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Eintracht Frankfurt
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14. Januar 2013

Eintracht Frankfurt: „Man muss als Trainer aufpassen, dass man nicht ungerecht wird“

Mit der gebotenen Distanz alles im Blick: Armin Veh.Foto: Rhode

Eintracht-Trainer Armin Veh im FR-Interview über Menschenführung, das Leistungsprinzip und die Perspektiven seiner Mannschaft.

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Eintracht-Trainer Armin Veh im FR-Interview über Menschenführung, das Leistungsprinzip und die Perspektiven seiner Mannschaft.

Armin Veh, 51, ist auch eine knappe Woche vor dem Wiederbeginn der Bundesliga ganz locker. Erst am Spieltag stellt sich beim Trainer von Eintracht Frankfurt das große Kribbeln ein, dann befällt ihn die Nervosität. „Das ist noch wie am ersten Tag. Da hat sich nichts geändert“, sagt Veh, seit immerhin 22 Jahren im Geschäft. Im Gespräch erklärt er, weshalb er keine Angst vor einem Einbruch hat, weshalb Srdjan Lakic jetzt besser schnell oder gar nicht unterschreiben sollte und wie er Olivier Occean wieder aufpäppeln will.

Herr Veh, dieser Wetterumschwung von 25 Grad in Abu Dhabi auf Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in Frankfurt – ist die Gefahr von Krankheiten nicht zu groß? Ist die Zeit bis zum ersten Bundesligaspiel am Samstag nicht zu knapp?

Wir sind am Sonntagmorgen wiedergekommen, die Jungs haben bis Dienstag frei. Ich habe ihnen gesagt: Geht raus, zieht euch warm an, um euch zu akklimatisieren. Ich habe ihnen auch gesagt, dass sie jetzt nicht irgendwo einen Freund besuchen sollen, der 500 Kilometer weit entfernt wohnt. Sie sollen die freien Tage zu Hause nutzen, um sich wieder einzugewöhnen. Sie sollen in Frankfurt bleiben. Dann ist das auch kein Problem. Wichtig ist, dass sie sich professionell vorbereiten und sich nicht stressen. Denn sonst wird man krank.

Die Trainingsbedingungen in Abu Dhabi waren sehr gut, doch es gab zwei Testspielniederlagen. Trüben diese den guten Gesamteindruck?

Überhaupt nicht. Die Ergebnisse interessieren mich nicht. Im ersten Spiel hat mich die Einstellung in der zweiten Hälfte gestört. Das ist alles. Gegen Gladbach, das war ein guter Test. Ansonsten war alles perfekt. Im Winter gibt es nichts Besseres. Und wir haben keine Verletzten, das ist auch ganz entscheidend. Aber jetzt, nach acht Tagen, war ich froh, wieder nach Hause zu kommen. Wenn man so lange aufeinander hockt, wird mir das zu viel. Ich bewundere ja die russischen Teams, die sind sechs, sieben, acht Wochen am Stück zusammen. Das wäre nix für mich.

Trauen Sie Ihrer Mannschaft zu, an den Stil der Hinrunde anzuknüpfen, diese Leistung zu konservieren?

Ja, das können wir, weil wir Qualität haben. Das heißt nicht, dass wir nicht auch Spiele verlieren können. Aber die Art und Weise, wie wir spielen, die werden wir beibehalten. Denn eines muss man ja auch sehen: Wann hat Eintracht Frankfurt zuletzt so eine gute Mannschaft gehabt, so viele richtig gute Spieler? Ich kann mich nicht daran erinnern. Wir haben ein gutes Team, das Potenzial hat und noch besser werden kann.

Aber vorne drückt der Schuh. Olivier Occean ist völlig von der Rolle. Wie geht es da weiter?

Er hat die Erwartungen nicht so erfüllen können. Aber wenn Sie nach den Gründen fragen, kann ich aus dem Stegreif auch keine Antwort geben. Es gibt Dinge, die kannst du nicht erklären. Im Sport ist es immer auch eine mentale Sache, da spielen viele Dinge zusammen, ob es klappt oder nicht.

Hat er denn überhaupt Bundesliga-Qualität?

Ich kann relativ früh entscheiden, ob uns jemand weiterbringt oder nicht. Aber bei ihm ist es selbst für mich schwierig. Das neue Jahr sollte für ihn ein Neuanfang sein, da dachte ich, er kommt jetzt, er startet durch. Aber nun ist er wieder in sein altes Schema verfallen, spielt zu viele Bälle zurück. Er muss vorne die Bälle festmachen, damit wir schnell ausschwirren und mit dem gechippten Ball über die Abwehr den Gegenspieler überholen können. Da hat die Viererkette dann keine Chance. Aber er muss diese Bälle auch spielen. Ich habe bei ihm jetzt viel versucht, mal dies und mal das. Im Moment habe ich das Gefühl, es bringt nichts, wenn ich ihn stark kritisiere. Ich habe die Hoffnung, dass es bei ihm Klick macht. Die gebe ich auch nicht auf.

