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Eintracht-Elf: Eine Frage der Qualität

Weshalb Eintracht Frankfurt in dieser Rückrunde einen fast schon brachialen Absturz erlebte. Von Ingo Durstewitz

Eine der großen Enttäuschungen: der Brasilianer Chris.
Eine der großen Enttäuschungen: der Brasilianer Chris.
Foto: Getty

Natürlich gibt es Gründe für den brachialen Absturz der Frankfurter Eintracht, gerade in der zweiten Hälfte der Rückserie. Nur: Will die noch jemand hören? Trainer Friedhelm Funkel glaubt nicht daran. Er sagt: "Wir sind nicht mehr in der Lage, uns vorne durchzusetzen. Die Mannschaft pfeift aus dem letzten Loch. Man kann erklären, weshalb. Aber das habe ich schon 100-mal gemacht. Ich habe keine Lust mehr, es immer wieder zu wiederholen. Argumente wollen sowieso nicht mehr gehört werden."

Der Eintracht geht auf den letzten Metern die Puste aus. Sie habe, erklärte Funkel immerhin nach der Partie in Bochum noch, zu viele Verletzte, zu viele Rekonvaleszenten, zu viele Spieler, die zu viele Spiele machen mussten. Das mag stimmen. Doch in erster Linie hat Eintracht Frankfurt ein Qualitätsproblem. Die Mannschaft kann es einfach nicht besser. Die Hessen haben zu viele Profis, die Bundesligaansprüchen nicht genügen. Das ist Fakt. In Zukunft wird ein neuer Trainer erst einmal das Gegenteil beweisen müssen.

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Die Eintracht hat, und das war der Kardinalfehler, vor und während dieser Saison falsch eingekauft, im Grunde konnte nur Notkauf Nikos Liberopoulos überzeugen. Kurios: Der griechische Nationalstürmer ist nur geholt worden, weil sich Ümit Korkmaz in seinem ersten Training für die Hessen den Mittelfuß brach. Nicht auszudenken, wo die Eintracht ohne Liberopoulos und dessen neun Tore heute stünde.

Ansonsten konnte weder Habib Bellaid noch Korkmaz (allerdings durch zwei Fußbrüche gehandicapt) die Erwartungen erfüllen, Zlatan Bajramovic verbrachte mehr Zeit in der Reha als auf dem Fußballplatz, Alexander Krük kann vielleicht in der zweiten Mannschaft mithalten - in der ersten ganz sicher nicht.

Und warum im Winter Stürmer Leonard Kweuke bis Saisonende ausgeliehen und vor allem Linksverteidiger Nikola Petkovic mit einem Dreieinhalbjahresvertrag (!) ausgestattet wurde, versteht kein Mensch. Immerhin: Ansatzweise zu überzeugen wusste Markus Steinhöfer - aber auch nur, weil er der Meister des ruhendes Balles ist (oder war, denn zuletzt klappte da auch nichts mehr). Der Mittelfeldspieler bereitete zwölf Tore vor. Das ist eine sehr gute Quote. Aus dem Spiel heraus hat er indes alle Mühe, Bundesliganiveau zu erreichen.

Zudem sind Spieler wie Kreso Ljubicic (er muss gehen) oder Faton Toski keine Bereicherung für die Mannschaft. Toski kann nur in der obersten Klasse spielen, wenn er sein Phlegma ablegt und an seinem Limit spielt. Auch Inamoto muss sich mächtig strecken, um mithalten zu können. Und dann gibt es da ja auch noch Mehdi Mahdavikia.

Der Iraner, dessen Arbeitspapier bis 2010 läuft, gehört zu den Großverdienern, aber seine Zeit ist endgültig vorbei. Er schafft es nicht mehr in der Bundesliga. Im Grunde blockieren Mahdavikia, Petkovic, Krük und auch Toski die Plätze für andere, neue, bessere Spieler. Das muss man als Verantwortlicher auch erkennen und diesen Profis einen Vereinswechsel nahelegen.

