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Eintracht Frankfurt
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21. November 2012

Eintracht Frankfurt: „Armin Veh gibt keinem das Gefühl, egal zu sein“

Karim Matmour im FR-Gespräch.  Foto: Michael Schick

Eintracht-Spieler Karim Matmour über seine neue Rolle als Mittelstürmer, seine Freundschaft zu Konkurrent Olivier Occean und den ausgezeichneten Teamgeist bei Eintracht Frankfurt

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Eintracht-Spieler Karim Matmour über seine neue Rolle als Mittelstürmer, seine Freundschaft zu Konkurrent Olivier Occean und den ausgezeichneten Teamgeist bei Eintracht Frankfurt

Über das Privatleben will Karim Matmour, 27, nicht sprechen. Das hat seinen Grund: Vor dem Spiel in in Paderborn hatte die "Bild" den Algerier und seine Frau Manel Filali, Sängerin der Gruppe "Milk and Honey", als Beckhams von Frankfurt bezeichnet. Prompt verlor die Eintracht 2:4, prompt polterte Boss Heribert Bruchhagen: „Es haben bei einigen Spielern Homestorys stattgefunden, von diesen Spielern war nichts zu sehen.“ Matmour hat 85 Bundesligaspiele absolviert und fünf Tore geschossen, für die Eintracht traf er in Liga zwei sechsmal, dreimal als Joker.

Herr Matmour, sagen Sie doch mal: Wie fühlt es sich an, so ein richtiger Mittelstürmer zu sein?
Ich versuche einfach, der Mannschaft zu helfen. Der Trainer sagt mir, was ich zu tun habe, welche Aufgaben ich habe und was er von mir erwartet.

Was erwartet Armin Veh von Ihnen?
(lacht) Das werde ich hier bestimmt nicht verraten, es wäre ja noch schöner, wenn ich die Taktik ausplaudern würde und unser Gegner sich darauf einstellen kann. Aber klar ist, dass der Trainer erwartet, dass ich viel laufe, viel arbeite, den Gegner beim Spielaufbau störe. Das darf ich schon sagen.

Tore erwartet er nicht von Ihnen?
Er hat natürlich nichts dagegen, wenn ein Stürmer Tore schießt. Aber es ist nicht die vordringliche Aufgabe, Tore zu erzielen. Das Wichtigste ist zu arbeiten, der Mannschaft zu dienen. Sehen Sie, Fußball ist ein Teamsport. Jeder kann einen Treffer erzielen bei uns. Wir haben nicht nur einen Spieler, der Tore erzielen kann. Das ist auch ein Vorteil, eine Stärke. Denn dadurch liegt die Verantwortung auf mehreren Schultern, wir sind nicht so abhängig von einem Spieler.

"Wir arbeiten viel mit Kurzpassspiel"

Ist es eine große Umstellung, vom Flügel ins Zentrum versetzt zu werden?
Natürlich. In der Sturmmitte steht man mit dem Rücken zum Tor, muss den Ball halten und verteilen. Das ist ja etwas ganz anderes als auf dem Flügel. Aber es ist eine Gewohnheitssache, mir macht es nichts aus, ich bin flexibel, mir macht es Spaß. Man kann viel laufen, ausweichen, rochieren, man ist nicht festgelegt. Und es kommt einem auch zugute, dass wir versuchen, fast alles spielerisch zu lösen, wir arbeiten viel mit Kurzpassspiel. Das ist gut, da kommen keine langen Bälle nach vorne, die man dann irgendwie kriegen und verarbeiten soll. Außerdem habe ich ja früher auch schon mal in der Mitte gespielt.

Wo denn?
Bei Borussia Mönchengladbach und beim SC Freiburg unter Volker Finke und Robin Dutt. Und auch in der Nationalmannschaft. Während der WM zum Beispiel. Gegen England habe ich ganz alleine vorne gespielt, wir haben da etwas defensiver agiert (lacht). Und in den anderen Spielen habe ich als zweite Spitze gespielt. Ich kenne mich aus, ich weiß, wie man da vorne spielen muss.

Aber der klassische Mittelstürmer sind Sie nicht, in Gladbach etwa haben Sie in drei Jahren nur vier Tore geschossen. Das sind ja nicht so viele.
Um Tore zu machen, muss man sich richtig wohlfühlen in einem Verein. Und hier in Frankfurt, in diesem Verein und in dieser Stadt, fühle ich mich wohl. Es ist super.
Hauptsache, Sie müssen nicht mehr als Joker spielen?
Ach, jeder Spiel will von Anfang an spielen, wir sind ehrgeizige Sportler, wir sind auch Konkurrenten. Aber wir sind ein Team, wir müssen füreinander da sein, denn es geht um den Erfolg der Mannschaft. Und da muss man sein Ego zurückstellen. Was nutzt es, wenn einer alle Spiele von der ersten bis zur letzten Minute macht, aber der Verein steigt ab? Da hat der Spieler dann auch nichts davon.

Aber als Joker haben Sie wertvolle Tore gemacht und einige Punkte gerettet.
Ja, aber ich habe etwa gegen den FSV von Anfang an gespielt, da habe ich drei Tore gemacht. Und als Joker habe ich versucht, der Mannschaft einen Impuls zu geben. Das hat meistens gut geklappt. Wenn man aber von Anfang an spielt, hat man mehr Zeit und mehr Ruhe, sein Spiel durchzubringen.

