Natürlich hat der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen am Morgen danach beim sonntäglichen Stammtisch zu Recht von einer Schlüsselszene gesprochen: 68 Minuten waren gespielt, Eintracht Frankfurt führte bei den Bayern mit 1:0, als Alexander Meier auf die Reise geschickt wurde.
Mutterseelenallein wäre der Mittelfeldstürmer aufs Münchner Tor zugestürmt, doch er wurde wegen angeblichen Abseits zurückgepfiffen. Das war ein Irrtum, es war kein Abseits, und wer weiß, wie die Partie geendet hätte, wenn Meier dort das 2:0 erzielt hätte - womöglich hätte dieses Spiel eine ganz andere Geschichte erzählt.
Doch der Pfiff ertönte, und so rückte ein anderer Protagonist ins Scheinwerferlicht: Louis van Gaal. Denn ganz zum Schluss, und das darf Eintracht Frankfurt durchaus als Kompliment nehmen, hat der ruhmreiche FC Bayern München ganz schnöde die Brechstange auspacken müssen und nur noch Langholz gespielt. Sogar den langen, bulligen Vorstopper Daniel van Buyten, dessen Vater einst Catcher war, schickte der Bayern-Coach van Gaal ins Zentrum - und opferte dafür Stürmer Luca Toni, der in der ersten Halbzeit der einzige gefährliche Bayer war.
Die Auswechselung Tonis (86.), für den Verteidiger Martin Demichelis kam, wurde erst vom Publikum mit Pfiffen quittiert, doch zwei Minuten später sollte sich der Schachzug des umstrittenen niederländischen Trainers ausgezahlt haben: Philipp Lahm hatte eine von 15 Flanken in den Strafraum gelöffelt, Thomas Müller mit dem Kopf verlängert und ganz hinten links stand van Buyten und köpfte die Bayern ins Glück. 2:1, kurz darauf war Feierabend - die ganz große Blamage hatten die Münchner gerade noch mal verhindert.
Als der Ball dann vom Innenpfosten ins Netz getropft war, sprang van Gaal auf und tippte sich immer wieder wie wild gegen die Schläfe - so als wollte er damit andeuten: Seht her, was hatte ich wieder für einen genialen Einfall. Später, in der Pressekonferenz auf diese Szene angesprochen, sagte der seltsame Holländer nur, er habe sich eine Haarsträhne zurecht gelegt. Das sollte spaßig sein. Es kam aber ziemlich arrogant herüber, mal wieder, und auch nach niederländischen Maßstäben.
Glücklicher, aber verdienter Sieg der Bayern
Der Bayern-Sieg war glücklich, keine Frage. Wenn in der vorletzten Minute eines Spiels ein Tor fällt, ist immer Fortuna mit im Bunde. Manche sprachen wieder vom berühmten Bayern-Dusel. Fest steht aber auch: Der Sieg war verdient, auch "hochverdient", wie van Gaal fand. Die Bayern hatten deutlich mehr vom Spiel, sie hatten 59 Prozent Ballkontakte, schossen 25 Mal aufs Frankfurter Tor, kreierten, wie van Gaals eigene Statistik ergab, "14 gute Chancen" und entwickelten einfach mehr Druck, dem das Frankfurter Bollwerk auf Dauer nicht standhalten konnte.
"Die Dominanz der Bayern, die uns kräftemäßig überlegen waren, müssen wir anerkennen", sagte Klubchef Bruchhagen. "Im zentralen Mittelfeld waren wir bewegungsmüder und schwerfälliger." Damit legte der Vorstandsvorsitzende - ohne Namen zu nennen - den Finger genau in die Wunde. Selim Teber war der große Schwachpunkt in einem insgesamt ordentlichen Kollektiv, ja eigentlich ein Totalausfall. Ihm gelang rein gar nichts. In dieser Verfassung ist der Neuzugang aus Hoffenheim keine Hilfe für die Eintracht.
