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Eintracht Frankfurt
Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zu Eintracht Frankfurt

07. Dezember 2012

Eintracht Frankfurt: Das Zugpferd sucht neue Wege

Wohin des Weges, Attila?Foto: imago

Wie Eintracht Frankfurt den Klassenkampf dauerhaft verhindern will und was der regional starken Marke dabei helfen könnte.

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Ingo Durstewitz –  

Fünf Punkte aus den vergangenen sieben Spielen, nur ein Sieg, gegen das Kellerkind aus Augsburg. Die Frankfurter Himmelsstürmer sind erst einmal wieder gelandet, zurück in der Realität der Bundesliga. Für die Mannschaft von Trainer Armin Veh geht es nun darum, eine gute Hinserie zu einem sehr guten Abschluss zu bringen. Zwei Spiele bleiben, um die Weichen zu stellen. Und womöglich doch Träume von internationalen Festspielen blühen zu lassen. Die konzeptionelle Planung würde eine – vor der Saison natürlich niemals in Erwägung gezogene – Teilnahme am Europapokal sehr viel einfacher machen. Denn in vielen Bereichen stößt der Verein an seine Grenzen, da sind Steigerungspotenziale ausgereizt. Die FR beleuchtet, wie die Fußball-AG versucht, dem ewigen Klassenkampf zu entkommen und sich nach oben zu robben.

DIE MARKE EINTRACHT

In der Region ist die Diva von einst ein Premiumprodukt, im Rhein-Main-Gebiet und auch in Hessen ist die Eintracht ein Zugpferd mit großer Strahlkraft, der Klub ist en vogue, längst in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen. Es ist schick, zur Eintracht zu gehen, wer mit der Eintracht wirbt, ist auf der sicheren Seite, die Sponsoren stehen Schlange. Da ist kaum mehr Rahm abzuschöpfen. Auch international, befindet Finanzchef Axel Hellmann, genieße die Eintracht durch viele glanzvolle Auftritte in der Vergangenheit bis heute einen guten Ruf. Nur bundesweit lässt ihr Renommee zu wünschen übrig, das liegt nicht nur an ihren Problem-Fans. Überregional wird die Eintracht so ein bisschen als langweilig und wenig prickelnd wahrgenommen, als stinknormaler Bundesligist, der im Mittelfeld landet, wenn es gut läuft – und absteigt, wenn es weniger gut läuft. Die furiosen Auftritte und die vielen fetten Schlagzeilen zu Saisonbeginn haben dem Klub daher sicherlich gut getan. Die Frankfurter sehen sich im Bundesligavergleich gut aufgestellt. „In der Vermarktung und der Sky-Abo-Tabelle liegen wir auf Rang sieben“, sagt Hellmann. „Das zeigt die Potenziale, die wir haben.“ Der Verein wird sich auch den Wegen nicht mehr verschließen, die schon viele andere Klubs gehen: Das Eintracht-TV ist für die nächste Saison geplant. In welcher Form auch immer. „Wir werden Bewegtbild anbieten“, sagt Hellmann.

HAUPTSPONSOR

Die Eintracht hat den Höhenflug zu Saisonbeginn genutzt, um schon einmal die Fühler nach einem neuen Trikotsponsor auszustrecken. In einem guten halben Jahr geht der erst im Sommer präsentierte Geldgeber Krombacher schon wieder von der Brust. Das war bei Vertragsabschluss so vereinbart. Die Eintracht ist heilfroh, die Brauerei als Unterstützer gewonnen zu haben, das Unternehmen bleibt als werthaltiger Premium Partner weitere fünf Jahre erhalten. Die Verantwortlichen hatten im Sommer dieses Jahres lange verhandelt, ehe der Deal in trockenen Tüchern war. 5,5 Millionen Euro zahlt Krombacher für diese Spielzeit. Das ist eine Menge Geld. Ohne diesen Abschluss, bedeutet Hellmann, hätte die Eintracht zwei Spieler nicht holen können – „über Vertragsverlängerungen von Rode oder Jung hätten wir andernfalls erst gar nicht nachdenken brauchen“. Der Hauptsponsor sei „das A und O für den Kaderausbau“, wie der Vorstand erläutert. Er bietet die Sicherheit, die Gewährleistung, einen Sockelbetrag, der nicht an weiche Faktoren oder sportlichen Erfolg gebunden ist, sondern fest taxiert wurde. Die Eintracht sondiert derzeit in Ruhe den Markt. „Es gibt Nachfragen“, berichtet der Jurist. „Aber gerade in dieser Frage ist ein Schnellschuss nicht wichtig.“

