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Eintracht Frankfurt
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17. Dezember 2010

Eintracht-Bundesligasaison: Frech, süß, herrlich und auch dämlich

 Von Ingo Durstewitz
Auch acht Stollen können die Tormaschine nicht stoppen: Theofanis Gekas, furchtlos.  Foto: dpa

Eintracht Frankfurt im Halbjahresrückblick − ein bisschen gleicht die Hinserie auch einer wilden Fahrt in der Achterbahn.

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Die Hinserie ist fast vorüber, ein Spielchen (okay, es ist kein ganz unbedeutendes) steht noch auf dem Plan. Ausgerechnet Spitzenreiter Borussia Dortmund, das Maß aller Dinge in Fußball-Deutschland, kommt am Samstag zum Hinrundenabschluss in die Frankfurter Arena im Stadtwald, die natürlich pickepacke voll sein wird. Für die FR ist vor dem letzten Heimspiel schon die Zeit gekommen, ein kurzes Resümee zu ziehen einer Spielzeit, die so ein bisschen auch einer rasanten Fahrt in einer Achterbahn glich.

Der verpatzte Start: Den Gegner fast schon vorgeführt, auswärts, Ball und Kontrahent immer schön laufen gelassen. Turmhoch überlegen aufgetreten, aber dann verloren − gegen damals bis ins Mark verunsicherte Hannoveraner (wie schnell sich die Zeiten ändern). Trotz einer Ballbesitz-Quote von (gefühlten) 95 Prozent. Torwart Oka Nikolov patzte, Theofanis Gekas spielte quasi nicht mit − und schon war der Auftakt in den Sand gesetzt. Dumm gelaufen.

Der vermeintliche Befreiungsschlag: Ein imposanter Paukenschlag war es, das 4:0 in Mönchengladbach, das zu diesem Zeitpunkt (die Eintracht kam mit zwei Niederlagen im Gepäck, Gladbach mit einem 6:3 in Leverkusen) so nicht zu erwarten war. Die Hessen spielten aber wie aus einem Guss, Benjamin Köhler, Patrick Ochs und zweimal Gekas (da fing es an...) machten das 4:0 perfekt. Viele werteten diesen Kantersieg als Befreiungsschlag. Er war es aber nicht.

Die größte Eselei: Dieser Kelch geht an Vizekapitän Patrick Ochs nicht vorüber. Da machte der Frankfurter Bub in Leverkusen ein herausragendes Spiel, trieb sein Team immer wieder an, er war überall zu finden, der beste Mann auf dem Platz. Und dann passierte das: Ochs wollte einen hohen Ball in Höhe der Mittellinie stoppen, er rutschte ihm vom Fuß, Ochs kam aber noch mal an die Kugel, schlug sie aber nicht weg, sondern vertändelte sie, die Leverkusener starteten den Angriff, Ochs rannte hinterher, der Ball kam zu Arturo Vidal, Ochs holte ihn im Strafraum von den Beinen, er flog vom Platz, Vidal schoss den Elfer in der 90. Minute zum 2:1 ins Tor − und die stark spielende Eintracht verlor auch in Leverkusen. Die Krise ging weiter, sie nahm schon fast dramatische Formen an.

Das besondere Treffen: Es war Zeit für besondere Maßnahmen. Am Abend vor dem Heimspiel gegen Nürnberg trommelten die Führungsspieler Ioannis Amanatidis und Maik Franz die Mannschaft zusammen. In Abwesenheit des Trainers. Im Teamhotel am Mainufer schworen sich die Spieler nach dem Abendessen auf die Partie ein, sie fassten den eisernen Entschluss, fortan alle persönlichen Befindlichkeiten hintanzustellen und alles dem Großen und Ganzen unterzuordnen. Der Schwur am Abend sollte am nächsten Tag wirken.

Der wichtigste Sieg: Ganz sicher der über den 1. FC Nürnberg. Die Eintracht hatte drei Punkte und rangierte auf Tabellenplatz 17. Gegen den Club standen die Frankfurter unter gewaltigem Druck, Innenverteidiger Marco Russ rief die Partie zu einem „Monsterspiel“ aus. Die Eintracht spielte nicht gut, aber sie wollte, sie brannte, sie erzwang einen 2:0-Erfolg, den Gekas (überraschenderweise) und Kapitän Chris herausschossen. Die Aussprache am Vorabend hatte gefruchtet.

Die dümmste Mobilmachung: Die Eintracht-Ultras stellten das Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern unter das Motto: „Pfalz-Überfall 2010 − Schlachtfest in Kaiserslautern.“ Dümmer geht’s nimmer. Es blieb dann glücklicherweise ruhig.

Der schönste Angriff: Die Eintracht schrieb sportlich positive Schlagzeilen in der Pfalz, und es war Sebastian Jung, der einen Bilderbuchangriff zur Führung einleitete. Das kam so: Mit einer beherzten Grätsche jagte er Ivo Ilicevic an der Mittellinie den Ball ab und initiierte den Gegenzug. Er spielte einen Doppelpass mit Ochs, der zentimetergenau auf Gekas passte. Der Grieche (wer sonst?) schob zur Führung ein, er traf auch später noch zum 2:0, Alex Meier machte alles klar. 3:0, es war der dritte Sieg in Folge, die Eintracht hatte sich am eigenen Schopf aus dem Morast gezogen.

