Wer weiß, wie es nun um die Befindlichkeit des Bundesligisten Eintracht Frankfurt bestellt wäre, wenn Oka Nikolov im Stadion der Freundschaft in Spielminute 35 nicht einen hübsch gezirkelten Freistoß von Ervin Skela mit den Fingerspitzen an den Pfosten gewischt hätte. Es wäre das 3:0 für Energie Cottbus gewesen, aber es sah auch so schon verdammt finster aus für die Hessen. "3:3 wäre die Partie dann wohl eher nicht ausgegangen", räumte Friedhelm Funkel freimütig ein. Deshalb hob der Frankfurter Trainer seinen oft gescholtenen Torwart aufs Podest: "Das war eine unglaubliche Parade, den hat er in Weltklassemanier rausgeholt."
Funkel nahm die Überhöhung der respektablen Flugeinlage bewusst in Kauf, denn: "Das war der erste Wendepunkt." Der zweite folgte nur drei Minuten später: "Michael Finks Verzweiflungsschuss in den Giebel." Das Startsignal zu einer Aufholjagd in einem verrückten Fußballspiel in der Lausitz. An deren Ende stand ein nicht mehr für möglich gehaltener 3:2-Auswärtssieg der Eintracht. Es war ein Erfolg des Willens und der Leidenschaft, der in Frankfurt einige Steine von vielen Herzen rollen ließ.
Binnen vier Tagen haben die zuvor so tief im Schlamassel steckenden Hessen zwei eminent wichtige Siege eingefahren. Sie sind mit neun Zählern auf Platz zwölf der Tabelle gesprungen, ja, sie haben die Wende geschafft und für einen Zustand kollektiver Erlösung gesorgt. "Wir sind sehr erleichtert, dieser Sieg ist von besonderer Bedeutung", sagte Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen. "Die neun Punkte stehen uns ausgesprochen gut zu Gesicht." Da wollte niemand wiedersprechen.
Funkel hat das geschafft, was ihm nach dem desolaten Auftritt seiner Mannschaft gegen Leverkusen nicht mehr viele zugetraut hatten: Er hat sein Team auf Linie und geschlossen hinter sich gebracht, er hat es zu einer nie aufsteckenden Einheit verschweißt. Zuletzt, als die Eintracht von einer Pleite in die nächste stolperte, waren durchaus Zweifel angebracht, ob das lange Zeit so ausgezeichnete Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft tatsächlich noch intakt ist. Jetzt darf man sagen: Es ist.
Die vergangenen beiden Spiele taugen als treffliches Beispiel dafür. Es ist vor allem die Art und Weise, wie sich die Mannschaft gegen drohendes Unbill aufgelehnt hat, die überzeugte: sie ergab sich nicht willfährig in ihr Schicksal. Gegen den KSC drehte sie in den Schlussminuten ein verloren geglaubtes Spiel, in Cottbus gelang ihr nun ein ähnliches Kunststück. Da wachsen harmlose Mitläufer plötzlich wieder zu kleinen Riesen. "Stärker kann man nicht zurückkommen, so etwas ist für die Psyche unheimlich wichtig", sagte Michael Fink.
Der Trainer trat zur Aufarbeitung der Partie stolz wie Oscar vor die Presse, er hielt gar eine Eloge auf seine tapferen Stehaufmännchen. "Man kann ja gar nicht so viele Hüte ziehen, wie man vor dieser Mannschaft ziehen müsste", fabulierte er. "Wie sie sich aus jeder Situation herauskämpft, das ist der helle Wahnsinn." Selbst die stattliche Verletztenliste mit den Leistungsträgern Ioannis Amanatidis und Chris an der Spitze habe sein Team "unberührt weggesteckt".
Die Wahrheit ist aber auch: Die Eintracht hat im KSC und in Energie Cottbus zwei Mannschaften geschlagen, die sie schlichtweg auch bezwingen muss. Und sie musste dafür jeweils bis an ihre Grenze oder darüber hinaus gehen. "Wir müssen auch mal ein Spiel haben, in dem wir nicht so viel investieren müssen", sagte Funkel.
Der heimliche Gewinner des Spiels in Cottbus heißt aber Funkel. Der Coach hat schließlich alles richtig gemacht. Er stellte die Mannschaft durchaus mutig auf, setzte seine Scheuklappen ab und gab Sorgenkind Caio die Chance von Beginn an (siehe weiteren Artikel auf dieser Seite). Und Funkel setzte wichtige Impulse zur richtigen Zeit. Er wechselte richtig aus und ein, er holte nicht etwa den bis dato blassen Nikos Liberopoulos vom Feld, sondern eben Caio. Der Grieche dankte es mit dem Siegtreffer. Der Trainer brachte in Martin Fenin den Mann, der mit dem 2:2 die endgültige Wende einleitete. Und Funkel, der Meister der Defensive, spürte, dass Cottbus wankte und setzte alles auf eine Karte. Er warf schließlich für den von einem Platzverweis bedrohten Verteidiger Patrick Ochs den blutjungen Stürmer Juvhel Tsoumou ins Spiel und sendete damit ein wichtiges Signal an seine Elf. "Wir wollten unbedingt gewinnen", betonte Funkel.
Im zuletzt so turbulenten Frankfurt wird die Aufregung nun abebben und Ruhe einkehren. Oder ist es nur eine Verschnaufpause? Bruchhagen sieht angesichts der fehlenden Leistungsträger weiter mit großen Sorgen in die Zukunft: "Es wird eine schwere Zeit bis Weihnachten." Am Mittwoch gastieren schon die erstarkten Bayern in Frankfurt. Besonders hoch wird die Eintracht dieses Spiel wohl kaum gewinnen. Funkel allerdings sitzt dank sechs Punkten in nur vier Tagen wieder so sicher im Sattel wie einst John Wayne.
Und er nutzte den Moment der Stärke, um mit seinen Kritikern abzurechnen. Er störe sich nicht etwa an den "Funkel-raus"-Rufen der beinharten Fans in der Kurve, "weil sie mit Herzblut bei der Sache sind". Funkel reibt sich vielmehr an den Betuchten, an den Edelfans, die im VIP-Raum Stimmung gegen ihn machten: "Nur weil die Geld haben, glauben sie, sie haben das Recht, mich beschimpfen zu können. Ich finde das unmöglich."
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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