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Eintracht Frankfurt
Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zu Eintracht Frankfurt

09. Januar 2013

Eintracht Frankfurt: „Da hat einiges nicht gepasst bei mir“

Jede Trainingseinheit tue ihm gut, sagt Marco Russ. Foto: Heiko Rhode

Eintracht-Innenverteidiger Marco Russ über eine unglückliche Zeit in Wolfsburg, über Übergewicht und warum er sich mehr über Lorenz-Günter Köstner als über Felix Magath ärgert.

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Marco Russ, 27 Jahre alt, trägt seit ein paar Tagen wieder den Adler auf der Brust, jenes Eintracht-Trikot, das er sich schon seit der D-Jugend überstreifte – bis 2011. Vor anderthalb Jahren suchte der gebürtige Hanauer sein Glück beim VfL Wolfsburg, diese Episode ist vorerst beendet. Russ ist wieder zurück – und will mit den Gerüchten aufräumen, wonach er von Felix Magath wegen Übergewichts aussortiert worden sei. „Das stimmt nicht.“

Herr Russ, man hat das Gefühl, als seien Sie nie weggewesen. Geht es Ihnen ähnlich?

Ich habe mich schnell akklimatisiert. Die Hälfte der Mannschaft kenne ich ja noch, die Eingewöhnung ist das kleinste Problem.

Was ist ein größeres?

Das hohe Tempo jetzt wieder jeden Tag zu gehen, ist eine kleine Umstellung. Ich habe zwar vorher jahrelang Bundesliga gespielt, fast 200 Spiele gemacht, aber wenn man mal draußen ist, ist es schon schwer, wieder reinzukommen. Deshalb tut mir jede Trainingseinheit gut.

Das Testspiel gegen Al Jazira lief auch nicht so gut für Sie. Haben Sie da gespürt, dass Ihnen der Wettkampf lange gefehlt hat?

Wenn ich Nein sagen würde, würde ich mir selbst in die Tasche lügen. Da hat einiges nicht gepasst bei mir. Aber wichtig war, dass ich 90 Minuten gespielt habe. Jedes Spiel tut mir gut.

Hat der Trainer noch mal mit Ihnen über das Spiel gesprochen?

Ja, er hat mir gesagt, dass ich tiefer hätte stehen müssen. Die Bälle kamen ja alle paar Minuten über uns hinweggeflogen und die sind immer alleine auf Trappi (Torwart Kevin Trapp; Anm. d. Red.) gelaufen. Das geht nicht. Ich weiß selbst, was ich für Fehler gemacht habe.

Sehen Sie sich als Herausforderer? Das Pärchen Anderson/ Zambrano gilt als gesetzt.

Klar. Es ist schwierig, wenn man neu in so eine Super-Mannschaft kommt, die eine hervorragende Hinserie gespielt hat. Da kann man nicht viel fordern. Aber: Ich habe die Qualität und bin von mir selbst überzeugt.

Haben Sie der Eintracht so eine Entwicklung zugetraut?

Es ist schon außergewöhnlich. Der Start ist geglückt, dann ist die Mannschaft ins Rollen gekommen und dann war sie nur schwer aufzuhalten. Die Eintracht hat ja gerade zu Hause richtige Feuerwerke abgebrannt, da haben sogar die gegnerischen Trainer gestaunt. Das ist schon was Besonderes.

Wird die Spielweise der Eintracht für Sie eine Umstellung sein? Da geht ja vieles zulasten der Abwehr.

Hier wird die Offensive großgeschrieben, das ist schon was anderes als früher. Aber das ist okay. Die Grundzüge des Spiels, dass wir über Pirmin, Seppl oder Inui spielen wollen, kenne ich. Und dass wir viel über das Passspiel kommen und gepflegt aufbauen wollen, kommt mir zugute. Das ist eine meiner Stärken, ich spiele nicht so viele Fehlpässe.

Sind Sie glücklich, wieder in den Schoß der Eintracht-Familie aufgenommen worden zu sein?

Klar. Der Kontakt nach Frankfurt ist ja nie abgerissen, mit Sebi Jung etwa habe ich regelmäßig telefoniert. Ich habe ja mein Haus in Aschaffenburg, ich war zwar nicht jedes Wochenende, aber doch sehr häufig in Frankfurt. Ich habe hier meine ganzen Freunde.

Wann war für Sie klar, dass Sie den VfL Wolfsburg verlassen werden?

Das hatte sich abgezeichnet, ich war ja außen vor. Ich hätte gerne weiter um meinen Platz gekämpft, ich hätte mich auch durchgebissen, da bin ich mir sicher. Aber mir wurde ja die Chance genommen, ich durfte nicht mehr mit den Profis trainieren. Und bei den Amateuren war ich weg vom Fenster. Jetzt bin ich wieder da. Da sieht man mal, wie schnell es im Fußball gehen kann. Aus jeder Erfahrung lernt man, das stärkt einen, das stärkt und prägt den Charakter.

Wie ist denn Felix Magath? Unberechenbar? Hart? Gnadenlos?

Das Training ist härter als bei jedem anderen Bundesligisten, aber jede Einheit geht ja vorbei. Aber ich habe gemerkt, dass ich in den letzten zehn Spielen der letzten Saison in der letzten Viertelstunde viel mehr Luft hatte. Das kam auch durch den Willen, den er gestärkt hatte. Ich habe mich gut gefühlt zu dieser Zeit. Aus der Entfernung sah das ziemlich willkürlich aus, was er gemacht hat. Er hat keine Stammelf. Aber es ist bei ihm so: Wer in der Woche gut trainiert, spielt. Das zieht er durch. Und da nimmt er auch keine Rücksicht darauf, ob einer vorher mal drei, vier gute Spiele gemacht hat und vielleicht mal einen kleinen Hänger hat. Zack, dann kommt der Nächste. Das ist fair. Und gerecht. Eigentlich. Wir Spieler sehen das natürlich anders. Da denkt man, jetzt lief es mal eine Woche nicht gut und schon bin ich raus. Aber so ist er.

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Was ist dann im Sommer passiert? Es hieß, Sie seien mit ein paar Kilo zu viel aus dem Urlaub gekommen.

Ja, diese Geschichte. Habe ich auch gelesen. Da wird irgendwas erzählt und geschrieben und die Leute glauben es, weil sie nur die eine Seite kennen.

Dann erzählen Sie doch mal.

Es wurde vor dem Urlaub gewogen und danach. Wir hatten dann jeden Tag zweimal Training, es wurde vor dem Training gewogen und danach. Und wissen Sie was? Ich hatte immer dasselbe Gewicht. Keine Ahnung, wer das in die Welt gesetzt hat mit dem Übergewicht. Ich war in Magaths Augen vielleicht nicht fit genug für die Vorbereitung. Aber das weiß ich auch nicht. Er hat mir vor dem zweiten Trainingslager nur gesagt, dass er meine Qualitäten nicht braucht. So ist das halt bei so einem Verein, da kommt dann halt der nächste Spieler. Das geht alles sehr schnell.

Lorenz-Günther Köstner sagte, Sie hätten sich auch bei den Amateuren nicht empfohlen.

Ich habe nicht verstanden, weshalb er gesagt hat, ich sei zu schlecht für die Amateure. Das ist Blödsinn. Das hat mich echt tierisch aufgeregt und genervt, dass so etwas in der Zeitung stand. Aber gut, diese Zeit ist vorbei. Ich habe jetzt neu angefangen.

Aufgezeichnet von Ingo Durstewitz.

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