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Eintracht Frankfurt
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01. Mai 2014

Eintracht Frankfurt: „Der ganze Verein ist mir ans Herz gewachsen“

 Von  und 
Jerry freut’s: Herrchen Armin Veh hat bald mehr Zeit für ihn.  Foto: Heiko Rhode

Der scheidende Trainer Armin Veh lässt drei „tolle und schöne“ Jahre bei Eintracht Frankfurt Revue passieren: „Die Europa League – das war etwas ganz Besonderes“.

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Die Tage des Trainers Armin Veh, 53, in Frankfurt sind gezählt, der Mietvertrag längst gekündigt. Nach der Partie beim FC Augsburg ist endgültig Feierabend für den Trainer, der die Eintracht in den letzten drei Jahren mehr geprägt hat als viele, viele seiner Vorgänger. Der gebürtige Augsburger hat der Eintracht wieder eine Identität gegeben, hat sie auf den richtigen Weg gebracht, ja, er hat ihr wieder den Stolz zurückgegeben. Eintracht Frankfurt genießt wieder ein besseres Image, und deshalb wird der Abschied Vielen nicht leichtfallen. Veh auch nicht. Kürzlich, beim Aufräumen seines Büros, hat er eines der Bilder von sich ins Arbeitszimmer des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen gebracht. „Das soll der Herri aufhängen und sich immer an mich erinnern“, sagte Veh schelmisch beim letzten großen Interview mit den Eintracht-Berichterstattern. „Wird er aber nicht machen. Er hängt lieber ein Bild von Friedhelm Funkel auf.“ 

Herr Veh, lassen Sie uns die Gelegenheit nutzen, noch einmal Danke dafür sagen, dass Sie im Winter vor einem Jahr, als es der FR so schlecht ging, ein Solidaritäts-Abo gezeichnet haben …
… ich habe die Zeitung aber nie bekommen. 

Wie? Es kam keine Zeitung?
Nein. 

Ist wenigstens Geld abgebucht worden?
Auch nicht. 

Hätten Sie das bei den Summen überhaupt gemerkt?
Klar, ich kontrolliere meine Kontoauszüge immer. Mir wäre es ja lieber gewesen, die Zeitung wäre gekommen und es wäre nichts abgebucht. Egal, meine Frau kauft sowieso jeden Morgen die FR. 

Das macht Ihre Frau?
Ja. Wenn morgens um zehn Uhr Training ist, gehe ich um acht Uhr aus dem Haus. Wir frühstücken vorher, so um Viertel nach Sieben, und da hat meine Frau schon die Zeitung gekauft. Und dann schmiert sie mir auch noch mein Brötchen… Sie lachen. Wir sind seit 30 Jahre zusammen. 

Sie sind also eher ein Frühaufsteher.
Ja, so bis elf im Bett liegen. Nein, das kann ich nicht. Ich bin ein Wacher. 

Herr Veh, in einer Woche ist das Kapitel Eintracht beendet. Sitzen Sie schon auf gepackten Koffern?
Nein. Da kümmere ich mich auch nicht drum. Das wickelt alles meine Frau ab. Das kann ich nicht ertragen, wenn da Kisten und Kasten in der Wohnung rumstehen. Ich brauche meine Ruhe. Am Samstag nach dem Spiel in Augsburg ist Feierabend. Wir, das Trainerteam und Bruno Hübner, fahren dann noch mal für ein paar Tage weg, die Saison aufarbeiten. Und den neuen Trainer nehmen wir gleich mit ... (lacht)

Armin Veh im Kreise seiner Mannschaft. Bald steht ein neuer Trainer an seiner Stelle.  Foto: Stefan Krieger

Im Ernst: Könnten Sie sich vorstellen, Ihren Nachfolger bei der Eintracht einzuweisen.
Wenn er das will, klar, gerne. Ich selbst wäre aber nicht so der Typ dafür. Ich  will mir ganz gern mein eigenes Urteil bilden. 

Sie sind schon im Abschiedsmodus. Kommt langsam Wehmut, vielleicht auch Trauer auf?
Im Augenblick noch nicht. Es ist auch alles noch so frisch. Für mich war es ja erst am Sonntag nach dem HSV-Spiel wirklich vorbei. Da ist eine Last von mir abgefallen, endlich ist dieser Druck weg. Darüber bin ich froh. Ich muss selbst noch runterkommen. Und ich möchte mich von einigen Leuten richtig verabschieden. Wehmut wird bestimmt dann kommen, wenn ich ein wenig Ruhe habe. Denn es war ja eine schöne Zeit hier. Sogar eine tolle. 

Sie haben Vieles erlebt mit der Eintracht.
Ja, es war eine sehr bewegende Zeit, es waren drei sehr intensive Jahre mit vielen Höhepunkten. Der ganze Verein ist mir ans Herz gewachsen. Das ist schon was Außergewöhnliches. Das hat sich natürlich erst alles entwickeln müssen, gerade im zwischenmenschlichen Bereich, habe ich mich mit allen wirklich gut verstanden. Das ist was Besonderes. Ich habe mich immer unheimlich wohlgefühlt hier, auch wenn es immer anstrengend war. Aber ich bin jetzt nicht müde oder ausgebrannt. 

