Am Morgen nach der hochnotpeinlichen Testspielschlappe gegen die nicht als übermächtig bekannten Kroaten aus Osijek hat Michael Skibbe seine Mannschaft auf dem Übungsplatz in Hermagor im Halbkreis um sich geschart. Handgestoppte acht Minuten redete der Frankfurter Trainer auf seine schlappen Profis ein, er gestikulierte, ballte die Faust, zeigte nach Westen und nach Osten, ein paar Wortfetzen drangen sogar nach oben auf die Tribüne.
"Das geht nicht. Das geht nicht", hämmerte er seinen Spielern in den Kopf und ins Gewissen. Später, in der Lobby des Mannschaftshotels, sollte er ruhig und sachlich sagen: "Die zweite Hälfte des Spiels war Ernüchterung pur. Da sind wir wie Kaugummi auseinandergezogen worden. Das sind schon Alarmzeichen."
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Im Lager des Frankfurter Bundesligisten macht sich Ratlosigkeit breit, und womöglich hat Trainer Skibbe erst in diesen Tagen so richtig realisiert, auf was er sich da eingelassen hat. Der Wunsch nach Spektakel, nach Pressing, nach Offensivfußball ist ganz, ganz weit ins Abseits gedrängt worden. Die Aufbruchstimmung ist einer gewissen Ohnmacht gewichen.
Zurzeit geht es für den Trainer nur darum, eine Mannschaft aufzubauen, die halbwegs konkurrenzfähig in die Saison startet. Denn in der momentanen Verfassung ist Eintracht Frankfurt ein Abstiegskandidat. Auch Heribert Bruchhagen, der ausgerechnet jetzt im Zillertal in den Ferien weilt, ist alarmiert. "Natürlich bin ich beunruhigt", sagt er. "Das gefällt mir nicht."
"Das schreckt ziemlich auf"
Bei den Hessen stimmt zurzeit gar nichts, da greift kein Rädchen ins andere. Die Abwehr ist ein Torso, das Mittelfeld nicht vorhanden, das Offensivspiel lahmt, Hoffnungsträger Caio ist zwar leicht verbessert, aber alles andere als ein prägender Spielgestalter. Das Team ist nicht stabil, es ist beim 0:3 gegen die Mittelklasse-Kroaten in Halbzeit zwo "in die Einzelteile zerlegt worden" (Skibbe). Das hört sich alles nicht besonders gut an. Mehr noch. "Das schreckt ziemlich auf", findet auch der Trainer.
Der 43-Jährige hat für Donnerstagabend eine Taktikschulung an der Tafel angesetzt, weil ihm elementare Dinge aus dem Ruder zu laufen scheinen. Die Mannschaft habe nicht mehr miteinander gespielt, sondern jeder für sich. "Man darf auf keinen Fall die Ordnung verlieren. Das geht einfach nicht", betont er. "Das Zentrum muss immer dicht sein." Ist es aber nicht.
Skibbe will diese Missstände beenden, er schlägt andere, rauere Töne an. "Wenn jemand denkt, er kann machen, was er will, wenn sich jemand nicht an die Marschroute hält, dann muss er ausgesondert werden." Andernfalls, sagt der Trainer, "wird die Luft in der Bundesliga verdammt dünn."
Skibbe spürt gefährliche Strömungen innerhalb des zerbrechlichen Gebildes, er ist mit vielen Dingen nicht einverstanden auch außerhalb des Feldes. "Es sind einige Dinge, die mir aufgefallen sind. Und ich habe den Spielern gesagt, dass einige Verhaltensmuster ausgerottet gehören." Offenbar hat Eintracht Frankfurt auch noch ein Disziplinproblem. Skibbe sagt dazu: "Es geht hier auch um die Ein- und Unterordnung von Interessen."
Es wird Monate dauern
Im Grunde aber kann die missliche Lage der Eintracht nicht überraschen, die neue Mannschaft ist die alte, es ist die, die eine hundsmiserable Rückrunde spielte und mit Ach und Krach gerade noch den Abstieg verhinderte. Die Neuzugänge Maik Franz und Selim Teber sind sicher keine Heilsbringer, auch Caio ist es nicht. Weshalb also sollte diese Eintracht auf einmal anders, sogar besser spielen?
Von Pressing und Offensivfußball mal ganz zu schweigen. Zumal, wie so oft in letzter Zeit, wichtige Leistungsträger fehlen: Ioannis Amanatidis, Chris und Martin Fenin. "Der Druck von hinten fehlt", sagt Skibbe, der schon ein wenig zurückrudern muss: "Es dauert Wochen und Monate, bis es so klappt, wie ich es mir vorstelle." Wenn überhaupt.
Zu allem Überfluss ist ja auch der dringend benötigte defensive Mittelfeldspieler noch nicht verpflichtet. Der wird aber kommen. Irgendwann. "Aber ich verstehe nicht, dass sich jetzt alles auf den Sechser fokussiert", sagt Bruchhagen. Er habe in der jüngeren Vergangenheit einige Verträge mit Spielern zu verbesserten Konditionen verlängert, er nennt Patrick Ochs oder Marco Russ, und da könne er auch erwarten, dass sich "die Spieler verbessern. Sie sollen einfach ihre Leistung abrufen". Es sei schließlich nicht so, dass die Eintracht in der Vergangenheit "mit Laufkundschaft" angetreten sei.
Und um das Bild des Frankfurter Klubs abzurunden, kündigt der Vorstandschef schon mal ein Gespräch mit Torwart Markus Pröll an, der sich kritisch über Ex-Trainer Friedhelm Funkel geäußert hatte: "Wenn man denkt, man kann sich so über Herrn Funkel äußern, dann werde ich wild. Das lasse ich nicht zu." Eintracht Frankfurt im Sommer 2009 - ein Pulverfass.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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