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Eintracht Frankfurt
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17. Oktober 2013

Eintracht Frankfurt: „Wir müssen die letzte Saison bestätigen“

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"Wenn er am Dienstag spielen will, sollte er auch am Samstag spielen", sagt Veh über Sebastian Jung.  Foto: S. Krieger

Sebastian Jung über die Rolle des Führungsspielers, seine kleine Verletzungsmisere und die Glanzlichter auf europäischer Bühne.

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Sebastian Jung über die Rolle des Führungsspielers, seine kleine Verletzungsmisere und die Glanzlichter auf europäischer Bühne.

Die Länderspielpause nutzte Sebastian Jung auch dazu, um eine kleinere Blessur auszukurieren. Der Rechtsverteidiger der Eintracht laborierte an einer leichten Kapselzerrung in der Hüfte. „Das war aber keine größere Geschichte“, erzählt der 23-Jährige. Er ist am Anfang der Woche schon wieder ins Training eingestiegen, hat alle Einheiten problemlos absolvieren können. Am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg wird Sebi Jung wieder seinen Mann stehen. Dann soll auch der erste Heimsieg der Saison eingefahren werden. „Es wird mal Zeit.“ Im ausführlichen Gespräch mit der FR spricht das Eintracht-Eigengewächs über das Kapitänsamt, seine Nationalmannschafts-Ambitionen und die Treue zum Frankfurter Bundesligisten.

Herr Jung, die vergangenen beiden Wochen müssen ja ganz ungewohnt gewesen sein für die Mannschaft: Es stand kein einziges Spiel auf dem Plan, weder in der Liga, noch in Europa, nicht mal im Pokal. Da muss es doch jetzt wieder fürchterlich in den Füßen kribbeln.

Also, ich freue mich darauf, dass es endlich wieder losgeht. Die Spiele sind doch das Salz in der Suppe, der Grund, weshalb wir das alle machen. Und wir haben die Pause genutzt, um uns zu regenerieren und den Akku wieder aufzuladen.

Spüren Sie, dass Sie jetzt wieder ausgeruhter sind?

Wenn man jeden dritten Tag gespielt hat und jetzt fast zwei Wochen kein Spiel hatte, merkt man schon, dass man erholter ist. Ganz klar.

Woran merkt man das?

Während der Englischen Wochen war es so, dass ich nach Hause gekommen bin und erst einmal geschlafen habe. Dann habe ich irgendwann was gegessen und mich anschließend wieder ins Bett gelegt. Da war fast nur Schlafen angesagt. Jetzt spüre ich schon, dass ich nicht mehr so viel Schlaf brauche. Der Körper nimmt sich halt die Auszeiten, die er braucht, er sendet die Signale: „Das kannst du machen und das nicht, bis hier hin – weiter geht es nicht mehr.“ Deshalb war die Länderspielpause auch so erholsam, man kann mal was unternehmen, in die Stadt gehen und ein Käffchen trinken oder so. Dazu hat man während der Englischen Wochen nämlich gar keine Lust.

Friedhelm Funkel war es,

der Sebastian Jung zu seinem Debüt als Bundesligaspieler verhalf. Auf der Bielefelder Alm wechselte er den damals 18-Jährigen in der hektischen Schlussphase ein, und der Rechtsverteidiger spielte so, als tummele er sich schon jahrelang bei den Profis: cool, bissig, abgezockt. Am Ende hieß es 0:0. Jung, dessen Vorbild Ex-Kapitän Alexander Schur war und dessen Rückennummer (24) er sich auch sicherte, stand nur eine Woche später in der Startelf. Es war abzusehen, dass es der heutige 23-Jährige zu einem sehr guten Bundesligaspieler schaffen würde – auch wenn ihn Funkel-Nachfolger Michael Skibbe erst einmal links liegen ließ. Mittlerweile hat der Königsteiner 90 Bundesligaspiele und 33 Zweitligapartien für die Eintracht auf dem Buckel.

Ist das Nervendste wirklich die vielen, vielen Stunden im Hotelzimmer?

Kann man so sagen. Wir sind vier Tage pro Woche im Hotel. Das ist ein bisschen langweilig.

Was macht man da eigentlich die ganze Zeit?

Man schläft viel, trinkt mal einen Kaffee mit den anderen, man guckt ein bisschen Fernsehen oder beschäftigt sich mit dem I-Pad. Man versucht halt, die Zeit totzuschlagen.

In Nikosia etwa war doch das Wetter zumindest schön.

Ja, und? Man kann sich ja wohl schlecht an den Pool legen und sich sonnen.

Für einen Stadtbummel bleibt auch keine Zeit?

