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Durchlavieren bis zur Winterpause: Verpasste Gelegenheit

Nach der guten Vorstellung gegen Stuttgart hebt der Frankfurter Trainer Funkel warnend den Finger: "Auf Dauer ist dieses Niveau nicht durchzuhalten."

Gemeinsam sind sie stark: Eintracht Frankfurt wehrt sich.
Gemeinsam sind sie stark: Eintracht Frankfurt wehrt sich.
Foto: Getty

Es gibt Niederlagen, die hat der Frankfurter Trainer Friedhelm Funkel besser weggesteckt als das sonntägliche 2:2 in der Bundesliga gegen den VfB Stuttgart. Am Sonntag aber war der Mann sichtlich bedient, er war enttäuscht, getroffen. Am späten Ausgleich von Mario Gomez, 180 Sekunden vor Ultimo, hatte er zu knabbern, denn der hat ihm eine Illusion geraubt. Die Illusion nämlich, dass es in den nächsten Wochen bis zur Winterpause ein wenig ruhiger hätte zugehen können. "Ein Sieg", sagte auch Klubchef Heribert Bruchhagen, "hätte uns tabellarisch sehr gut zu Gesicht gestanden."

Druck auf Hölzenbein wächst

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Vieles ist momentan bei Eintracht Frankfurt auf Durchwursteln eingestellt. Durchlavieren bis zur Winterpause, bis zur nächsten Transferperiode, heißt die Devise, seit praktisch im Wochenrhythmus ein anderer Leistungsträger verletzt ausfällt: Acht Spieler können derzeit ihrem Beruf nicht nachgehen. Diese Ausfälle muss die Mannschaft verkraften.

Und weil Friedhelm Funkel ziemlich gut das Leistungsvermögen seiner verbliebenen Spieler einschätzen kann und auch die Schwere der nächsten Aufgaben, weiß er, dass ihm ein Sieg am Sonntag prächtig in die Karten gespielt hätte. 15 Punkte hätten die angeschlagenen Hessen dann still und leise aufs Konto geschoben. Das wäre, bei noch fünf ausstehenden und nicht gerade einfachen Partien, fast so etwas wie die halbe Miete gewesen. Die noch fehlenden vier, fünf Punkte hätten die Frankfurter noch allemal geholt. 19, 20 Punkte sind das Ziel bis zum Winter, um dann mit der Rückkehr einiger Verletzter und wenigstens einem neuen Stürmer und wahrscheinlich einem weiteren Defensivspieler, den zweiten Teil der Saison besser gerüstet in Angriff zu nehmen.

Dieser Sieg außer der Reihe ist den Frankfurtern also in letzter Minute durch die Hand gerutscht. Denn Funkel weiß auch: Sehr häufig wird Eintracht Frankfurt mit dem allerletzten Aufgebot solche Kraftakte wie gegen Stuttgart nicht stemmen können, schon jetzt spielt die Mannschaft am obersten Level. Irgendwann macht sich dann die fehlende Qualität bemerkbar - wenn die Gegner Dortmund, Bremen oder Hamburg heißen. Und mit ein bisschen Pech hätten die Frankfurter das Spiel gegen die Schwaben auch verlieren können, ein Kopfball von Gomez (90.) strich um Haaresbreite am Pfosten vorbei. "Auf Dauer", sagt Funkel, "ist dieses Niveau nicht durchzuhalten." Und: Man kann über Sotirios Kyrgiakos sagen, was man will, aber mit ihm hätte die Eintracht diese Begegnung wohl gewonnen. Denn die Frankfurter Hintermannschaft ist anfällig bei hohen Bällen, ein guter Kopfballspieler fehlt.

Hinzu kommt: Funkel hat im Grunde keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr, allenfalls in Nuancen. Er kann Liberopoulos hinter den Spitzen einsetzen und Köhler als linken Verteidiger, aber wenn er wechseln will, sind ihm fast schon die Hände gebunden: "Guckt Euch an, wen die Stuttgarter auf der Ersatzbank sitzen haben und wen wir", sagte er am Sonntagabend. Beim VfB standen Simak, Cacau, Boka, Hilbert oder Khedira im zweiten Glied, bei der Eintracht Ljubicic, Tsoumou, Mössmer, Bellaid, Mahdavikia und der kaum noch eine Rolle spielende Caio - keine wirklichen Alternativen. Gegen Dortmund am nächsten Samstag wird der gelbgesperrte Ochs fehlen. Für ihn wird Mehdi Mahdavikia spielen.

Für die Eintracht spricht allerdings, dass die Mannschaft in die Spur zurückgefunden hat. Die Partie gegen den VfB war die beste der Saison, gerade spielerisch war das Gebotene aller Ehren wert. Auch die zu Beginn der Saison kritisierten Spieler wie Fink, Fenin, Steinhöfer, Toski oder Galindo, haben ihre Formschwäche überwunden. Und auch die Mannschaft hat ihre Krise schon hinter sich. Seit dem KSC-Spiel hat sie zu alter Stärke zurückgefunden. Diese Stärke freilich ist relativ, denn die aktuelle Elf hat allenfalls in Teilen noch etwas mit jenem Team zu tun, mit dem die Verantwortlichen eigentlich in die Saison gehen wollten. Dazu kommt: Die Stützen Amanatidis, Chris und Spycher werden definitiv nicht zum Rückrundenstart wieder fit sein, frühestens und bei optimalem Heilungsverlauf im Frühjahr. Und es ist überhaupt nicht sicher, ob Meier oder Bajramovic, die ihr Comeback 2009 feiern sollen, nach mehr als einjähriger Zwangspause überhaupt wieder so schnell in Form kommen. Nach den bisherigen Erfahrungen sollten die Frankfurter da eher pessimistisch sein.

Das erhöht freilich den Druck auf die Spielerfindungskommission um Chefscout Bernd Hölzenbein beträchtlich. Sie muss die richtigen Spieler finden. Noch einen grandiosen Flop, wie bei Caio, werden sie sich nicht erlauben können. Denn ohne Hilfe von außen wird es schwer werden, das Klassenziel zu erreichen.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN
Datum:  11 | 11 | 2008
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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