kalaydo.de Anzeigen

Eintracht-Bayern: Der Mutmacher von München

Die fein ausgeklügelte Defensivtaktik der Eintracht geht gegen uninspirierte Bayern bis zur 88. Minute auf. Klappt die Revanche am Mittwoch? Von Thomas Kilchenstein und Jörg Hanau

Alexander Meier versucht, Bayern Münchens Hubert Badstuber (links) zu überwinden.
Alexander Meier versucht, Bayern Münchens Hubert Badstuber (links) zu überwinden.
Foto: dpa

Natürlich hat der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen am Morgen danach beim sonntäglichen Stammtisch zu Recht von einer Schlüsselszene gesprochen: 68 Minuten waren gespielt, Eintracht Frankfurt führte bei den Bayern mit 1:0, als Alexander Meier auf die Reise geschickt wurde.

Mutterseelenallein wäre der Mittelfeldstürmer aufs Münchner Tor zugestürmt, doch er wurde wegen angeblichen Abseits zurückgepfiffen. Das war ein Irrtum, es war kein Abseits, und wer weiß, wie die Partie geendet hätte, wenn Meier dort das 2:0 erzielt hätte - womöglich hätte dieses Spiel eine ganz andere Geschichte erzählt.

Doch der Pfiff ertönte, und so rückte ein anderer Protagonist ins Scheinwerferlicht: Louis van Gaal. Denn ganz zum Schluss, und das darf Eintracht Frankfurt durchaus als Kompliment nehmen, hat der ruhmreiche FC Bayern München ganz schnöde die Brechstange auspacken müssen und nur noch Langholz gespielt. Sogar den langen, bulligen Vorstopper Daniel van Buyten, dessen Vater einst Catcher war, schickte der Bayern-Coach van Gaal ins Zentrum - und opferte dafür Stürmer Luca Toni, der in der ersten Halbzeit der einzige gefährliche Bayer war.

Die Auswechselung Tonis (86.), für den Verteidiger Martin Demichelis kam, wurde erst vom Publikum mit Pfiffen quittiert, doch zwei Minuten später sollte sich der Schachzug des umstrittenen niederländischen Trainers ausgezahlt haben: Philipp Lahm hatte eine von 15 Flanken in den Strafraum gelöffelt, Thomas Müller mit dem Kopf verlängert und ganz hinten links stand van Buyten und köpfte die Bayern ins Glück. 2:1, kurz darauf war Feierabend - die ganz große Blamage hatten die Münchner gerade noch mal verhindert.

Als der Ball dann vom Innenpfosten ins Netz getropft war, sprang van Gaal auf und tippte sich immer wieder wie wild gegen die Schläfe - so als wollte er damit andeuten: Seht her, was hatte ich wieder für einen genialen Einfall. Später, in der Pressekonferenz auf diese Szene angesprochen, sagte der seltsame Holländer nur, er habe sich eine Haarsträhne zurecht gelegt. Das sollte spaßig sein. Es kam aber ziemlich arrogant herüber, mal wieder, und auch nach niederländischen Maßstäben.

Glücklicher, aber verdienter Sieg der Bayern

Der Bayern-Sieg war glücklich, keine Frage. Wenn in der vorletzten Minute eines Spiels ein Tor fällt, ist immer Fortuna mit im Bunde. Manche sprachen wieder vom berühmten Bayern-Dusel. Fest steht aber auch: Der Sieg war verdient, auch "hochverdient", wie van Gaal fand. Die Bayern hatten deutlich mehr vom Spiel, sie hatten 59 Prozent Ballkontakte, schossen 25 Mal aufs Frankfurter Tor, kreierten, wie van Gaals eigene Statistik ergab, "14 gute Chancen" und entwickelten einfach mehr Druck, dem das Frankfurter Bollwerk auf Dauer nicht standhalten konnte.

"Die Dominanz der Bayern, die uns kräftemäßig überlegen waren, müssen wir anerkennen", sagte Klubchef Bruchhagen. "Im zentralen Mittelfeld waren wir bewegungsmüder und schwerfälliger." Damit legte der Vorstandsvorsitzende - ohne Namen zu nennen - den Finger genau in die Wunde. Selim Teber war der große Schwachpunkt in einem insgesamt ordentlichen Kollektiv, ja eigentlich ein Totalausfall. Ihm gelang rein gar nichts. In dieser Verfassung ist der Neuzugang aus Hoffenheim keine Hilfe für die Eintracht.

Warum aber hat Trainer Michael Skibbe gerade in der Schlussphase, als die Hessen mehr und mehr ins Schwimmen gerieten, nicht gewechselt, frische Kräfte gebracht und den Gegner im Rhythmus gestört? Oder zumindest Zeit geschunden? Er habe keine kopfballstarken Spieler mehr gehabt, sagte der Coach lapidar. Dabei hatte die Eintracht den Bayern das Leben lange, sehr lange "extrem schwer gemacht", wie Maik Franz sagte.

Skibbe wählte eine überaus defensive Taktik (siehe nebenstehenden Bericht), die fast aufgegangen wäre. Die Eintracht verlegte sich also darauf, möglichst lange das Zu-Null zu halten. Dabei konnten sie sich lange Zeit auf Oka Nikolov verlassen, der bis auf eine, allerdings spielentscheidende, Szene sehr gut hielt - wer immer auch auf sein Tor schoss.