(lacht) Ich glaube nicht, dass es erwünscht wäre, wenn wir am Spieltag noch durch Zypern schlendern und einkaufen gehen. Nee, das spielt sich schon fast alles im Hotel ab.

Ihr habt es ja so gewollt.

Klar, wir haben ja auch nichts dagegen, wir beschweren uns nicht. Man sieht, dass wir mit völliger Leidenschaft und Begeisterung dabei sind. In der Europa League läuft es super, auch von den Ergebnissen her. In der Bundesliga stimmen die Resultate zwar nicht, aber vom Spielerischen her ist das völlig in Ordnung.

Und mit Ihnen als Kapitän läuft es ebenfalls rund, da hat die Mannschaft kein einziges Spiel verloren.

Das stimmt, in den letzten drei Wochen hatten wir sieben Spiele und keines verloren. Das kann Zufall sein, es wird wahrscheinlich auch Zufall sein.

Spüren Sie, seit Sie die Binde tragen, mehr Verantwortung?

Na ja, in der Verantwortung stehe ich eigentlich seit der zweiten Liga. Der Trainer will das auch so. Ich soll mit drei, vier anderen Spielern zusammen die Richtung vorgeben. Aber dazu muss ich kein Kapitän sein. Vielleicht muss man als Kapitän noch einen Schritt mehr vorne weggehen und die Mannschaft noch mehr anpushen, vielleicht auch mal antreiben oder zusammenstauchen. Aber alles in allem bleibe ich dabei: Dazu muss ich kein Kapitän sein. Wenn ich im Spiel sehe, dass ein Mitspieler falsch läuft, sage ich ihm das. Wenn einer eine gute Aktion hat, lobe ich ihn. Das ist im Fußball ganz normal. Und das soll auch jeder machen.

Aber für Sie muss doch ein Traum in Erfüllung gegangen sein. Das ist es doch, wovon kleine Buben träumen: Kapitän des Vereins, in dem sie von Kindesbeinen an spielten und dessen Fan sie waren.

Klar, gerade weil ich hier groß geworden und aufgewachsen bin. Und ich bin seit 15 Jahren bei der Eintracht.

Das ist mehr als Ihr halbes Leben.

Eben drum. Deshalb ist es was ganz Besonderes. Für mich war es auch noch mal eine tolle Erfahrung, die Mannschaft in der Euro League aufs Feld führen zu dürfen. Aber ich bin auch nicht traurig, wenn ich die Binde wieder abgeben muss. Das ist schon okay.

Der Europapokal spielt für Sie offenbar eine sehr große Rolle. Als Sie das Playoff-Spiel in Baku gegen Karabach wegen eines Muskelfaserrisses verpassten, da schienen Sie sehr geknickt zu sein.

Wenn solche Highlights anstehen und man nicht dabei ist, dann ist das traurig und bitter. Ich hatte zuvor die U21-EM verpasst, das war für mich auch ein Schlag. Sie müssen sich vorstellen, da spielt man zwei Jahre Quali, um das Ziel zu erreichen, und dann fällt man zwei Wochen vorher wegen eines Muskelbündelrisses aus. Und mit der Eintracht spielen wir diese grandiose, geniale Saison, erreichen die Playoffs – und dann ist man wieder verletzt. Das war einfach saublöd und ärgerlich. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt wieder gesund bin und in der Gruppenphase mitspielen darf.

Sie waren in den letzten Monaten häufiger verletzt als in der gesamten Karriere zuvor. Weshalb?

Das stimmt. Aber weshalb, weiß ich nicht. Ich war dreieinhalb Jahre gar nicht verletzt und hatte jetzt die beiden Faserrisse. Das ist Zufall. Oder Pech. Keine Ahnung. Aber es ist auch nicht so dramatisch, das sind Geschichten, die gehen nach drei Wochen wieder weg. Wenn man eine schwere Knieverletzung hat, ist das weitaus schlimmer, das hält dann nicht mehr für ewig, da hat man immer mal Probleme. Ich war glücklicherweise noch nie schwer verletzt, ich habe mir noch nie etwas gebrochen oder so. Ich habe immer durchgespielt, auch in der Jugend schon. Hoffentlich bleibt es so.

Sie haben die guten Europa-League-Spiele angesprochen, in der Bundesliga hingegen ist die Punktausbeute eher suboptimal, die Eintracht hat sicherlich schon vier Punkte verschenkt.

Vielleicht sogar noch mehr. Gegen Dortmund oder Bayern hätten wir auch nicht verlieren müssen. Aber das gleicht sich während einer Saison wieder aus. Wir sollten uns nicht so viele Gedanken darüber machen, wir sollten einfach so weitermachen wie bisher, dann werden wir auch wieder unsere Spiele gewinnen. Davon bin ich überzeugt. Wir haben jetzt das Spiel gegen Nürnberg, wir sind ganz gut drauf – da sehe ich gute Chancen, drei Punkte zu holen. Wir wollen endlich mal zu Hause gewinnen und nicht nur auswärts. Wir sollten uns nicht verrückt machen lassen, wir können beruhigt in die Zukunft blicken.

