Friedhelm Funkel ist kein Freund populistischer Parolen; Schlagwörter wie Schicksalsspiel oder Endspiel empfindet der 54 Jahre alte Fußballtrainer der Frankfurter Eintracht als Effekthascherei, und die ist ihm zuwider. Funkel arbeitet sich lieber an Allgemeinplätzen ab. Doch nun, da die Eintracht ganz, ganz tief im Sumpf steckt und verzweifelt nach einem Halt sucht, lässt er aufhorchen, mit einer scharfen Rhetorik, die wenig Raum für Interpretationen oder Ausflüchte lässt: "Vor uns liegen wegweisende Spiele, jetzt zählt es, jetzt müssen wir den Anschluss finden. Da kann ich nicht drumherumreden."
Binnen 15 Tagen stehen für seine Mannschaft fünf Bundesligaspiele von entscheidender Bedeutung an: Leverkusen, Karlsruhe, Cottbus, Bayern und Mönchengladbach heißen die Opponenten. "Das ist jetzt eine sehr wichtige Phase", sagt Funkel. Auch für ihn.
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Der Fußballlehrer stellt leichte Veränderung seines Gemütszustands fest. "Man ist angespannter, man kann nicht mehr so gut abschalten." Alles ist auf die nächsten zwei Wochen fokussiert, der Coach will bei sich eine "erhöhte Aufmerksamkeit" ausgemacht haben. Alle Antennen sind ausgefahren.
Funkel weiß, welche Auswirkungen die folgenden Ergebnisse haben können. Es geht, ganz profan, auch um seinen Job. Sollte er schon die nächsten beiden Heimpartien gegen Leverkusen am Samstag und Karlsruhe am folgenden Mittwoch verlieren, könnte eine Ablösung ein ernsthaftes Thema werden - trotz des Vertrauensverhältnisses zu Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen. Doch sogar Nibelungentreue ist endlich. Funkel ist lange genug im Geschäft, um das zu wissen. "Ich denke nur von Spiel zu Spiel", sagt er lapidar und kramt die platteste aller Plattitüden heraus. "Ich denke positiv, ich denke nicht darüber nach, was wäre, wenn "
Es ist nicht die erste Krise, die Funkel in seinem sportlichen Leben zu bewältigen hat, er war immer bei den Kellerkindern der Liga tätig, in Uerdingen, Duisburg, Rostock oder Köln. Aber diese Krise ist die vielleicht am wenigsten erwartete - und sicher die schwerste. Funkel wirkt nicht sonderlich aufgeregt ob der misslichen Situation, er gibt eher den Fels in der Brandung, den Ruhepol, eine Art Buddha light zum Anlehnen. "Er ist ruhig und sachlich, er gibt uns Halt", sagt Mittelfeldspieler Benjamin Köhler. "Und das ist genau richtig."
Funkel ist emsig darum bemüht, jegliche Unruhe und Turbulenz von der ohnehin schon bis ins Mark verunsicherten Mannschaft fernzuhalten. Er ist der festen Ansicht, dass ein solches Tief nur mit Ruhe und Gelassenheit zu durchschreiten ist. Und die lebt er vor. Auch wenn es in ihm drinnen mit Sicherheit anders aussieht. Vermutlich hat er Recht. Funkel verzichtet also auf Brandreden oder brachiale Motivations-Rhetorik. "Das ist nicht meine Welt", sagt er.
Er setzt seine Reizpunkte lieber im Training, er hat in den vergangenen zehn Tagen gemeinsam mit Assistent Armin Reutershahn die Inhalte so ausgetüftelt, um eine latente Aggressivität bei seinen Spielern zu schüren, er stachelt sein Team durch die intensive und kampfbetonte Maloche auf dem Platz an. Und nun stellt er zufrieden fest: "Von der Intensität her waren das hervorragende Einheiten, und wie die Jungs im Training draufgegangen sind, da zuckt man schon manchmal zusammen. Aber das gehört dazu, das müssen wir jetzt im Spiel umsetzen", sagt er und schiebt nach: "Und das werden wir auch. Wir werden uns aus dieser Lage befreien." Funkel lebt in diesen Tagen Entschlossenheit vor, Entschlossenheit, die man nicht immer sah bei ihm. Es scheint ohnehin, als würde Funkel mit der heiklen und diffizilen Aufgabe wachsen, als blühe er auf, jetzt, wo es Spitz auf Knopf, wo auch er mit dem Rücken zur Wand steht. "Ich bin kampfeslustig", sagt er dazu. "Ich gehe da kerzengerade vorneweg", sagte er kürzlich im FR-Interview.
Und doch hat sich Funkel gewandelt in den Tagen des sportlichen Niedergangs. Andere Trainer mögen sich ins Schneckenhaus zurückziehen und hinter jedem Baum einen Feind wittern, Funkel geht in die Offensive. Im Gespräch mit dem Medienvertretern nimmt er sich noch mehr Zeit als gewöhnlich, er grantelt nicht und grummelt nicht, er erklärt Zusammenhänge und betreibt Überzeugungsarbeit. Oder sucht er Verbündete? Eher nicht. Das hat einer wie Funkel, ein alter Haudegen, nicht nötig. "Ich verspüre keinen Druck. Ich habe einen Traumjob, ich bin finanziell abgesichert", betont er stets. Angst vor einer Entlassung hat er nicht. Funkel weiß genau: Er findet dank seiner grundsoliden Aufbauarbeit ganz sicher wieder einen Job.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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