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Eintracht Frankfurt
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02. Dezember 2012

Eintracht Frankfurt: Angst vor dem Absturz

 Von Thomas Kilchenstein
Marc-Oliver Kempf steht unter Welpenschutz.Foto: dpa

Die Frankfurter Eintracht leckt in einer schwierigen Saisonphase ihre Wunden, leidet an bekannten Problemen und sucht den Weg aus der Talsohle.

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Es war kalt am Samstagmorgen, als die schwer geschlagenen Eintracht-Profis nur knapp zwölf Stunden nach der ersten wirklich bitteren Klatsche dieser Saison, dem 0:4 in Düsseldorf, in Handschuhen und Mützen durch den Stadtwald liefen. Gut, dass Trainer Armin Veh zuvor „etwas Aufbauendes“ zur Mannschaft gesagt hatte. Danach ging’s in den grünen Tann, anschließend in die Zweitagefreizeit.

Krise? Welche Krise?

Der Fußball-Lehrer hat ein paar Streicheleinheiten verteilt, er wollte und musste die geknickten Kicker aufrichten. „Ich habe keine Sekunde daran gedacht, auf die Mannschaft draufzuhauen. Ich lasse auf sie nichts kommen, auch wenn sie noch fünfmal verliert.“ Er betrachte die Partie isoliert, spielentscheidend sei der Schiedsrichter gewesen, die Gelb-Rote-Karte für Karim Matmour überzogen. Es sei „ein richtig gebrauchter Tag“ gewesen. „Wieso soll ich da von einer Krise reden?“
Tatsächlich ist das Wort Krise angesichts von 15 gespielter Partien, 24 Punkten und Tabellenplatz fünf sicherlich nicht angebracht. Aber die latente Angst vor dem Absturz ist derzeit rund um Frankfurt mit Händen zu greifen. Und es gibt ein paar Dinge, die sollten hellhörig machen. Eintracht Frankfurt ist drauf und dran, den überragenden Eindruck aus dem Sommer und Herbst zu verwischen. Klar: Das ist der Fluch der guten Tat. Kein Mensch hätte vor der Saison mit derart furiosen Darbietung gerechnet, wie sie die Eintracht zunächst gezeigt hatte. 24 Punkte nach 15 Spieltagen hätte jeder beim Aufsteiger dankend angenommen. Doch die teilweise brillanten Auftritte weckten Erwartungen, womöglich überzogene. Das internationale Geschäft war ja zeitweise schon thematisiert worden. Und wenn dann der Normalfall eintritt, fühlt es sich schlechter an, als es ist. Die Leichtigkeit ist dahin, was einst so einfach aussah, wirkt nun plötzlich wie harte Maloche.

Grundsätzlich aber hat sich an der Marschrichtung nichts geändert: „Ich habe nur einen Auftrag: die Klasse zu halten“, sagt Armin Veh. Er hat nie etwas anderes behauptet. „Unsere Aussagen waren immer gleichbleibend“, ergänzt Vorstandschef Heribert Bruchhagen. 40 Punkte waren stets die Vorgabe, davon wich keiner aus der sportlichen Führung bislang auch nur ein Jota ab. Auch nicht in der Phase, als die Eintracht bis auf Rang zwei geklettert war.

"Schwere Situation"

