Nach 83 Spielminuten schien es, als könne aus einem guten Nachmittag ein perfekter Nachmittag werden. Der bärenstarke Frankfurter Mittelfeldspieler Junichi Inamoto hatte Nikos Liberopoulos im Strafraum halbhoch angespielt, der abgezockte Grieche leitete den Ball direkt aus der Luft weiter auf Markus Steinhöfer, der mutterseelenalleine acht, neun Meter vor dem Tor der Hannoveraner stand. Das musste die Entscheidung sein, das musste das 2:1 für Eintracht Frankfurt sein und damit die endgültige Rettung. Doch Steinhöfer, kurz zuvor eingewechselt, nahm den Ball schlecht an, er strauchelte und drosch die Kugel über den Balken.
"Es wird wohl kaum an mir gelegen haben", blaffte Steinfhöfer dennoch nach dem Abpfiff. Die Kameraden hätten ja zuvor auch mal eine ihrer Chancen nutzen können. Außerdem reklamierte er für sich, "von hinten geschubst worden zu sein". Diese Meinung hatte er exklusiv. Kein Mensch hatte den 23-Jährigen auch nur berührt. Wie auch immer: Dieser Ball musste ins Tor, wie so viele andere zuvor auch.
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Wo anfangen? Nach sieben Minuten, als Mehdi Mahdavikia erst Torwart Robert Enke umspielte und dann ans Außennetz schoss? Nach 31 Minuten, als wieder Mahdavikia nach schöner Vorarbeit von Alexander Meier den Ball aus bester Position in den dritten Stock bolzte? Nach 61. Minuten, als Martin Fenin durchbrach, sein Querpass zu Marco Russ allerdings in allerletzter Sekunde von 96-Spieler Konstantin Rausch abgefangen wurde? Nach 62 Minute, als Christoph Spycher, abermals nach gekonnter Vorarbeit von Meier mit der Hacke, aus halblinker Position im letzten Moment abgeblockt wurde? Oder eben in jener ominösen 83. Minute?
Zudem hatte die Eintracht das Pech, dass ihr in der ersten Hälfte ein reguläres Tor wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung von Meier abgepfiffen und dass ihr in der zweiten Hälfte ein klarer Strafstoß verweigert wurde. Martin Fenin war im Strafraum von den Beinen geholt worden, der ansonsten gute Schiedsrichter Günter Perl verlegte den Tatort aber außerhalb der Kreidemarkierung. Doch selbst Trainer Friedhelm Funkel machte dem Unparteiischen keinen Vorwurf, er gab sich generös. "Trainer machen Fehler, Spieler machen Fehler, auch Schiedsrichter dürfen Fehler machen. Ansonsten hat er doch gut gepfiffen."
Fakt aber ist: Niemand anders als Eintracht Frankfurt hätte an diesem freundlichen Nachmittag das Spiel an der Leine gewinnen dürfen. Die Hessen taten es aber nicht. Und das Remis ließ Klubchef Heribert Bruchhagen zürnen, er war fast so enttäuscht, als hätten die Frankfurter verloren: "Ich kann nicht ernsthaft zufrieden sein. Wenn man alle zehn Minuten eine Chance hat, davon zwei, drei glasklare, dann muss man das Spiel gewinnen. Man muss auch mal den unbedingten Willen haben, das Tor zu machen." Auch Trainer Funkel mäkelte: "Mit der Verwertung unserer Tormöglichkeiten war ich nicht zufrieden. Das war fahrlässig." Bruchhagen wagte gar die These: Mit Ioannis Amanatidis, dem seit November verletzten Stürmer, hätte die Eintracht gewonnen. Widersprechen mochte da keiner.
Bruchhagen ärgerte sich auch deshalb, weil er die berechtigte Hoffnung hatte, mit einem "überzeugenden Sieg" einen Stimmungsumschwung in Frankfurt herbeizuführen und die so aufgeheizte Atmosphäre ein bisschen zu entschärfen. Bruchhagen formulierte es eher unterkühlt-technokratisch: "Wir hätten viele Dinge der Betrachtungsweise anders gestalten können." Zudem würde ein besserer Tabellenstand mehr Bares in die Kasse spülen. Das Fernsehgeld wird gestaffelt nach den Platzierungen der vergangenen vier Jahre ausgeschüttet.
Nichtsdestotrotz wird die Eintracht mit ziemlicher Sicherheit auch in der neuen Saison in der ersten Klasse spielen, der Sechs-Punkte-Vorsprung auf den Relegationsplatz ist gewahrt - bei nur noch drei ausstehenden Spielen. "Ich glaube nicht, dass die hinter uns stehenden Mannschaften aus heiterem Himmel auf einmal sieben Punkte holen werden", sagt Bruchhagen. Aber sicher ist das nicht. Zumal am Saisonende ja schon einigermaßen kuriose Ergebnisse herausspringen können.
Und wieder hat die seltsame Gesetzmäßigkeit gehalten, wonach die Eintracht gegen die auf Augenhöhe liegenden Vereine nicht verliert. Nur gegen die Topklubs gab es bisher nichts zu holen. Ob sich das am Mittwoch im Heimspiel gegen Werder Bremen ändert? Der gesperrte Chris kehrt zurück, Amanatidis soll sein Comeback feiern - und die Serie reißen.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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