Die DFL sagte die Partie ab.
Nach einer Begehung des Rasens, an der auch DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb Holger Hieronymus teilnahm, war man sich einig, "dass die Gesundheit der Spieler auf dem zum Teil neu verlegten Rasen nicht gewährleistet" sei, wie die DFL gestern Mittag mitteilte. Die Pop-Queen Madonna hatte dann doch zu viele und zu tiefe Spuren hinterlassen.
Wann die Partie des vierten Spieltages nachgeholt wird, stand gestern noch nicht fest. Die Karten für diese Begegnung behalten ihre Gültigkeit, sie können auch zurückgegeben werden, teilte die Eintracht mit. "Eine richtige, aber auch mutige Entscheidung", sagte Trainer Friedhelm Funkel, der an der Begehung teilnahm, "alles andere wäre reines Glücksspiel gewesen". Er setzte für heute morgen um zehn Uhr Training an.
Kollege Edmund Becker vom KSC indes war gänzlich anderer Meinung: "Dass die Partie jetzt so kurzfristig abgesagt wurde, ist für uns eine Sauerei. Bereits am Donnerstag stand eine Absage im Raum, man hat uns aber versichert, dass auf jeden Fall gespielt wird. So, wie das jetzt abgelaufen ist, ist das für uns nicht nachvollziehbar."
"Mit Augen zu und durch hätte man das Spiel stattfinden lassen können", sagte Hieronymus am Freitag der FR, "aber am Ende des Tages war das Risiko für die Spieler zu hoch." Von 11.00 bis 11.45 Uhr hatten die Fachleute den von dem Madonna-Konzert vom Dienstag noch arg in Mitleidenschaft gezogenen Rasen unter die Lupe genommen. "Zwei völlig verschiedene Spielhälften" (Hieronymus) hätten sich dabei gezeigt und vor allem an den Nahtstellen wäre das Verletzungsrisiko hoch gewesen.
Wegen des Konzerts hatte die Betreibergesellschaft Stadion Frankfurt Management GmbH etwa 3000 Quadratmeter Rasen ausgetauscht, der - mit einer Dicksohle versehen - eigentlich fest aufliegen sollte. "Wir haben in der Vergangenheit schon öfter Teile unbeanstandet ausgetauscht", sagte deren Geschäftsführer Patrik Meyer.
Das Problem sei allerdings die kurze Liegezeit gewesen: Erst am Donnerstag morgen wurde das Teilstück auf Strafraumhöhe verlegt. Auch der verbliebene Rasen war wegen der schweren Platten, auf denen während des Konzerts die Zuschauer standen, arg ramponiert. Der Regen vom Freitag hatte keine Auswirkungen, da das Dach geschlossen war.
Meyer vertrat die Ansicht, dass gespielt hätte werden können, doch habe die Berichterstattung in den Medien einen gewissen Druck aufgebaut. "Auf solchen Plätzen ist in den vergangenen Jahren in der Bundesliga oft gespielt worden", sagte er. Meyer hatte allerdings in einem persönlichen Gespräch bei DFL-Geschäftsführer Hieronymus im Vorfeld die Bitte geäußert, ob das Spiel nicht am Sonntag stattfinden könnte.
Hieronymus konnte diesem Wunsch nicht entsprechen: "Wir können unseren Spielplan nicht nach Drittveranstaltungen ausrichten." Die Stadien hätten den Klubs "uneingeschränkt zur Verfügung" zu stehen, sagte Hieronymus, der dem Frankfurter Betreiber vorhält, durch die Annahme des Madonna-Konzerts "Fakten geschaffen zu haben".
Meyer wird jetzt wohl mit Regressforderungen rechnen müssen. Denn die Betreibergesellschaft garantiert der Eintracht, die im Jahr 8,5 Millionen Euro an Miete zahlt, "ein spielfähiges Stadion". Ob Eintracht, DFL und der TV-Sender Premiere, der die Partie live übertragen wollte (und statt dessen eine Dokumentation über Oliver Kahn um einen Tag vorverlegte) Schadenersatz fordern, war gestern noch nicht klar.
"Es gibt für alle Eventualitäten eine vertraglich geregelte Vorgehensweise", sagte Emanuel Hugl aus der Pressestelle von Premiere. Die wolle man aber nichtöffentlich diskutieren, sondern mit den Verantwortlichen. DFL und Eintracht halten in diesem Punkt vorerst den Ball flach.
"Ich halte mich mit Schuldzuweisung zum jetzigen Zeitpunkt zurück", sagte Bruchhagen. Er sei "not amused", dass nicht gespielt werde, gibt aber zu bedenken, dass zur "Refinanzierung einer 190-Millionen-Arena auch mal ein Weltstar wie Madonna im Stadion spielt. Das wussten wir vorher."
Doch es droht neues Ungemach: Nur einen Tag vor dem nächsten Heimspiel am 29. September gegen Bielefeld findet das Finale der deutschen Footballer in der Arena statt. Kein Problem, sagt Meyer. Die Footballer trügen statt Stollen- nur Noppenschuhe.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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