Bei Ihrer Vertragsverlängerung vor einem Jahr – Stichwort: „Rumeiern“ – haben Sie sich viel Zeit gelassen.
Da war diese 40-Punkte-Marke. Und wenn ich vor einem Jahr meinen Vertrag nicht verlängert hätte, wäre die Europa League gefährdet gewesen. Ich wollte aber unbedingt in Europa spielen, das war der Grund, weshalb ich verlängert habe. Und es war schöner als ich gedacht habe. 

Wieso?
Die Europa League mit Eintracht Frankfurt war etwas ganz Besonderes. Ich bin 24 Jahre Trainer, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich habe schon Champions League gespielt mit zwei Klubs, aber an Europa League in Frankfurt kam das nicht heran. 

Was hat die Auftritte so besonders gemacht?
Die ganze Stadt hat hinter uns gestanden. Das hat jeder einzelne von uns gespürt. Und dann die Auftritte der Fans, diese Choreographie, zu Hause und auswärts, 12 000 in Bordeaux ganz in orange. Wissen Sie, vor drei Jahren beim Abstieg waren diese Fans noch „Deutscher Randalemeister“. Was hat sich da alles gewandelt? Jetzt werden die selben Fans auf Schalke für ihr besonnenes Tun von allen Seiten gelobt. 

Bordeaux war für Sie sicher der emotionale Höhepunkt. Damals, als Sie vor den 12 000 die Eintracht-Fahne geschwenkt haben.
So emotional bin ich normalerweise gar nicht, doch das hat mich gefühlsmäßig mitgenommen, mehrmals sogar. Dafür macht man den Job ja eigentlich auch. Aber da habe ich mich echt zusammenreißen müssen, sonst wäre es kritisch geworden, und nicht nur einmal. 

Da waren Sie den Tränen nahe?
Klar, aber das kannst du doch nicht machen. 

Beinahe hätte die Eintracht dem Spektakel in Europa Tribut zollen müssen.
Das wollte ich auf allen Fälle verhindern. Ich wollte den Verein nicht da zurücklassen, wo ich ihn übernommen habe – nämlich in der zweiten Liga. Das wäre tödlich gewesen. Darauf war ich fokussiert. Was war das für eine aufreibende Saison? Die vielen Spiele, die Verletzungen, die Belastungen, die vielen Niederlagen, mit denen wir umgehen mussten, allein sieben Spiele, in denen wir in den letzten fünf Minuten noch Punkte abgegeben haben. Da sage ich: Hut ab vor dieser Mannschaft. Denn es war eine echte Mannschaft. Das war der große Unterschied zu vor drei Jahren. 

Wundern Sie sich nicht im Nachhinein, wie glatt alles lief, aus der zweiten Liga mit klasse Fußball nach Europa?
Ja, jetzt sieht es so einfach aus. War es aber nicht. Manchmal, wenn der Bruno Hübner und ich zusammensitzen, gucken wir uns an und sagen: Wo wären die, wenn wir nicht gekommen wären? Aber das machen wir selten, höchstens bei einem oder zwei Glas Rotwein. Aber im Ernst: Als ich kam, war das keine Mannschaft, 14 Leuten in Leogang im Trainingslager, mit Bellaid, Clark, Petkovic und Alvarez. Und viele Andere waren noch vom Abstieg traumatisiert. Da habe ich Bruno Hübner gesagt: Bruno, wir steigen nicht auf, wir müssen aufpassen, nicht abzusteigen. Wenn wir da nichts gefordert hätten, wären wir nicht in die erste Liga aufgestiegen. Man muss ja immer was fordern, damit die bei uns da oben aufwachen. Das habe ich immer gemacht. Ich hoffe, das macht mein Nachfolger auch.

Armin Veh ganz entspannt.  Foto: Heiko Rhode

Was nimmt diese Mannschaft aus dieser Runde mit?
Sie hat gelernt, sie ist professioneller geworden. Es ist im Leben oft so, wenn du dich aus schwierigen Situationen befreist, lernst du. Man lernt viel aus negativen Erlebnissen. 

Haben Sie auch was gelernt?
Auch ich habe gelernt. Klar, Erfahrungen helfen einem im Beruf. Nur darf man sich auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen. Man muss versuchen, sich stets zu verbessern. Ich sammele Erfahrungen und bin sicher heute ein wesentlich besserer Trainer als früher. 

Sie haben die Eintracht geprägt, keine Frage. Aber auch Sie haben durch die Zeit in Frankfurt gewonnen.
In unserem Job ist es doch so: Die Vergangenheit wird sofort vergessen, wenn mal irgendetwas schlecht läuft. Ich habe als Trainer doch auch eine Geschichte. Schauen Sie: Ich bin viermal aufgestiegen, bin einmal Deutscher Meister geworden. Doch so ein Image geht schnell kaputt, wenn du so ein chaotisches Jahr hast wie ich in Hamburg. Dann giltst du bald als ausgebrannt. Wie schnell geht das alles? 

