Eintracht Frankfurt
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26. Januar 2013

Eintracht Frankfurt: „Es wäre nicht einfach, hier wegzugehen“

„Ich hoffe, ich kann noch ein paar Jahre auf dem Niveau spielen." Foto: H. Rhode

Alexander Meier über den Hype um seine Person, seine bestechende Form, ein mögliches Karriereende in Frankfurt und gute Freunde, die der Eintracht den Rücken kehren.

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Alexander Meier über den Hype um seine Person, seine bestechende Form, ein mögliches Karriereende in Frankfurt und gute Freunde, die der Eintracht den Rücken kehren.

Herr Meier, Ihr guter Kumpel Benjamin Köhler hat sich dem 1.FC Kaiserslautern angeschlossen. Die Siamesischen Zwillinge der Eintracht sind getrennt. Kommt Wehmut auf?

Nein, das nicht. So ist das Fußballgeschäft. Wir waren fast neun Jahre zusammen bei der Eintracht. Das ist eine lange Zeit. Natürlich haben wir auch darüber gesprochen, ob er gehen soll. Er hat nach meinem Rat gefragt.

Und: Was haben Sie gesagt?

Darüber möchte ich nichts sagen. Letztendlich musste er es ja eh selbst wissen. Er ist über die Jahre hinweg ein toller Freund geworden. Es ist schade, dass er jetzt weg ist. Aber man muss ihn verstehen: Er will Fußball spielen. Das zeigt seinen Charakter. Er wollte seinen Vertrag nicht aussitzen.

Benjamin Köhler war einer der Aufstiegshelden. Haben Sie damit gerechnet, dass er es in dieser Runde so schwer haben wird?

Es war schwer für ihn, reinzukommen ins Team. Die Mannschaft hat ja in der Hinrunde super gespielt. Da wäre es nicht fair gewesen, einen Spieler rauszunehmen. Aber ich denke, Benny hat super viel für die Eintracht geleistet. Das sollte man nicht vergessen. Auf ihn war immer Verlass.

Und Ihr anderer Freund, Rob Friend, ist ebenfalls von der Fahne gegangen.

Auch schade. Alle meine Freunde gehen, das wird doch nicht an mir liegen...(lacht). Die beiden sind gute Jungs, die immer mitgezogen haben. Sie werden mir fehlen.

Können Sie sich vorstellen, auch noch mal woanders hinzuwechseln, Ihre Karriere womöglich in der Major League Soccer ausklingen zu lassen. Sie haben ja eine Affinität zu den Vereinigten Staaten.

Ich hoffe, ich kann noch ein paar Jahre auf gutem Niveau hier spielen. Natürlich kann ich mir das danach vorstellen, ein ganz neues Leben mitnehmen, eine andere Mentalität erleben − das wäre interessant.

Großer Mann

Alexander Meier, 1,96 Meter groß, ist in Frankfurt mittlerweile eine Institution. Der Lange aus Buchholz in der Nordheide spielt seit 2004 für die Eintracht, er hat 168 Bundesligaspiele (44 Tore, 23 Vorlagen) und 66 Zweitligapartien (26 Tore, acht Vorlagen) für die Hessen bestritten.

Er war immer Stammspieler, fast immer Leistungsträger − aber früher nicht unumstritten. Es hieß einst sogar, er sei nur deshalb gesetzt, weil er der Lieblingsschüler von Ex-Trainer Friedhelm Funkel gewesen sei. Mittlerweile haben viele Abbitte leisten müssen.

Woher rührt die Liebe zu den USA?

Damals habe ich mit Cory Gibbs zusammen bei St. Pauli gespielt. Er hatte mich eingeladen nach Miami. Ich bin dann mal rüber, und es hat mich nicht mehr losgelassen. Er hat mich also sozusagen eingeführt. Seitdem bin ich regelmäßig drüben.

Immer nur in Miami? Oder auch mal im Westen?

Nee, meistens war ich in Miami. Mir gefällt es da einfach.

