Nach der 0:2-Pleite in Bochum hat es eine Hundertschaft Eintracht-Fans nicht einmal geschafft, die Abfahrt des Frankfurter Mannschaftsbusses zu blockieren. Das war das Ziel des Mobs. Dummerweise postierten sich die aufgebrachten Anhänger an der falschen Ausfahrt - und mussten unverrichteter Dinge ihres Weges ziehen. Bei Eintracht Frankfurt, dieser Schluss liegt nahe, klappt momentan auch gar nichts. Dass die Fans sauer waren auf das zuvor Gebotene, hatte die Mannschaft schon auf dem Platz gespürt: Als sich die Spieler nach dem Schlusspfiff bei den Fans in der Kurve bedanken wollten, wurden sie ohrenbetäubend laut ausgepfiffen; auf dem Absatz kehrten die Spieler sogleich wieder um.
Die Hessen haben trotz der Pleite im Ruhrpott das Minimalziel erreicht und die Klasse gehalten, weil die Konkurrenz ebenfalls verlor. Doch mehr gute Nachrichten gibt es nicht. Die Stimmung ist nahe am Gefrierpunkt, feindselig und aggressiv. Die "Funkel-raus"-Rufe gehören mittlerweile zum schlechten Ton. Und tatsächlich scheint die Zukunft des 55-Jährigen in Frankfurt trotz eines Vertrages bis 2010 unklarer denn je.
Ausgerechnet Vorstandschef Heribert Bruchhagen öffnete Spekulationen Tür und Tor. "Wir haben in den vergangenen fünf Jahren immer neue Wellen auf uns zurollen sehen, aber wir neigen nicht zu Spontanität, sondern handeln stets mit Augenmaß", sagte er. Bruchhagen räumte allerdings ein, dass "der Druck immens" sei. Und er konnte sich nicht zu einem klaren Bekenntnis pro Funkel durchringen. "Wir handeln nach den Gesetzen der Bundesliga. Wir werden nach 34 Spieltagen besonnenen nachdenken und dann entscheiden, was für Eintracht Frankfurt richtig ist." Nach einer Jobgarantie hört sich das nicht an.
Funkel fühlt sich dennoch so sicher wie in Abrahams Schoß. Auf die Frage, ob er glaube, dass der Eintracht-Vorstand in der Trainerfrage die Ruhe bewahre, sagte er nur: "Diese Frage brauche ich gar nicht zu beantworten. Ich habe 100-prozentige Rückendeckung."
Wenn er sich da mal nicht täuscht. Eintracht Frankfurt stehen extrem heiße Tage bevor. Ein weiteres verlorenes Heimspiel gegen den HSV am 34. Spieltag kann sich der Klub, kann sich Bruchhagen, kann sich Funkel fast nicht mehr leisten. Und am 25. Mai trifft der Aufsichtsrat mit dem Vorstand zu einer Sitzung zusammen. Im Kontrollgremium sitzen einige Funkel-Gegner, die den unbeugsamen Trainer lieber gestern als heute in die Wüste geschickt hätten.
Funkel versuchte auch jetzt noch, den Frankfurter Absturz zu erklären, er sprach von den vielen Verletzten, den viele Rekonvaleszenten, davon, niemals mit seiner Wunschelf oder auch nur zweimal mit der gleichen Mannschaft gespielt haben zu können. Und er sprach nun, erstmals, von Substanzverlust: "Das spüre ich schon seit Wochen im Training."
Doch derlei Erklärungen will in Frankfurt im erhitzten Mai 2009 niemand mehr hören. Die Leute sind für sachliche Argumente nicht mehr empfänglich. Der Misserfolg zieht eine Eigendynamik nach sich, die sich von Woche zu Woche potenziert. Auch, weil die Rückrunde so gewaltig missriet: 14 Punkte nur, ganze drei Siege, lediglich 14 Tore erzielt, mit Cottbus die meisten Gegentore kassiert, dazu drittschlechteste Rückrundenmannschaft. Die Leute haben genug von der Tristesse, über den Klassenerhalt mochte sich niemand freuen. "Das ist Normalität, dass wir die Klasse halten. Früher hätte man sich in Frankfurt darüber gefreut. Jetzt gibt es hier nicht zu erfüllende Erwartungen", sagte Funkel und schloss: "Wir waren wohl zu erfolgreich." Doch es scheint, als könne Funkel sagen, was er wolle. Die Fans wollen Köpfe rollen sehen. In erster Linie den von Trainer Funkel.
Auch an ihm, dem Sündenbock, dem Blitzableiter, zehrt die Misere: Nach dem Abpfiff stauchte er einen Reporter in nie gehörter Schärfe und Lautstärke zusammen. Funkel sieht sich als Prellbock, er kann nicht verstehen, weshalb sich der geballte Zorn auf ihn fokussiert. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen und ich habe keinen Grund, mich zu verteidigen."
Diese Saison, das steht fest, ist völlig verkorkst. "Es ist erbärmlich, mit 33 Punkten die Klasse zu halten", polterte Kapitän Ioannis Amanatidis, der nach siebenmonatiger Verletzungspause ein kurzes Comeback feierte. "Das spricht für die Schwäche der Liga." Es spricht aber vor allem für die Schwäche von Eintracht Frankfurt. "So eine Leistung ist unentschuldbar", sagte Frankfurts Bester, Torwart Markus Pröll. An diesem Samstag tat die Mannschaft nichts dazu, die scheinbar heillos vergiftete Atmosphäre zu entspannen. Willfährig ergab sie sich ihrem Schicksal, da nutzte auch nichts, dass es gegen eine Elf auf Augenhöhe ging, wenigstens gegen die sah die Eintracht zuletzt gut aus. Dieses Mal gelang selbst das nicht.
"Das ist oftmals Unfähigkeit", moserte Amanatidis. "Vielleicht ist der eine oder andere nicht geeignet. Nicht jeder hat alles gegeben. Im Training haut sich jeder rein. Wenn es dann zählt im Spiel, dann verpissen wir uns. Das ist einfach zu wenig." Vor allem Markus Steinhöfer lieferte eine unterirdische Leistung ab, dennoch durfte er volle 90 Minuten dilettieren. Das verstehe, wer will.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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