Aber, Herr Veh, durch die drei sehr erfolgreichen Jahre bei Eintracht Frankfurt stehen Ihnen doch alle Türen offen.
Ja, das stimmt. 

Und was werden Sie tun?
Ich weiß es noch nicht endgültig, in den nächsten zehn bis 14 Tagen entscheide ich es. Da gibt es etwas ganz bestimmtes, was mich interessiert. Das mache ich oder ich mache eine Weile gar nichts. Ich warte auf nichts. Es ist auch kein Projekt, und ich werde auch nicht noch mal in der zweiten Liga tingeln, wie ich das mit der Eintracht gemacht habe. Auf jeden Fall mache ich Urlaub, und ich bin dann mal weg. Und da werde ich mit Sicherheit darüber nachdenken, wie schön es hier war. 

Und trotzdem gehen Sie?
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Entscheidung, die ich in der Winterpause getroffen habe, steht. Wenn ich einmal eine Entscheidung getroffen habe, dann bereue ich sie nicht. Selbst wenn ich sie bereuen würde. (lacht). Ich harke nie nach. Und schauen Sie: Wo gibt es das denn, dass man nach drei Jahren so im Guten auseinandergeht. Ich finde es schön und außergewöhnlich, wenn man sich so trennen kann. 

Abschied

Das letzte Heimspiel von Armin Veh wird am Samstag gegen Bayer Leverkusen sicher kein einfaches werden für den scheidenden Trainer. Es wird ein bewegender Moment werden, denn der 53-Jährige hat Spuren hinterlassen in dem Klub. Der Abschied fällt nicht leicht. Auch die Fans dürften sich nicht lumpen lassen und den Fußball-Lehrer ordentlich verabschieden. Ob Armin Veh in der Mannschaftssitzung ganz persönliche Worte an das Team richtet, weiß er selbst noch nicht. Womöglich denkt er sich etwas besonders aus. Veh: „Aber vielleicht trete ich einfach vor die Mannschaft und lasse die Situation auf mich wirken.“

Bamba Anderson, seit der Winterpause verletzter Stopper, kehrte am Donnerstag ins Training zurück. Auch Joselu konnte mittun. Allerdings fehlten weiterhin Sebastian Jung (Wade) und Alexander Madlung. (kil)

Was reizt Sie denn am nächsten Trainerjob? Was ist da anders als in Frankfurt?
Ich will andere begeistern, will etwas aufzubauen, eine Mannschaft besser machen, und Ziele erreichen, die nicht unbedingt auf den ersten Blick erwartet werden. Das ist es, was mich reizt und antreibt. Ich will international spielen. Es reicht mir nicht, um Platz zehn zu spielen. 

Was, glauben Sie, ist für Eintracht Frankfurt in den nächsten Jahren möglich?
Die Eintracht hat eine Zukunft, wenn sie in den nächsten Jahren aus diesen komischen Verträgen mit dem Stadionbetreiber herauskommt.

Was können Sie eigentlich besser als andere?
Mit Sicherheit ist es wichtig, Menschen führen zu können, authentisch zu sein, dass man das auch tut, was man sagt. Mein Leitspruch ist ja: Ich weiß nicht immer, wie es geht, ich weiß aber, wie es nicht geht. Und jeder, der Erfolg hat, hat auch das entscheidende Quäntchen Glück. Ich habe halt auch schon ein bisschen was erreicht in meinem Trainerleben. Ich bin mit Reutlingen, Augsburg, Greuther Fürth aufgestiegen. Natürlich gibt es manchmal Phasen bei einem Klub, in denen es nicht so läuft, so ist das im Sport. 

Was ist wichtiger Taktik oder Bauchgefühl.
Ich bin groß geworden mit dem Sport. Ich liebe ihn, und ich kann ihn auch. Vieles wird aus meiner Sicht überhöht. Wenn ich das schon höre: Taktikfuchs. Das muss ohnehin jeder Trainer können, wer sich in Taktik nicht auskennt, der kann den Job nicht machen. Wenn du dieses Basis nicht hast, darfst du nie Bundesligatrainer werden. Der Trainer ist das wichtigste Glied in einem Verein, nicht das schwächste. Deshalb wird er oft rausgeworfen, weil das die entscheidende Stellschraube ist. Als Trainer müssen Sie Dinge erkennen, müssen sehen, wie Sie eine Mannschaft am besten zusammenstellen, dass es passt. Ich weiß schon, was das beste für uns ist ... 

... etwa Kapitän Pirmin Schwegler nach einer halben Stunde von Platz zu nehmen zum Beispiel …
… ja genau. Und dann mache ich es auch. Viele trauen sich das nicht. Ich kann die Leute auch von meiner Auffassung überzeugen, was für uns das Beste ist. Und so werde ich immer erfolgreich sein im Job. 

Da muss man überzeugt sein von sich.
Ich bin schon überzeugt von dem, was ich tue. 

Interview: Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

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