Oder werden Sie nach der Karriere zurück in den Norden Deutschlands gehen? Oder vielleicht in Frankfurt wohnhaft bleiben?

Frankfurt ist so etwas wie die zweite Heimat, meine fußballerische Heimat sowieso. Ich bin neun Jahre hier. Das prägt natürlich. Aber was ich nach dem Fußball mache, weiß ich nicht. Ich will noch ein paar Jahre spielen, so lange, wie die Knochen halten. Das andere ist Zukunftsmusik.

Sie sagten mal, Sie könnten sich vorstellen, in Frankfurt Ihre Karriere zu beenden. Steht das noch oder haben Sie womöglich auch die Neigung, noch mal zu einem anderen Klub zu wechseln. Sie sind zurzeit sicher so begehrt wie nie.

Ach, das weiß ich nicht. Es spricht nichts dagegen, hier meine Karriere zu beenden. Ich fühle mich superwohl. Aber der Fußball ist so schnelllebig. Ich habe noch anderthalb Jahre Vertrag, und dann wird man sehen, ob ich verlängere oder gehe. Mal sehen, was Heribert Bruchhagen vorhat. Vielleicht sagt er ja: Ich muss gehen.

Das scheint nicht sehr wahrscheinlich. Wie tief ist Ihre Verbundenheit mit der Eintracht? Sie sind nach Oka Nikolov der dienstälteste Spieler.

Ich habe alles mit dem Verein mitgemacht, sehr, sehr viel erlebt. Aufstieg, Pokalfinale, Uefa-Cup, Abstieg, Aufstieg. Das prägt. Das vergisst man nicht. Es wäre nicht einfach, hier wegzugehen.

Weshalb haben Sie der Eintracht so lange die Treue gehalten? Sie hätten mehr Geld verdienen können. Sie hätten den Verein nach dem Abstieg verlassen können.

Ich bin nicht der Typ dafür, der nach einem Abstieg abhaut. Das ist nicht meine Art. Im Gegenteil: Ich habe gesagt: Wir haben es vermasselt, wir wollen es geradebiegen. Das ist uns geglückt. Das ist auch ein gutes Gefühl.

Was wäre eine Voraussetzung, bei der Eintracht zu bleiben?

Es ist wichtig, dass Spieler wie Sebastian Rode, Pirmin Schwegler, Sebastian Jung oder Kevin Trapp gehalten werden. Das Gerüst der Mannschaft sollte erhalten bleiben. Es macht ja auch mehr Spaß, wir sind eine gute Truppe, verstehen uns gut − und haben ganz gut Fußball gespielt in der Hinrunde.

Die einhellige Meinung über Sie ist: Das ist der beste Meier, den es je gab. Spüren Sie selbst, dass Sie in der Form Ihres Lebens sind?

Ich denke, dass ich in einem guten Alter bin. Zwischen 28 und 32, das ist das beste Fußballalter. Aber ob ich so gut bin wie nie zuvor, das sollen andere beurteilen. Ich bin topfit, und das hängt auch mit Christian Kolodziej, unserem Konditionstrainer, zusammen. Er hat uns auf ein ausgesprochen gutes Fitnesslevel gebracht. Davon profitieren alle, ich auch.

Ihre Bescheidenheit ehrt Sie, aber Sie werden überall abgefeiert, Sie wurden zum besten Spieler der Hinrunde gewählt. Der Hype um Ihre Person ist so groß wie nie. Spüren Sie eine Veränderung in der öffentlichen Wahrnehmung?

Es wird jetzt positiv geschrieben, ich freue mich darüber. Aber ich nehme das nicht so ernst, denn ich weiß genau, wie schnell es in die andere Richtung gehen kann, wenn man mal drei, vier Spiele nicht so gut spielt. Deshalb lasse ich das nicht so an mich ran.

Sie haben es nicht immer leicht gehabt in Frankfurt. Lange Zeit wurde Ihnen nicht die Wertschätzung zuteil, die Sie verdient gehabt hätten. Spüren Sie nun Genugtuung?