18.2.2011: Dreierpack gegen den FSV

 

Haben Sie Mitgefühl mit Olivier Occean, den Sie jetzt ersetzen und der völlig von der Rolle und verunsichert ist?
Im Fußball gibt es immer Höhen und Tiefen. Wir sind sehr gute Freunde. Ich spreche viel mit ihm, versuche, meine Erfahrungen in Deutschland und in der Bundesliga an ihn weiterzugeben. Ich bin da, um ihn zu unterstützen. Wir werden ihn noch brauchen. Wenn er jetzt Kritik einstecken muss, dann ist das normal. Das ist so im Fußball.

Aber letztlich sind Sie ja doch Konkurrenten.
Klar, aber noch mal: Wir sind eine Mannschaft, und es gibt keine Mannschaft auf der Welt, in der dieselben elf Spieler immer spielen. Der Unterschied zwischen einer guten und einer sehr guten Mannschaft ist der Teamgeist. Da spielt der Trainer eine wichtige Rolle, und unser Trainer macht das sehr gut. Er gibt allen das Gefühl, wichtig zu sein, er spricht nicht nur mit der ersten Elf, er spricht mit allen und gibt keinem das Gefühl, egal zu sein. Das ist ganz wichtig.

Wie wichtig ist es, dass die Spieler aus der zweiten Reihe keinen Ärger, keinen Stunk machen?
Das ist wichtig für die ganze Mannschaft, und es ist auch wichtig für den Trainer. Also wenn ich Trainer wäre, würde ich sehr großen Wert darauf legen, dass keiner Ärger macht. Ist doch klar. Die Ersatzspieler müssen einfach Geduld haben. Und ich bin erfahren genug, ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, wie es läuft und dass jeder wichtig ist und gebraucht wird. Ich bin da lockerer geworden.

"Mehr Qualität als Gladbach"

Ist die aktuelle Eintracht-Mannschaft die beste, in der sie je gespielt haben?
Ich habe schon in der letzten Saison gesagt, dass ich denke, dass wir mehr Qualität haben als etwa Borussia Mönchengladbach. Die jetzige Mannschaft hat großes Potenzial, wir müssen einfach locker bleiben und im Training hart weiter arbeiten, dann können wir was erreichen. Was, wird man dann sehen.

Kennen Sie Ihren Spitznamen eigentlich?
Meinen Spitznamen?

Ja, Batmour.
Ach so, ja. Habe ich schon gehört, aber ich weiß nicht so genau, was es bedeuten soll.

Na ja, dass Sie so Bewegungen haben wie eine Fledermaus.
Ah, okay, wenn es was Positives bedeuten soll, soll es mir recht sein (lacht).

Wo wir schon bei Spitznamen sind: Das Ehepaar Matmour wird auch als Beckham vom Main bezeichnet.
Nein, nein, das mag ich nicht so gerne. Mein Privatleben will ich raushalten. Ich weiß, dass meine Frau und ich viel Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Hier in Europa ist das okay, da haben wir es unter Kontrolle, da konnten wir uns da gut rausziehen, aber in Algerien ist das schon was anderes, da ist viel los. Für ein ruhiges Leben ist es besser, versteckt zu leben.

Wer ist bekannter in der Heimat, Sie oder Ihre Frau, eine sehr populäre Sängerin?
Lassen Sie uns doch bitte über etwas anderes reden.

Okay, wie sieht es mit der Nationalmannschaft aus?
Oh, noch so ein Thema, zu dem ich eigentlich nichts mehr sagen möchte. Die Nationalmannschaft ist kein Thema für mich. Ich habe schon im Mai gesagt, dass ich nicht mehr für die Nationalelf spielen möchte. Es gab keinen Ärger oder so, aber ich habe mich damals entschieden, dass ich mich nur auf die Eintracht konzentrieren möchte. Und damit ist alles gesagt.

Nun gut, wohin geht die Reise der Eintracht? Nach Europa?
Wir machen uns darüber keine Gedanken. Wir schauen, auch wenn es eine Floskel ist, von Spiel zu Spiel. Das ist wirklich so. Wenn wir anfangen, weiterzudenken, dann wäre das nicht gut für uns. Da bin ich mir sicher.

Sebastian Jung wurde zur Nationalmannschaft eingeladen, kam aber nicht zum Einsatz. Ist es dennoch eine Art Bestätigung, dass die Eintracht-Mannschaft auf dem richtigen Weg ist?

Klar. Sebi hat sich die Einladung mit guten Leistungen verdient, er spielt eine sehr gute Runde. Das macht uns auch stolz. Schade, dass er nicht zum Einsatz kam, aber das wird noch kommen, da bin ich mir sicher. Auch Sebastian Rode wird seinen Weg gehen, er hat sehr großes Potenzial. Und unser Torwart hätte es ebenfalls verdient. Kevin Trapp spielt eine überragende Saison bisher, er hat unglaublich gehalten und uns viele Spiele gerettet. Diese Spieler haben sicher die Qualität, um es zu schaffen.

Das Gespräch führten Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

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