Eintracht Frankfurt
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18. Januar 2013

Eintracht Frankfurt: "Mal bist du Gott, mal der Buhmann"

Bastian Oczipka sieht noch Luft nach oben. Foto: Heiko Rhode

Eintracht-Verteidiger Bastian Oczipka über das Wellental Bundesliga und seinen persönlichen Aufstieg.

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Eintracht-Verteidiger Bastian Oczipka über das Wellental Bundesliga und seinen persönlichen Aufstieg.

Bastian Oczipka, seit ein paar Tagen 24 Jahre alt, kehrt am Samstag an seine alte Wirkungsstätte zurück. Der Linksverteidiger von Eintracht Frankfurt spielte seit seinem zehnten Lebensjahr für Bayer Leverkusen. „Ich bin da groß geworden“, sagt der in Bergisch Gladbach geborene Profi. „Ich freue mich riesig auf das Spiel.“

Herr Oczipka, als wir vor dem Hinspiel gegen Leverkusen das erste Mal zusammensaßen, haben Sie viele Dinge prophezeit, die tatsächlich so eingetroffen sind. Rückblickend muss man sagen: Das hat uns verblüfft.
Das ist Fußball-Verständnis, würde ich sagen (lacht). Aber was Sie genau meinen, weiß ich jetzt gar nicht.

Sie haben vorausgesagt, dass Leverkusen verwundbar ist, dass die Eintracht offensiv, attraktiv und eine gute Saison spielen wird. Haben Sie das gespürt?
Ja, man hat das im Gefühl. Die Sportliche Leitung um Armin Veh und Bruno Hübner hat uns immer eingeimpft, dass wir was können und dass wir daran glauben sollen. Das haben wir gemacht. Wenn man als Mannschaft funktioniert, kann man viel erreichen.

Meier kann machen was er will - er trifft

Sie haben auch gesagt, Carlos Zambrano sei ein super Einkauf. Da gab es in der Öffentlichkeit ein paar Zweifel.
Carlos ist überragend. Er wurde auf Pauli medial gar nicht so beachtet, aber ich habe im Training gesehen, wie bärenstark, welch guter Zweikämpfer er ist. Das hat er hier alles gezeigt.

Das erste Spiel gegen Leverkusen, dieses erste Spektakel, könnte so etwas wie eine Initialzündung gewesen sein.
Definitiv. Da lief vieles gegen uns, wir sind benachteiligt worden, selbst Heribert Bruchhagen tobte da unten an der Seitenlinie umher. Wir haben das Spiel trotzdem gewonnen. Das gibt Mut, Kraft und Auftrieb. Natürlich konnte man nicht erwarten, dass wir so durchstarten. Wir haben uns in den ersten Spielen in einen Rausch gespielt, und wenn man erst mal so einen Lauf hat, klappen viele Dinge von alleine. Nehmen Sie Alex Meier, der hat jetzt im ersten Testspiel wieder drei Tore gemacht. Er kann machen, was er will, er trifft. Und ich denke, das Pokalspiel in Aue war für uns auch wichtig.

Inwiefern?
Da haben wir gesehen, ganz so einfach und von alleine wird es nicht gehen. Das war uns eine Lehre. Und nach den Spielen gegen Leverkusen und in Hoffenheim haben wir gemerkt, dass wir was erreichen können, wenn wir so weitermachen. Die Erfolgserlebnisse sind ganz wichtig, man bekommt mehr Selbstvertrauen. Und dann fällt einem vieles leichter. Ein gutes Beispiel ist für mich Thomas Müller.

Thomas Müller?
Ja, mit ihm habe ich in den Auswahlmannschaften zusammengespielt. Da war er nicht besonders auffällig. Er ist dann bei Louis van Gaal hochgekommen und hat sich in einen Rausch gespielt. Und dann stehst du immer richtig, machst Sensations-Spiele.

Auch für Sie persönlich lief es gut, selbst das Thema Nationalmannschaft spukte umher.
Es fällt dem Einzelnen leichter, wenn es in der Mannschaft stimmt. Ich bin ja nicht der Einzige, der eine gute Hinrunde gespielt hat. Jeder Einzelne steht mehr im Fokus, wird medial mehr beachtet, dann wird man sogar mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht.

