Vorsorglich hatte das Funktionsteam der Frankfurter Eintracht einen ganzen Sack rosafarbener Bälle zum ersten echten Training der Woche eingepackt. Der kolossale Wintereinbruch, der Frankfurt und Umgebung eine massive Schneedecke bescherte, schien Fußball unter regulären Bedingungen und mit einem weißen Spielgerät eher nicht zuzulassen. Doch selbst Armin Veh staunte nicht schlecht, als er um kurz nach halb elf den Trainingsplatz vor der Wintersporthalle betrat. Eine grüne Oase begrüßte die Profis, eine perfekte Spielwiese − inmitten einer imposanten Winterlandschaft. Die Rasenheizung und emsige Helfer hatten dem Schnee keine Chance gelassen. „Respekt, die Jungs waren fleißig“, lobte Trainer Veh.
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Die rosaroten Bälle kamen dennoch zum Einsatz. Alexander Meier, seit sieben Spielen ohne Tor (zu Unrecht aberkannte Treffer wie in Hannover nicht mitgezählt), schoss einen auch gleich mal locker ins Tor, auf der anderen Seite traf sogar Olivier Occean, seit 22 Partien ohne persönlichen Erfolg, ins Schwarze. Das kommt selbst im Training eher selten vor. Occean spielt bei Veh keine Rolle mehr, spätestens im Sommer ist für ihn sowieso Schluss in Frankfurt.
Das Problem: Auch die anderen Stürmer zünden nicht so wirklich, in Wahrheit hat der Coach sowieso nur noch einen Angreifer, der diesen Namen verdient hat: Srdjan Lakic. Der Kroate ist der letzte Eintracht-Torschütze, die älteren werden sich erinnern, es war vor 504 Minuten, als Lakic in seinem ersten Spiel für die Hessen den Ball zum 2:0 in Hamburg ins Netz köpfte. Auch den ersten Treffer hatte der aus Wolfsburg gekommene 29-Jährige schon beigesteuert. Seitdem ging es für die Eintracht und ihn bergab. In Hannover etwa wurde er in der 90. Minute eingewechselt, da blieb nicht viel Zeit, um noch Bäume auszureißen. Lakic hat an Stellenwert eingebüßt. Das liegt in erster Linie an seinem maladen Rücken, der ihn akut nach dem Spiel in Dortmund Mitte Februar. „Er kann noch gar nicht so weit sein“, sagte Veh, dem Angreifer fehle vor allem die Spielpraxis. Als der Coach am Mittwoch gefragt wurde, ob der Mittelstürmer für die mal wieder wegweisende Begegnung am Sonntag gegen den kriselnden VfB Stuttgart eine Option sei, verzog Veh erst das Gesicht, ehe er sein Pokerface aufsetzte. „Er ist einsatzfähig“, sagte er knapp.
Weg mit den Fesseln
Doch so richtig scheint er dem Braten nicht zu trauen. „Am Ende ist es eine Gefühlssache, ob ich ihn in den Rhythmus bringe oder nicht.“ Der Fußballlehrer weiß, dass sich bei dieser Argumentation die Katze in den Schwanz beißt: ohne Spielpraxis keine Einsätze − ohne Einsätze keine Spielpraxis. Aber er könne ja nicht im Blick haben, was in vier Wochen für die Mannschaft das Beste sei. Er müsse beurteilen, was momentan ein probates Mittel sei, um wieder Tore zu schießen und Spiele zu gewinnen. „Ich werde die Mannschaft aufstellen, von der ich glaube, dass sie den VfB schlagen kann“, sagte Veh. Müsste er sich heute entscheiden, würde Lakic wohl wieder draußen sitzen. Veh will die nächsten Trainingstage aber abwarten. Lakic selbst fühlt sich fit, er arbeite abseits des Platzes an der Rückenstabilisation. „Es geht immer besser.“
Freude vs Frust: Der VfB Stuttgart feiert nach dem Schlusspfiff den 2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt.
Foto: Bongarts/Getty ImagesDie Frage wird sein, ob der Trainer seine Mannschaft wieder im alten Erfolgssystem mit einer echten Spitze agieren lässt (das wäre dann wohl Karim Matmour) oder ob er es bei der zuletzt praktizierten Raute samt zwei Angreifern belässt. Mit dieser Ausrichtung spielte die Eintracht gefällig, sie ist nicht mehr so leicht auszurechen, allerdings geht ihr auch die Entschlossenheit und Konsequenz im Spiel nach vorne ab. Es gibt sowieso viele in Frankfurt, die sich wünschen, dass die Eintracht ihre taktischen Fesseln wieder ablegt, darauf pfeift, ob sie hinten besser steht, dafür wieder diesen riskanten Offensivpowerfußball bietet. So einfach scheint es nicht zu sein. „Wir haben seit der Winterpause nichts anders gemacht. Wir versuchen doch genauso zu spielen wie in der Hinrunde“, sagte Alex Meier. Es klappt halt nur nicht mehr so.
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