Unter der Woche standen wieder Länderspiele an, Sie haben die Spiele von der Couch aus verfolgt, während etwa Marcell Jansen und Heiko Westermann vom HSV Einladungen zur Nationalmannschaft erhielten. Das konnte nicht jeder nachvollziehen. Und Sie?

Natürlich träumt man davon, aber ob ich jetzt nominiert werde oder nicht, darüber mache ich mir keine großen Gedanken. Letztes Jahr im November war ich ja mal dabei, da ist natürlich immer etwas Hoffnung dabei. Nächsten Monat sind ja noch mal zwei Länderspiele gegen Italien und England. Ich weiß nicht, ob der Bundestrainer da vielleicht noch mal etwas ausprobieren will oder nicht. Aber bis dahin ist noch ein Monat Zeit. Das heißt, ich werde in dieser Zeit alles für die Eintracht geben und werde versuchen, meine bestmögliche Leistung zu bringen. Und dann werden wir sehen, ob eine Einladung kommt oder nicht.

Gab es seit der Nominierung damals Kontakt zu Joachim Löw?

Nein, keinen persönlichen. Hansi Flick ist ganz gut mit Charly Körbel bekannt, da wird öfter mal nachgefragt. Das weiß ich. Aber einen Anruf bei mir gab es nicht.

Viele lassen sich zu der These hinreißen, die besagt, dass man als Spieler von Eintracht Frankfurt kaum Chancen hat, in die Nationalelf berufen zu werden.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt. Wir sollten uns jetzt erst einmal alle wieder beweisen, sowohl international als national. Die letzte Saison war herausragend, aber sie ist vorüber. Jetzt gilt es, diese Saison zu bestätigen. Wir müssen auch international zeigen, dass wir mithalten können. Dann wird in der Zukunft der eine oder andere von uns sicher mal einen Anruf des Bundestrainers erhalten. Wir sollten auf dem Boden bleiben und uns bedeckt halten.

Sehen Sie Unterschiede zwischen der Bundesliga und den Gegnern im Europapokal?

Die Intensität der Spiele ist ähnlich. Natürlich ist Nikosia nicht so stark wie Bayern München, aber ich finde, sie haben es gegen uns ganz gut gemacht in der ersten Hälfte. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt das 1:0 gemacht und den Schwung von Nikosia rausgenommen. Wir haben da aber auch gut und abgezockt gespielt.

Spürt die Mannschaft bewusst, welche Bedeutung der Europapokal für die Fans hat?

Natürlich, wenn ich jetzt lese, dass da 10 000 mit nach Bordeaux kommen wollen – ja, das ist doch der Wahnsinn. Auch in Nikosia war es so, dass da 2500, 3000 Leute waren. Wir waren 90 Minuten vor dem Anpfiff im Stadion und haben dann auf diese Wand unserer Fans geblickt, die schon lautstark gesungen haben. Das ist ein verdammt gutes Gefühl, da bekommt man Gänsehaut. Das ist unglaublich. Das ist einfach nur geil. Und die Stimmung bei uns im Stadion ist gigantisch.

Wie lange werden Sie die gigantische Stimmung in Frankfurt noch erleben?

Wie meinen Sie das?

Na ja, es gibt nicht wenige Klubs, die Sebastian Jung gerne in ihren Reihen wüssten.

Das werden wir sehen, ich habe ja erst den Vertrag verlängert bis 2015.

Aber Sie können die Eintracht doch nächstes Jahr dank einer Ausstiegsklausel verlassen.

Wer sagt das?

Das ist doch ein offenes Geheimnis.

Aha. Ich werde zu Vertragsinhalten ganz sicher nichts sagen. Ein Vertrag ist vertraulich. Nur so viel: Ich habe meinen Vertrag verlängert, wir werden sehen, wie lange es bei der Eintracht geht. Ich habe auch vor der letzten Vertragsverlängerung betont, dass die Eintracht mein erster Ansprechpartner ist, und ich habe Wort gehalten. Ich will jetzt nicht versprechen, was in zwei Jahren sein wird. Man weiß im Fußball nie, was passiert. Aber die Eintracht bleibt mein erster Ansprechpartner. Wenn es zu einer vernünftigen Einigung von beiden Seiten kommt, umso besser. Aber es muss halt alles passen. Im Moment läuft alles super. Ich mache mir auch wenige Gedanken darüber, was in einem, zwei oder drei Jahren ist. Ich mache mir da gar keinen Stress.

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

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