FERNSEHGELD

Hellmann hebt die „überragende Bedeutung“ der TV-Einnahmen hervor. Er sieht im Fernsehgeld den einzigen gangbaren Weg, um mehr Euro in den Kader pumpen zu können, mehr Qualität zu gewinnen und den Etat auf bis zu 40 Millionen Euro anheben zu können. Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Klassement weiter nach oben katapultiert zu werden, sicherlich nicht nach ganz oben, denn die ersten Vier spielen wirtschaftlich „auf einem anderen Stern“, wie Hellmann sagt. Das Fernsehgeld ist deshalb so wichtig, weil es „provisionsfrei“ in den Spielerkader fließt. Es ist eng an sportlichem Erfolg gekoppelt, der Abstieg 2011 warf die Eintracht weit zurück, von Rang zwölf auf 19. Zurzeit rangieren die Frankfurter auf Platz 15, die TSG Hoffenheim und auch der VfL Wolfsburg sind in dieser Spielzeit noch in Reichweite. Da geht es um bares Geld: Ein Platz ist eine Million Euro wert. Ein gutes Abschneiden in dieser und gerade in der nächsten Spielzeit ist enorm wichtig, denn in der Fernsehgeldwertung zählt diese Runde vierfach, die nächste sogar fünffach. „Das TV-Geld ist entscheidend, wenn wir die Plätze zwischen fünf und neuen anpeilen wollen“, betont Hellmann. Anleihen, Kredite oder „Initialfinanzierung von außen“, wie er es nennt, schließt Hellmann aus. „Das ist ein Vabanque-Spiel. Ich bin nicht begeistert, so etwas zu tun.“ Immerhin: Nach dieser Saison läuft die Rückzahlung des ISPR-Kredits aus, letztmals zahlt die Eintracht 2,2 Millionen Euro. Dann ist diese Altlast passé.

DAS STADION

Die Arena im Stadtwald ist ein Schmuckkästchen, die Stimmung bei den Heimspielen ist sicherlich mit am besten in der Bundesliga. Doch die Eintracht profitiert ihrer Ansicht nach zu wenig vom Gesamtumsatz. Es ist bekannt, dass von jedem Euro, den sie durch das Stadion einnimmt, nur etwa 35 Cent hängenbleiben. Zwischengeschaltet sind Vermarkter Sportfive und der Stadionbetreiber, an beide ist Eintracht vertraglich bis 2020 gebunden. Die finanziellen Abflüsse der Eintracht „sind für die Bundesliga deutlich zu hoch“, sagt Hellmann. Die Stadionmiete beläuft sich in der Bundesliga auf knapp zehn Millionen Euro. An den Namensrechten der Arena partizipiert die Eintracht übrigens nicht, die Commerzbank überweist für das zehnjährige Namensrecht (das bis 2015 läuft) rund 30 Millionen Euro an die städtische Stadionbetreibergesellschaft. Der Eintracht-Vorstand um Heribert Bruchhagen und Hellmann ist mit der Stadt längst in Gesprächen, ob es Möglichkeiten gibt, den Verein ein wenig zu entlasten. Die fest fixierte Stadionmiete sei da nicht vordringlich, „und wir wollen nicht die Welt auf den Kopf stellen“, betont der 41-jährige Hellmann. Es gehe vielmehr um einen „Katalog an Themen“, etwa um neue Verteilungsschlüssel. „Das ist ein dickes Brett, das wir bohren.“ Aber die Bereitschaft der anderen Seite sei klar zu erkennen. Hellmann sieht die Eintracht aktuell bereits um einen „deutlichen sechsstelligen Betrag“ entlastet. Das ist ein Anfang.

SPIELERVERKÄUFE

Der Finanzvorstand glaubt nicht, dass es die Eintracht schaffen wird, Spieler zu halten, die von Topklubs umworben werden. „Um das anzunehmen, müsste ich naiv sein. Das bin ich nicht.“ Der Rechtsanwalt geht noch einen Schritt weiter, wenn die Eintracht es auf anderem Wege nicht schaffe, ihre Erlöse zu erhöhen, dann müsse sie dazu übergehen, „Spieler zu entwickeln, mit dem klaren Ziel, sie zu veräußern. Das muss uns öfter gelingen.“ Hellmann spricht, wie er betont, nicht von aktuellen Profis wie Sebastian Rode oder Sebastian Jung. Beide möchten die Frankfurter binden. Ob das gelingt? Jung hat für den kommenden Sommer eine Ausstiegsklausel, Rodes Kontrakt endet ein Jahr später. Vorstandschef Bruchhagen hat sich schon klar positioniert: Vorher werde Rode definitiv nicht verkauft. Aber wird das Juwel auch in Frankfurt verlängern? Da sind Zweifel zumindest angebracht, an der finanziellen Ausstattung des Eintracht-Angebots werde es jedenfalls nicht scheitern, glaubt Hellmann. „Ich denke, damit ist er schon zufrieden.“ Vielleicht würde auch hier eine europäische Episode die Türe öffnen.

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