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Eintracht Frankfurt
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21. Januar 2013

Eintracht Frankfurt: Böller zur Unzeit

 Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Kevin Trapp gegen Leverkusens Kießling.Foto: Bongarts/Getty Images

Eintracht Frankfurt hat beim 1:3 in Leverkusen anfangs alles im Griff und wird von den eigenen Leuten krachend aus der Spur gebracht.

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Wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, wären nach einer Viertelstunde keine Silvesterraketen aufs Spielfeld geflogen, hätte Schiedsrichter Wolfgang Stark nicht wegen des Abbrennens von Pyrotechnik und des Werfens von Böllern dieses Spiel für sieben Minuten unterbrochen. Womöglich hätte Bayer Leverkusen nicht mehr zurück in die Spur gefunden. Man weiß es nicht, aber hinterher, als die Werkself das Spitzenspiel Zweiter gegen Vierten Eintracht Frankfurt mit 3:1 (2:0) für sich entschieden hatte, räumte Bayer-Trainer Sascha Lewandowski schon ein, dass ihm die Unterbrechung ganz gut in den Kram gepasst hatte. „Da konnten wir noch was korrigieren.“ Auch Stefan Kießling, der Schütze zum 2:0, war nicht unfroh über die − von Frankfurter Chaoten von außen provozierte − Auszeit. „Da haben wir uns besprechen können.“ Das Feuerwerk unter freiem Himmel spielte den Gastgebern indirekt in die Karten.

Tatsächlich war in den ersten 15 Minuten wenig bis nichts zu sehen gewesen von Leverkusener Spielkunst. Eintracht Frankfurt, der freche Aufsteiger, bestimmte Rhythmus und Tempo der Partie, schien nahtlos an die Leistung der formidablen Hinserie anzuknöpfen. Selbst nach der Pyroshow waren die Hessen noch auf der Höhe − wenn auch schon nicht zu übersehen war, dass „das Spiel am Kippen war“, wie Kapitän Pirmin Schwegler später zusammenfasste. „So eine Pause wünscht man sich nicht.“ Danach fanden die Frankfurter irgendwie nicht mehr richtig zurück.

Achillesferse Defensive

Und doch waren die Gäste 25, 30 Minuten, wie Trainer Armin Veh korrekt wiedergab, „die aktivere Mannschaft“. Doch die Feldüberlegenheit mündete nicht in klare Torchancen und in Treffer schon gar nicht, einmal köpfte Takashi Inui vorbei − eine ernsthafte Möglichkeit war das aber nicht. Und dann entschieden zwei Aktionen binnen knapp 120 Sekunden diese Begegnung, ja drehten sie komplett. Zunächst legte Neuzugang Marco Russ nach einem Eckball dem Leverkusener Torschützen Sebastian Boenisch die Kugel perfekt auf den Fuß (31.), dann sprang Pirmin Schwegler keine Minute später unter einem langen Ball hindurch, André Schürrle passte exakt in die Frankfurter Schnittstelle und Gonzalo Castro hatte keine Mühe mehr, Kießling fußgerecht aufzulegen − 0:2, die Partei war gegessen. „Der Doppelschlag war spielentscheidend“, sprach Russ das Offensichtliche aus. „Das schnelle 0:2 war tödlich für uns“, sagte Trainer Veh nach den beiden Toren „aus heiterem Himmel“.

Das Spiel stand nun unter anderen Vorzeichen: Bayer Leverkusen, eben noch verkrampft und ideenlos, drehte auf, verdiente sich erst in der Folgezeit die Führung. Und im selben Maß, wie Leverkusen wuchs, schrumpfte die Eintracht − nichts ging mehr. Dann zeigte die Werkself ihre Klasse. Immerhin gab sich die Eintracht nicht auf, selbst nach Schürrles 3:0 (58.) nicht, der Lohn war der Treffer durch Alexander Meier zum 1:3 per feinem Schlenzer (78.). „Das ist eine gute Eigenschaft“, lobte Armin Veh den nimmermüden Willen der Hessen. „Es war ein kleiner Rückschlag gegen eine gute Mannschaft“, sagte Schwegler.

Ein kleiner Rückschlag also. Einer, der nicht wirklich wehtut, gegen Leverkusen kann man verlieren. Auch Veh war nicht sonderlich enttäuscht. Und doch hat auch er ein paar Dinge gesehen, sehen müssen, die ihm nicht gefallen haben können. Etwa die fehlende Form der Leistungsträger Meier, Schwegler, Sebastian Rode und Inui, die kaum ins Spiel fanden und nicht das abrufen konnten, zu dem sie ansonsten in der Lage sind und was die Eintracht braucht, um Erfolg zu haben. Dadurch blieb das Frankfurter Spiel weitgehend blutleer.

Erneut wurde klar: Im Sturm herrscht die pure Harmlosigkeit. Karim Matmour schoss nicht einmal aufs Tor, der eingewechselte Olivier Occean traf immerhin einmal den Pfosten. Das ist dann nicht problematisch, wenn das offensive Mittelfeld für die notwendigen Treffer sorgt. Meier, der trotz einer schwächeren Partie sein bereits zwölftes Saisontor erzielte, Inui auch Stefan Aigner haben ja oft genug bewiesen, dass sie jederzeit in der Lage sind, Tore zu schießen. Nur: Wenn sie nicht treffen, geht gar nichts. Und dann verliert die Eintracht eben ein Spiel.

Schließlich: Nach wie vor ist die Defensive die Frankfurter Achillesferse: Marco Russ hat im Kern ordentlich gespielt, doch sein Patzer brachte die Leverkusener auf die Siegerstraße. Carlos Zambrano spielte bis zu seinem Ausscheiden bärenstark. Er hat sich nach einem Foulspiel von Daniel Carvajal eine Prellung des Sprunggelenks zugezogen. Noch am Sonntagmorgen war der Fuß derart dick geschwollen, dass an Autofahren nicht zu denken war. Marco Russ, der sich ebenfalls eine Prellung, allerdings eine leichtere, am Fußzeh zugezogen hatte, musste den peruanischen Innenverteidiger gar gestern Morgen zum Arzt kutschieren. Ob Zambrano bis nächsten Samstag wieder fit ist, ist noch ungewiss.

Auch das defensive Mittelfeld ließ den Leverkusenern viel zu viel Platz. Die Räume waren zu groß, in diese Löcher waren die in der Offensive sehr starken Gastgeber immer wieder hineingestoßen. Zudem: Die Eintracht offenbarte dieses Mal eine erstaunliche und lange nicht mehr gesehene Schwäche bei hohen Bällen − trotz Meier, Russ und Zambrano.
Und doch sieht Trainer Veh nicht den geringsten Anlass, nervös zu werden oder gar irgendetwas zu ändern. „Wir werden unser Spiel immer so durchziehen, selbst wenn es Rückschläge gibt.“ Er hat ja im Prinzip auch gar keine andere Wahl, als sein Heil in der Offensive zu suchen, weil in der Defensive alles möglich ist. „Du musst immer schauen, wo du herkommst.“

FR-"Volltreffer" vom 20.01.2013
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