Das Problem ist ja, dass auch kein anderer Stürmer zündet und richtig Druck macht. Weder Erwin Hoffer noch Dorge Kouemaha. Hat das mit denen überhaupt noch Sinn?

Bei Jimmy (Hoffer, d. Red) ist es ja so, dass er durchaus Phasen hat, da sage ich: Okay, das ist gut. Wenn er zum Beispiel so trainiert, wie in den letzten Tagen in Abu Dhabi, dann hat er natürlich auch die Chance, zu spielen. Aber er zeigt es zu selten. Er muss das jetzt mal bestätigen. Dann bekommt er seine Chance. Der Jimmy soll bleiben. Und bei Dorge ist es so, dass er lange verletzt war. Und in unserem Spiel muss man viel laufen, viel gegen den Ball arbeiten. Da weiß ich nicht, ob er es körperlich schafft. Wenn es nur darum ginge, im Strafraum den Ball zu verarbeiten, dann würde ich sogar sagen: Er ist der gefährlichste meiner Stürmer. Aber darum geht es bei uns halt nicht nur.

Und bei Rob Friend, wie sieht es da aus? Er könnte doch jetzt zum Beispiel zum FSV, da fällt Edmond Kapllani wegen einer Kreuzbandverletzung aus.

Da müsste der FSV ja erst mal anfragen. Wir können ja nicht sagen, wir kümmern uns darum. Das Thema Rob Friend ist klar: Da habe ich gesagt, bei mir wird er nicht mehr spielen. Und das bleibt auch so. Er wäre sicher einer, der dem FSV helfen könnte.

Das müsste der Spieler auch wollen.

Das steht ja noch mal auf einem anderen Blatt. Friend muss ja nicht gehen, wir stehen zu unserem Vertrag. Wir können nicht auf der einen Seite sagen: Der Rode hat einen gültigen Vertrag, den muss er erfüllen. Und sagen dann bei Rob auf der anderen Seite: Du hast zwar einen gültigen Vertrag, aber der zählt nicht. Nein, er muss sich halt entscheiden, was er will. Wenn er unter Profibedingungen spielen will, muss er gehen. Und wenn er bleibt, muss er halt bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga spielen und vielleicht auch dort trainieren.

Wann kommt denn jetzt der neue Stürmer?

Wenn einer kommt, dann kommt Srdjan Lakic.

Und? Kommt er?

Auf Teufel komm’ raus holen wir ihn nicht. Er muss ins Budget passen, dazu muss der Spieler Abstriche machen, Wolfsburg muss noch was zahlen, wir zahlen was. Dann könnte das klappen. Ich glaube, dass er uns helfen würde. Er ist gut im Kopfballspiel, hat einen guten Körper und arbeitet gegen den Ball. Klar ist: Es muss sich die nächsten Tage entscheiden, sonst hat es keinen Sinn mehr.

Und würde er dann schon spielen in Leverkusen?

Normalerweise nicht, er kennt unser Spiel ja gar nicht. Aber über was sprechen wir hier? Er ist ja nicht mal da.

Also wird Occean in Leverkusen beginnen? Oder fließen die Trainingseindrücke und die aus den beiden Testspielen in Ihre Entscheidung mit ein?

Diese Eindrücke spielen immer eine Rolle. Wenn ein Rode die ganze Woche durchhängt und gar nichts auf die Füße kriegt, spielt er auch am Wochenende nicht. Ich stelle immer die Mannschaft auf, mit der ich glaube, das Spiel gewinnen zu können. Es geht nicht um Erbhöfe oder Erfolge von gestern. Im Sport kannst du von der Vergangenheit nicht leben. Die Spieler sind ja keine Freunde von mir, die ich seit 20 Jahren kenne. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Und doch muss man als Trainer aufpassen, dass man nicht ungerecht wird. Es gibt Spieler, die immer 100 Prozent geben, aber vielleicht nicht so gut werden wie andere. Das muss man akzeptieren und darf sie nicht überfordern. Denn am Ende des Tages gibt es Grenzen, dann ist es eine Qualitätsfrage.

Spielt deshalb immer dieselbe Mannschaft?

Sagen Sie mir, weshalb ich – ohne Europacup-Belastung – eine Mannschaft umwerfen sollte, von der ich überzeugt bin und die erfolgreich ist? Das macht doch keinen Sinn.