Acht Vorlagen als linker Verteidiger sind ja auch eine Hausnummer.
Das ist nicht schlecht, das stimmt. Das Offensivspiel ist ganz klar meine Stärke, das fordert der Trainer von mir. Das Spiel über die Flügel ist unser Spiel. Und da geht es ja nicht nur um direkte Vorlagen, sondern auch um Pässe in die Mitte, wenn etwa Taka (Takashi Inui; Anm. d. Red) noch mal einen reinspielt. Über die Flügel entstehen ja fast alle unserer Tore.

Die Position des Außenverteidigers wird im modernen Fußball immer wichtiger.
Ja, viele Vereine legen großen Wert darauf, dass die Außenverteidiger hoch stehen. Sehen Sie sich die Dortmunder an, die machen das perfekt mit Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek. Ich weiß gar nicht, wie viele Tore Piszczek vorbereitet oder selbst gemacht hat. Ich war auch immer ein offensiver Typ. Es wird heutzutage mehr verlangt. Auch auf der Position des Innenverteidigers gibt es ja nicht mehr die Brecher, da wird mehr Wert auf das Spielerische gelegt. Und das Anforderungsprofil des Außenverteidigers ist anspruchsvoll: flanken, Tore schießen, hinten keine Flanken zulassen, keine Gegentore über die Seite zulassen. Da heißt es oft: Ganz gut gespielt, aber nach vorne oder hinten zu wenig gemacht. Aber man kann ja nicht immer vorne zwei Tore vorbereiten und hinten alle Zweikämpfe gewinnen.

Bei Ihnen heißt es aber in der Tat oft, dass Sie in der Defensive noch zulegen könnten. Ist das so? Oder ist dieser Eindruck eher dem offensiven Spiel geschuldet?
Ich glaube, im direkten Zweikampf habe ich kaum Duelle verloren. Aber wenn man halt vorne steht und der Ball dann mal in die Schnittstelle reinkommt, kommt man vielleicht nicht mehr hinterher. Aber das ist das Risiko, wenn man so spielt wie wir. Aber das versuchen wir als Mannschaft zu kompensieren. Wenn Sebi Jung vorne ist, rücke ich mehr ein – und umgekehrt. So versuchen wir, uns gegenseitig zu helfen.

"Im Fußball geht es so schnell"

Weshalb sind Sie erst jetzt dermaßen durchgestartet?
Ich hatte diese schwere Verletzung im Februar 2011 bei St. Pauli (einen Knöchelbruch; Anm. d. Red.), die hat mich anderthalb Jahre zurückgeworfen. Als ich im Sommer 2011 nach Leverkusen zurückgekehrt bin, war es schwer, wieder reinzukommen. Da kannst du im Training machen, was du willst, an Michal Kadlec kommst du nicht vorbei. Er ist ein gestandener Nationalspieler.

Ist die deutsche Nationalmannschaft für Sie ein Thema?
Im Fußball geht es so schnell. Sehen Sie sich meinen Werdegang an: Ich war weg vom Fenster, jetzt geht es in die andere Richtung. Das Auf und Ab ist extrem, oft geht es ja von Woche zu Woche so: Einmal ist man der Gott, dann der absolute Buhmann. Ich weiß ja, dass es auf meiner Position in der Nationalmannschaft nicht übermäßig viele Spieler gibt. Die Chance ist definitiv da. Ich würde es mir wünschen, aber es liegt nicht in meiner Hand. Ich kann nur versuchen, meine Leistung zu bestätigen.

Ein gutes Stichwort. Kann die Mannschaft diese famose Hinrunde bestätigen?
Wir haben sicher oft am Limit gespielt, aber es gab auch viele Spiele, in denen wir es nicht gut gemacht haben. Da ist noch Luft nach oben. Vielleicht geht ja noch mehr. Was ich definitiv sagen kann: Hier lässt sich keiner hängen, hier denkt keiner: Das war eine super Hinrunde, jetzt lassen wir es mal langsamer angehen. Keiner ruht sich auf dem bisher Erreichten aus. Wir haben auch im Trainingslager gearbeitet ohne Ende – trotz der kurzen Vorbereitungszeit. Und ich denke, dass so eine Spielweise, wie wir sie entwickelt haben, belohnt wird.

Das Gespräch führten Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein.

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