Warum aber hat Trainer Michael Skibbe gerade in der Schlussphase, als die Hessen mehr und mehr ins Schwimmen gerieten, nicht gewechselt, frische Kräfte gebracht und den Gegner im Rhythmus gestört? Oder zumindest Zeit geschunden? Er habe keine kopfballstarken Spieler mehr gehabt, sagte der Coach lapidar. Dabei hatte die Eintracht den Bayern das Leben lange, sehr lange "extrem schwer gemacht", wie Maik Franz sagte.
Skibbe wählte eine überaus defensive Taktik (siehe nebenstehenden Bericht), die fast aufgegangen wäre. Die Eintracht verlegte sich also darauf, möglichst lange das Zu-Null zu halten. Dabei konnten sie sich lange Zeit auf Oka Nikolov verlassen, der bis auf eine, allerdings spielentscheidende, Szene sehr gut hielt - wer immer auch auf sein Tor schoss.
Er spielte wirklich souverän, fast schien es so wie vor zwei Jahren, als Nikolov beim 0:0 gut zwei Dutzend Torschüsse der Bayern abwehrte, doch dann kam die 70. Minute - und Nikolov patzte. Er bekam die Fäuste nicht an die Verlegenheitsflanke von Thomas Müller. Der Ball prallte von Mario Gomez, kurz zuvor für den darob sichtlich angefressenen Miro Klose eingewechselt, zurück an sein Bein und von dort vor die Füße von Arjen Robben, der keine Mühe hatte, die Kugel aus vier Metern ins leere Tor zu schieben.
Es war ein klarer Torwartfehler, Nikolov fehlte da die nötige Entschlossenheit und Aggressivität. Trotzdem hatte ihn Trainer Skibbe demonstrativ in Schutz genommen. Nikolov sei nicht mehr an die Flanke gekommen, er habe nur noch seinen Körper in die Flugbahn des Balles stellen können. "Ansonsten hat Oka sehr gut gehalten. Er gehört momentan zu den stärksten Torhütern der Liga", sagte Skibbe. Das ist vielleicht ein wenig zu euphorisch ausgedrückt.
Nach Kräften gewehrt
Später ist Skibbe gefragt worden, warum die Hessen verloren hatten. Er hat nicht lange darüber nachdenken müssen: "Weil wir für zu wenig Entlastung gesorgt haben." Andere Gründe waren: die vielen, teilweise hanebüchenen Abspielfehler, dazu das Fehlen eigener Torgelegenheiten. Einer der ganz wenigen vernünftigen Angriffe der Eintracht führte über Nikos Liberopoulos und Patrick Ochs, der fein durchsteckte, zum 1:0: Alexander Meier nutzte den klasse Pass von Ochs zur Führung (60.).
Das aber reichte nicht, auch wenn "wir uns nach Kräften unserer Haut erwehrt haben", wie Skibbe sagte: "Vom kämpferischen und läuferischen Einsatz war ich zufrieden. Wir hatten zu wenig Spielkontrolle und nicht den spielerischen Mut", sagte Skibbe, der in der vergangenen Woche angekündigt hatte, mutig und furchtlos in München auftreten zu wollen. Dessen ungeachtet hat sich die Eintracht in München gut verkauft. In der vergangenen Saison war die Vorstellung der Hessen deutlich matter, da setzte es ein 0:4.
Der Auftritt von München macht also Mut für die Revanche. Die findet schon am kommenden Mittwoch im Achtelfinale im DFB-Pokal in Frankfurt (20.30 Uhr) statt. Auch da wollen sich die Frankfurter nicht kampflos verabschieden, vielleicht kann auch Stürmer Ioannis Amanatidis wieder mittun. "Die Mannschaft", fasste Skibbe die am Ende unglücklichen 90 Minuten zusammen, "darf daran glauben, die Bayern schlagen zu können."
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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