Marco Russ sagte kürzlich, Felix Magath stelle ausschließlich nach Trainingsleistungen auf. Deshalb sei die Wolfsburger Mannschaft so oft durcheinandergewirbelt worden.

Das kann ja jeder Trainer halten wie er will. Ich bin der Meinung, dass man nicht jede Woche eine Mannschaft umschmeißen kann. Wie sollen Automatismen greifen, wenn ich jeden Samstag fünf neue Spieler bringe. Wie soll das funktionieren? Das geht doch nicht. Selbst Barcelona hat ein Problem, wenn Messi nicht spielt.

Herr Veh, wie sieht es bei Ihnen persönlich aus: Bleiben Sie in Frankfurt? Sie sagten ja immerhin schon, es gebe nicht so viele Vereine, die interessant sind.

Ich war in Wolfsburg, Hamburg, Stuttgart. Die fallen schon mal weg. Und zu einem Verein gehen, der hinten steht, das würde ich eher nicht mehr machen. Also warten wir es mal ab. Natürlich ist es so, dass man auch als Trainer eine Entwicklung sehen will. Ich würde jetzt hier nicht wieder neu aufbauen wollen.

Man hört immer wieder, Schalke 04 …

… ach, jetzt hört doch auf. Dazu sage ich nix. Ich spreche mit der Eintracht, wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben, wenn es an der Zeit ist. Da halte ich mich an den Zeitplan. Vorher gibt es von mir auch keine Wasserstandsmeldungen.

Wie können Sie verhindern, dass die aktuelle Mannschaft auseinandergerissen wird?

Man muss den Jungs glaubhaft Perspektiven aufzeigen. Man muss sie mitnehmen, ihnen sagen: Passt auf, den und den Spieler holen wir noch, das ist unser Plan. Und ich sage Ihnen: Wenn wir im Sommer die Spieler holen, die ich gerne hätte und die ich dem Bruno (Sportdirektor Hübner; Anm. d. Red.) schon gesagt habe, würden wir noch mal einen Sprung machen. Davon bin ich überzeugt.

Also planen Sie die Zukunft, ohne zu wissen, ob Sie noch da sind?

Natürlich mache ich das, der Bruno ist doch mein Freund.

Und Sie haben noch junge, talentierte Spieler in der Hinterhand: Sonny Kittel, Marc Stendera, Marc-Oliver Kempf. Schaffen sie es in der Bundesliga?

Stendera und Kempf sind doch blutjung. Warten wir es mal ab. Was ich bei Stendera sagen kann, ist, dass er eine Strategie hat, er macht nichts Falsches. Ihm fehlt noch die Dynamik, er ist auch kein Sprinter. Aber er weiß, wo und wann er den Ball abspielen muss. Er hat eine Fußballintelligenz und eine Strategie. Ich bin davon überzeugt, dass er es packt, wenn er von Verletzungen verschont bleibt. Kempf wird ein guter Innenverteidiger, aber wir wollen ihn nicht verheizen. Deshalb habe ich ihn auch rausgenommen nach dem Spiel gegen Düsseldorf. Das hätte ihm nicht gutgetan. Aber er ist klug, er wird seinen Weg gehen.

Und Kittel? Da scheint es weiterhin so, als ob er stagniere.

Er hat eine gute Schnelligkeit und Dynamik. Aber er muss eine Strategie entwickeln, das hat er noch immer nicht geschafft. Er muss wissen, wie er richtig einläuft und wann er richtig abspielt. Er hatte jetzt im Spiel gegen Gladbach wieder zwei Situationen, in denen er den Ball mit der Sohle hinten herum führt. Völliger Blödsinn. Er muss einfach spielen. Er muss Spielintelligenz entwickeln, da kann ich ihm nicht helfen, das kann ich ihm nur sagen. Wenn er das nicht hinbekommt, wird es schwer für ihn.

Und auf der anderen Seite steht der Methusalem, Oka Nikolov. Bleibt er noch ein Jahr als Torwart?

Oka wird dann 39. Ob er sich das noch mal antun will, weiß ich nicht. Mit Aykut Özer haben wir einen Torwart, der was kann, auch wenn er in dieser Saison lange verletzt war. Vielleicht wird er ja die Nummer zwei. Und Oka dann nur noch Nummer drei. Aber das sind strategische Fragen, über die haben wir noch nicht gesprochen. Oka würde ich in jedem Fall in den Verein einbinden. Er sollte sich spezialisieren, Torwarttrainer machen. Vielleicht kann er dann in der Jugendabteilung anfangen. Aber einen wie Oka muss man als Eintracht Frankfurt halten. Da gibt es kein Vertun.

Interview: Ingo Durstewitz

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