Veh spricht aktuell von einer schwächeren Phase, Klubchef Bruchhagen von einer „ziemlich schweren Situation“. Veh weiß um die Brisanz. „Die Bundesliga ist gefährlich. Man darf nichts unterschätzen. Wir haben zu wenig Siege.“ Und der Trend ist gegenwärtig kein Freund der Eintracht. Ein Punkt und 2:8 Tore lautet die Bilanz der jüngsten drei Spiele. Entsprechend groß ist die Sorge im Umfeld, der Aufsteiger könnte nach unten durchgereicht werden. Die Hessen sind gebrannte Kinder. Sie sind nach 26 Punkten in der Vorrunde schon mal abgestiegen. Veh lässt diesen Einwand nicht gelten. Er mag keine Parallelen zu jener Mannschaft aus der Saison 2010/11 ziehen.
Da hat er recht: Heute steht eine andere Mannschaft auf dem Platz. Eine, die sich wehrt, die lebt, die einen guten Charakter hat und „eine super Moral“, wie auch Alexander Meier findet. Noch vor zehn Tagen spielte die Eintracht Champions-League-Teilnehmer Schalke 04 eine Halbzeit lang an die Wand. Also: „Wir sollten nicht nervös werden.“
Aber die Sache auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Fest steht: Bei Eintracht Frankfurt, dem Aufsteiger, müssen immer alle 100 Prozent Leistung abrufen. Dann haben die Hessen eine richtig gute Mannschaft, dann können sie diesen begeisternden Offensivfußball aus der Anfangsphase der Saison spielen, als mancher, getragen von der Welle, deutlich über seinem Limit agierte. Gelingt das nur unwesentlich schlechter, wird es schwierig, fallen gar Leistungsträger aus (wie in Düsseldorf Pirmin Schwegler, Carlos Zambrano und Bamba Anderson), bricht das ganze feine Konstrukt zusammen.

Dann tritt in aller Deutlichkeit zutage, wo es im Frankfurter Ensemble vor allem hakt: ganz vorn und ganz hinten. Das war von Anfang an bekannt, diese Defizite konnten bislang aber ziemlich gut kompensiert werden. Nun fallen sie brutal ins Gewicht. Bamba Anderson wird bis mindestens zur Rückrunde ausfallen, für ihn gibt es derzeit keinen Ersatz. Die Abwehr ist die große Achillesferse der Mannschaft. Nur die TSG Hoffenheim (36) hat mehr Gegentore kassiert als die Eintracht (26). „Wir fressen viel zu leicht die Tore“, moniert Veh.

Forderung nach neuem Innenverteidiger

Marc-Oliver Kempf, der A-Jugendliche, hat gegen Mainz und Düsseldorf viel Lehrgeld zahlen müssen, ihm werden noch am wenigsten Vorwürfe gemacht. Vadim Demidov allerdings, im Sommer übereilt verpflichtet, hat den Beweis erbracht, nicht bundesligatauglich zu sein. Ganze sechs Einsätze hatte der Norweger bislang. Ist es nur Zufall, dass fünf der sechs Spiele verloren gingen und das sechste unentschieden endete? Auch wenn Carlos Zambrano am kommenden Samstag gegen Werder Bremen wieder ins Team rückt: Veh erneuerte am Wochenende seine Forderung nach einem zusätzlichen Innenverteidiger. „Ohne Abwehr gewinne ich nichts. Wenn du weißt, du bist hinten unsicher, gehst du vorne auch nicht ins Risiko, dann bist du vorne auch nicht sicher. Diese Konstellation hatte man in Frankfurt schon mal.“ Ein bissiger Hinweis. In der Abstiegssaison hatte man geglaubt, den Ausfall von Aleksandar Vasoski, Maik Franz und Marco Russ irgendwie überbrücken zu können. Eine folgenschwere Fehleinschätzung, wie man längst weiß. Und Veh kann die Lücke hinten zentral nicht mal vorübergehend mit defensiven Mittelfeldspielern stopfen. Improvisieren muss er schon im Sturm. Olivier Occean, 31, Vertrag bis 2015, ist völlig von der Rolle, Matmour wieder gesperrt, bleiben Erwin Hoffer und Stefan Aigner als Alternative im Angriff. Furchteinflößend für Gegner ist das nicht.

Die Lage ist also noch nicht ernst, aber angespannt. Zwei weitere Niederlagen am Ende der Runde würden atmosphärisch voll ins Kontor schlagen. Der letzte Eindruck wäre kein guter. „Wir müssen sehen, dass wir gegen Bremen was machen“, sagt Sportdirektor Bruno Hübner bedeutungsschwanger. Es könnte sonst ungemütlich werden.

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