Er spielte wirklich souverän, fast schien es so wie vor zwei Jahren, als Nikolov beim 0:0 gut zwei Dutzend Torschüsse der Bayern abwehrte, doch dann kam die 70. Minute - und Nikolov patzte. Er bekam die Fäuste nicht an die Verlegenheitsflanke von Thomas Müller. Der Ball prallte von Mario Gomez, kurz zuvor für den darob sichtlich angefressenen Miro Klose eingewechselt, zurück an sein Bein und von dort vor die Füße von Arjen Robben, der keine Mühe hatte, die Kugel aus vier Metern ins leere Tor zu schieben.

Es war ein klarer Torwartfehler, Nikolov fehlte da die nötige Entschlossenheit und Aggressivität. Trotzdem hatte ihn Trainer Skibbe demonstrativ in Schutz genommen. Nikolov sei nicht mehr an die Flanke gekommen, er habe nur noch seinen Körper in die Flugbahn des Balles stellen können. "Ansonsten hat Oka sehr gut gehalten. Er gehört momentan zu den stärksten Torhütern der Liga", sagte Skibbe. Das ist vielleicht ein wenig zu euphorisch ausgedrückt.

Nach Kräften gewehrt

Später ist Skibbe gefragt worden, warum die Hessen verloren hatten. Er hat nicht lange darüber nachdenken müssen: "Weil wir für zu wenig Entlastung gesorgt haben." Andere Gründe waren: die vielen, teilweise hanebüchenen Abspielfehler, dazu das Fehlen eigener Torgelegenheiten. Einer der ganz wenigen vernünftigen Angriffe der Eintracht führte über Nikos Liberopoulos und Patrick Ochs, der fein durchsteckte, zum 1:0: Alexander Meier nutzte den klasse Pass von Ochs zur Führung (60.).

Das aber reichte nicht, auch wenn "wir uns nach Kräften unserer Haut erwehrt haben", wie Skibbe sagte: "Vom kämpferischen und läuferischen Einsatz war ich zufrieden. Wir hatten zu wenig Spielkontrolle und nicht den spielerischen Mut", sagte Skibbe, der in der vergangenen Woche angekündigt hatte, mutig und furchtlos in München auftreten zu wollen. Dessen ungeachtet hat sich die Eintracht in München gut verkauft. In der vergangenen Saison war die Vorstellung der Hessen deutlich matter, da setzte es ein 0:4.

Der Auftritt von München macht also Mut für die Revanche. Die findet schon am kommenden Mittwoch im Achtelfinale im DFB-Pokal in Frankfurt (20.30 Uhr) statt. Auch da wollen sich die Frankfurter nicht kampflos verabschieden, vielleicht kann auch Stürmer Ioannis Amanatidis wieder mittun. "Die Mannschaft", fasste Skibbe die am Ende unglücklichen 90 Minuten zusammen, "darf daran glauben, die Bayern schlagen zu können."

Autor:  Thomas Kilchenstein und Jörg Hanau
Datum:  26 | 10 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Alles zur Eintracht Frankfurt

Spielplan, Ergebnisse, Tabelle und mehr Statistik

Reden Sie mit! Im Blog-G.

Verfolgen Sie die Spiele im Bundesliga-Live-Ticker

Sehen Sie die FR-Videokolumnen.

2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
Weblog

Das FR-Blog zur Frankfurter Eintracht. Anmerkungen zum Verein des Herzens - subjektiv, unqualifiziert, völlig unreflektiert.

Eintracht Frankfurt Videos

Ergebnisdienst

Von Basketball bis Volleyball: Ergebnisse und Statistiken zu Spielern und Vereinen - bis zur Kreisklasse.

Sport
Hummels (r): In der Spieleröffnung, in Zweikämpfen und im Stellungsspiel schwach. Sein erstes Länderspieltor konnte das nicht wettmachen.
EM 2012 Schweiz-Deutschland 5:3 
        

Hoch das Bein: Joachim Löw bei der Ballarbeit.
Nationalteam testet 
Endlich hat die SG Flensburg-Handewitt wieder einen Titel zu feiern.
Handball-Europapokal 
Franz Beckenbauer und Joseph Blatter teilen nicht die gleiche Meinung.
Franz Beckenbauer zum Elfmeterschießen 
Frankfurt-Marathon 2011
15.000 Läufer gehen beim 30. Frankfurt-Marathon an den Start. Die Innenstadt ist gesperrt - und bietet auch Musik und Party.

Der Jubiläums-Marathon in Frankfurt bricht alle Rekorde: Noch nie war das Rennen so schnell, noch nie gab es so viele Teilnehmer. In unserem Spezial finden Sie die Bilder und Berichte.

Für Sportler in Not

Die Weihnachtssammlung der FR-Sportredaktion hilft armen, kranken und behinderten Sportlern, die unverschuldet in Not geraten sind.

Spezial

Nach dem Ironman ist vor dem Ironman - aber auch auf kürzeren Distanzen wird in Rhein-Main geschwommen, geradelt und gelaufen.

FR-Sportredaktion live

Sport-Ticker @ Twitter
FR @ Handy

Ob Büro, Biergarten oder Badesee: Die "Frankfurter Rundschau" ist auf dem Handy immer dabei - mit vielen Sport-Livetickern.

Textimport

Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.