Nein, Genugtuung nicht. Ich kann in den Spiegel schauen und sagen: Ich habe jeden einzelnen Tag alles für Eintracht Frankfurt gegeben. Das kann ich mit gutem Gewissen sagen, und das ist mir wichtig. Mehr kann ich nicht tun.

Aber Sie schießen sogar schöne Tore an Tagen, an denen es nicht so läuft. Wie in Leverkusen.

In Leverkusen fand ich mich selbst nicht so gut. Und das Tor, na ja, das war auch ein bisschen Glück, dass der Ball da hinten reingeht. Es wird immer wieder mal schlechtere Spiele geben. Aber darüber mache ich mir keinen Kopf. Wichtig ist, dass man immer weitermacht. Und dann wird man auch wieder belohnt.

Oder hat Ihre Stärke damit zu tun, dass Sie nach fast jedem Training Extraschichten einlegen?

Man muss alles und immer üben: Bälle annehmen, Passspiel, Torschuss. Wenn man nach fünf Wochen Urlaub das erste Mal wieder ins Auto steigt, dann fühlt sich das auch komisch an. Durch ständige Wiederholungen bekommt man Sicherheit. Üben hilft immer. Aber das machen alle bei uns: Es arbeiten vor dem Training alle im Kraftraum, das seht Ihr ja nicht. Aber ich kann versichern: Es sind alle eifrig dabei und machen ihre Übungen. Da sind alle sehr professionell.

Aber deshalb wird man nicht zum torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Liga.

Es ist ja so, dass ich seit der letzten Saison sehr viel offensiver spiele, als hängende Spitze. Das kommt mir entgegen. Wenn ich als klassischer Zehner spiele mit zwei Spitzen davor, dann muss ich mehr nach hinten arbeiten. Das ist für mich prinzipiell auch kein Problem, aber die Wege nach vorne sind halt weiter. Und wenn ich, so wie jetzt, weiter vorne bin, kommt man häufiger in Situationen, in denen man zum Abschluss kommen kann.

Sie haben vier Treffer per Kopf erzielt. Dabei sehen Sie sich als nicht so guten Kopfballspieler an.

Es hat sich stark verbessert im Laufe der Jahre, man wird robuster, lernt dazu. Wenn ich an die Anfänge denke vor neun Jahren, oje, da habe ich ja gar kein Kopfballduell gewonnen. Das ist deutlich besser geworden. Aber ich bin noch weit entfernt davon, ein richtig guter Kopfballspieler zu sein.

Aber ein guter Elfmeterschütze sind Sie. Auch das war früher anders.

Benny Köhler war unser Schütze, aber er hatte nicht mehr gespielt. Also musste ich ran.

Sie haben auch schon wichtige Elfer verschossen. Im Pokal in Aachen etwa.

Ja, auch gegen Duisburg mal.

Der war auch nicht unwichtig, damals, 2005, kurz vor dem Aufstieg.

Stimmt. Aber ich habe dann im nächsten Spiel drei Tore gemacht. War okay so.

In Cottbus, 3:0, dreimal Meier. Ein Highlight Ihrer Karriere?

Klar, daran erinnere ich mich immer, es war ein Spiel vor dem Aufstieg. Ja. Ein Highlight.

Herr Meier, abschließend: Was nimmt man aus so einem Spiel wie gegen Leverkusen mit? War das ein Denkzettel?

Nein, kein Denkzettel. Wir haben ein doofes Eckballtor bekommen, aber dann darf man nicht eine Minute später wieder in einen Konter laufen. Aber okay, so ist unsere Mannschaft, wir sind eifrig, wollten das gleich wieder gutmachen und sind nach vorne. Daraus müssen wir lernen. Aber man muss auch die Kirche im Dorf lassen: Wir wurden nicht auseinandergenommen. Leverkusen war die reifere Mannschaft, wir haben verdient verloren. Fertig. Jetzt gilt die Konzentration Hoffenheim. Das wird nicht einfach, aber wir werden alles geben. Das kann ich versprechen.

Das Gespräch führten Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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