Und die Eintracht hatte in dieser Runde das Problem, dass viele Leistungsträger verletzt waren - und dann, als sie wieder mittun konnten, ihre Form gar nicht oder erst spät fanden. Alexander Meier kam langsam ins Rollen, Chris noch gar nicht. Der Brasilianer, der zusammen mit Kapitän Ioannis Amanatidis zu den Spielern zählt, die am besten entlohnt werden, wirkt merkwürdig fahrig.

Der Defensivspieler konnte nur in seinen ersten Partien überzeugen, zuletzt baute er immer mehr ab. Weder im Mittelfeld noch in der Abwehr konnte er Akzente setzen, in Bochum etwa ließ er sich von Diego Klimowicz gefühlte 20-mal überspringen. Man muss wissen: Chris soll der beste Kopfballspieler der Eintracht sein.

Der Allrounder kommt nicht in Fahrt, im Mittelfeld verzapft er viele Fehlpässe und leistet sich leichtsinnige Ballverluste, und auch der Deckung gibt er als Innenverteidiger nicht den nötigen Halt. Alle Welt fragt sich: Was ist mit Chris los? Ist er schlichtweg überschätzt? Oder braucht er noch Zeit, um wieder ganz der Alte zu werden? Die Fachmänner tendieren eher zur letzten Variante.

Und doch lässt sich an Chris ganz gut eine Schwäche der Eintracht dokumentieren: Die Verteidigung war nie sattelfest. Die Eintracht hat insgesamt 57 Tore kassiert, nur drei Teams waren hinten noch offener. Und in der Rückserie schlug es 28-mal im Frankfurter Kasten ein - das ist der schlechteste Wert, gemeinsam mit Energie Cottbus.

Die Gegner kommen zu einfach zu Toren, zuletzt wackelte auch Marco Russ beständig, von Habib Bellaid gar nicht zu sprechen. Der hoch gelobte Franzose hat sich zwar etwas verbessert, doch insgesamt reicht es in dieser Verfassung nicht. Die Frankfurter suchen nach einem gestandenen Innenverteidiger, der die Wackelabwehr stabilisiert.

Und auch im Tor offenbarte die Eintracht in dieser Runde Schwächen, Markus Pröll und Oka Nikolov wechselten sich so häufig wie nie ab. Beide hielten - vielleicht auch deshalb? - nicht fehlerlos, und erst zum Schluss ist das Thema Torwart keines mehr, weil Pröll wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat und in dieser Form unantastbar ist. Den Konkurrenzkampf mit dem zur neuen Saison aus Schalke kommenden Ralf Fährmann muss er nicht fürchten.

Die Eintracht hat überdies das Problem, dass ihr Offensivspiel von Einfallslosigkeit geprägt ist. Kreativität? Fehlanzeige. Da regiert der Einheitsbrei. Die Außen sind viel zu schwach besetzt, Caio, im Training matt, wird erst in der neuen Runde mit einem neuen Trainer eine neue Chance bekommen.

Alexander Meier ist als Alleinunterhalter überfordert, und die defensiven Mittelfeldspieler sind zu sehr mit Zerstören beschäftigt. Dabei hat gerade die so genannte Sechserposition an großer Bedeutung gewonnen, weil von dort gute Fußballer mit strategischer Gabe ein Spiel wie ein Quarteback lenken können. Bajramovic in Bestform könnte das - doch er ist erst kürzlich wieder an der Fußzehe operiert worden.

Da kann die Eintracht noch froh sein, dass sie viele Tore - dank Steinhöfer - nach Ecken und Freistößen erzielt hat. Aus dem Spiel heraus ging nicht viel. Und so richtig viel Anlass zur Hoffnung, dass in der kommenden Saison alles besser wird, besteht nicht - egal, ob der neue Trainer Guus Hiddink oder, sagen wir, Hänschen Klein heißen wird.

Autor:  INGO DURSTEWITZ
Datum:  22 | 5 | 2009
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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