Der unglaublichste Zweikampf: Kapitän Chris führte ihn, im Duell mit Schalke 04, in dem die Eintracht bei einem Sieg den vierten Erfolg hintereinander hätte feiern können. Das gelang ihr zuletzt 1999. Chris also, der überragende Mann auf dem Platz, fegte nach 68 Minuten mit einer Urgewalt in einen Zweikampf gegen Joel Matip, klaute diesem den Ball, dann ging Patrick Ochs auf und davon, passte mustergültig nach Innen, wo Halil Altintop...

...die größte Chance der Saison vergab. Der Deutsch-Türke schaffte das Kunststück, den Ball völlig unbedrängt über das leere Tor zu schießen. Das war unglaublich. Die Eintracht kam auch deshalb nicht über ein torloses Remis hinaus, doch sie durfte sich trösten: Die zweiten Hälfte gegen S04 gehörte zu den besten 45 Minuten der jüngeren Vergangenheit. Unglücklicherweise konnte Chris, den Trainer Michael Skibbe danach in den Rang des Gladiators hob, seitdem nicht mehr mitspielen, sein Rücken macht nicht mehr mit.

Der herrlichste Pass: Den spielte der beste und wichtigste Frankfurter Spieler, Pirmin Schwegler, am Hamburger Millerntor. Nach 70 Minuten zirkelte er einen langen Ball über 40, 50 Meter zentimetergenau in den Lauf von Gekas, der die Kugel klug und gekonnt mitnahm und (Überraschung!) einschoss. Es war das 2:1, die Führung für St. Pauli hatte natürlich auch Gekas ausgeglichen, per Strafstoß, den er selbst herausgeholt hatte. Für den Schlusspunkt sorgte Caio mit dem 3:1. Die Eintracht war obenauf und in aller Munde, zumal sie nur wenige Tage zuvor den Hamburger SV im DFB-Pokal in einer wahren Gala mit 5:2 aus dem eigenen Stadion geschossen hatte. Auch da traf übrigens ein Frankfurter Spieler doppelt. Er heißt...genau: Gekas.

Die atemberaubendste Parade: Es war Oka Nikolov, der einen Ball irgendwie abwehrte, der kaum noch abzuwehren war. 35. Minute in der Partie gegen Wolfsburg: Diego kommt im Strafraum an den Ball, er zieht ab − und die Kugel klatscht eine Sekunde später an den Pfosten. Was in Echtzeit kaum einer sehen konnte und erst in der Zeitlupe zu erkennen war: Es war Nikolov, ein Teufelskerl in dieser Partie, der den Ball mit den Fingerspitzen noch ablenkte. Es war eine Glanztat. Und eine eminent wichtige Parade. Denn Nikolov ebnete der Eintracht den Weg zum nächsten Sieg und zum...

...schönsten Tor. Das erzielte − nein, nicht Gekas − Pirmin Schwegler. Nur drei Minuten nach Nikolovs Großtat hämmerte der Schweizer einen Ball aus 30 Meter in den Winkel, gegen seinen Landsmann und Kumpel Diego Benaglio. Es war ein Traumtor, die Eintracht bezwang auch Wolfsburg, die übrigen beiden Treffer erzielte (oh Wunder) Gekas. Die Eintracht gewann sechs ihrer sieben letzten Pflichtspiele, und die FR titelte nach dem 3:1: „Fußball 2010.“

Das frechste Interview: So konnte es nicht weitergehen, irgendwann war die Eintracht fällig. Nach einem müden 0:0 in Bremen mussten die Frankfurter einen schweren Rückschlag verdauen: 0:4 daheim gegen Hoffenheim. Maik Franz verletzte sich schwer nach einem üblen und ungeahndeten Foul von Peniel Mlapa, er fehlt bis ins Neue Jahr. Und nach der Schlappe gab der abermals nicht berücksichtigte Ioannis Amanatidis Gas. Er beklagte sich in einem FR-Interview über Trainer Skibbe, sein Frust gipfelte in der Aussage: „Das Leistungsprinzip ist bei uns außer Kraft gesetzt.“ Skibbe kündigte eine heftige Reaktion an, es folgten viele, viele Gespräche, und das Ganze mündete in einer Mitteilung der Eintracht, wonach es für Amanatidis „eine klare Ansage“ gegeben habe. Heftig, heftig.

Der enttäuschendste Auftritt: War der in München. Okay, bei den Bayern kann man verlieren, kein Thema, aber wer so hasenfüßig und mutlos auftritt, darf sich nicht wundern, wenn er 1:4 auf die Mütze bekommt. Das war nichts. Das einzige Tor machte übrigens Gekas (wie phantasielos).

Der süßeste Sieg: Die Eintracht raffte sich aber immerhin auf, im prestigeträchtigen Duell gegen Mainz sicherten sich die Frankfurter drei wichtige Punkte, die gerade für die Fans wohltuend für die Seele sind. Auch wenn die Mainzer punktemäßig davongezogen sind, so hat die Eintracht zumindest in diesem einen Spiel die Verhältnisse im Rhein-Main-Gebiet geradrücken können. Zudem: Der Sieg durch Tore von Marco Russ und (wer will, kann raten) Gekas war zwar ein wenig glücklich, aber letztlich verdient.

Die dämlichste Niederlage: Liegt noch nicht lange zurück, am Samstag setzte es ein 0:1 in Köln. Es war ein Spiel, das die anfangs turmhoch überlegene Eintracht niemals hätte verlieren dürfen. Hinterher war der Frust ob der eigenen Unfähigkeit dennoch wahnsinnig groß. Immerhin gibt es die Chance zur Wiedergutmachung: Am Samstag, ab 15.30 Uhr, gegen Borussia Dortmund.

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