Die Spekulationen und Gerüchte um den aktuellen Frankfurter Fußballtrainer Armin Veh treiben schon seltsame Blüten. Mittlerweile wird jeder Satz, den der 52-Jährige von sich gibt oder der über ihn gesprochen wird, auf die Goldwaage gelegt, gedreht und gewendet, interpretiert und auseinandergenommen. Mittlerweile reklamieren Menschen aus der Ferne die Deutungshoheit für sich, zuletzt etwa schloss der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld aus sicherer Distanz: „Es spricht einiges dafür, dass er nicht in Frankfurt bleibt.“ Denn: „Er hätte schon längst unterschreiben können. Das hätte viele Vorteile − auch für die Mannschaft.“
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Spätestens als der Kapitän dieser Mannschaft, der Schweizer Nationalspieler Pirmin Schwegler, nach der Nullnummer von Hannover auf die Frage nach einem möglichen Verbleib des Trainers offen antwortete: „Ich habe kein gutes Gefühl“, da war für viele die nächste Diskussionswelle losgetreten. Schwegler musste sich anderntags gar beeilen zu sagen, er habe keinen Wissensvorsprung, sondern nur von einem Gefühl gesprochen. Und Armin Veh erklärte, er verspüre überhaupt keine Neigung dazu, sich jeden Tag zu diesem leidigen Thema zu äußern. Er verwies einmal mehr auf die zu erreichenden 40 Punkte, jene magische Marke, die einfach nicht purzeln will und die Schwegler mittlerweile schon einigermaßen „blöd“ findet. Verständlicherweise. Am Sonntag nach dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart soll es so weit sein, dann werden der Trainer und die Verantwortlichen in die Verhandlungen einsteigen. Oder ist die Entscheidung schon gefallen?
Veh bleibt distanziert
Als sicher gilt das große Interesse des FC Schalke 04, wo Vehs Kumpel aus gemeinsamen Stuttgarter Tagen die sportlichen Geschicke lenkt: Horst Heldt. Der Schalker Manager buhlt um die Gunst des Meistertrainers, aber hat er ihn tatsächlich schon rumgekriegt? Haben die beiden Freunde Stillschweigen vereinbart, um keine unnötige Unruhe in die Vereine zu tragen? Oder ist Veh noch am Zögern und Zaudern, weil er die Möglichkeiten in Frankfurt erst noch ausloten will? Zudem wird auf Schalke ja auch mit jedem Sieg von Jens Keller die Situation nicht einfacher. Denn einen erfolgreichen Trainer setzt man nicht leichterhand vor die Tür.
Die ganze Angelegenheit rund um Armin Veh, so viel steht fest, ist eine vertrackte. Der Trainer selbst weiß das auch.
Denn klar ist auch, dass die Zeit drängt, es muss jetzt bald eine Entscheidung fallen oder zumindest eine Tendenz erkennbar sein – egal in welche Richtung. Denn die Diskussion um die Zukunft des Trainers nimmt schon jetzt zu großen Raum ein in Frankfurt, sie wird abfärben auf die Mannschaft, die schon jetzt fast täglich damit konfrontiert wird. Die Debatte ist aber nicht aufzuhalten, so lange es kein Bekenntnis oder eine klare Aussage gibt. Um die hat sich der Fußballlehrer bisher gedrückt. Zum einen, weil eben jene 40 Punkte noch nicht erreicht sind, zum anderen, weil er vom Verein eine klare Perspektive aufgezeigt haben will. Sollte die Eintracht sich scheuen, ein höheres Risiko einzugehen, würde Vehs Zeit am Main im Sommer enden. Der Vorstand hat freilich schon signalisiert, an die Grenze des Machbaren zu gehen. Aber ob das reicht?
Veh hat, seit Ende Dezember erstmals die Gerüchte aufkamen, das Schalker Interesse nie dementiert, er äußert sich dazu nicht. Nur einmal, als die Meldung auf dem Markt war, er habe einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen, schritt er energisch ein: „Ich muss nicht jeden Mist kommentieren.“ Mittlerweile liest man bei Veh auch zwischen den Zeilen. Als vor einer Woche die Verpflichtung von Jan Rosenthal bekannt gegeben wurde, kommentierte er betont nüchtern. „Da kann man Eintracht Frankfurt nur gratulieren, so einen erstklassigen Spieler bekommen zu haben. Ob ich dann noch hier bin, ist eine ganz andere Frage.“ Das hörte sich schon arg distanziert an.
Die Personalpolitik, das machte er schon immer klar, treibe er zugunsten des Vereins und unabhängig von seiner Zukunft gemeinsam mit Sportdirektor Bruno Hübner voran. „Wir sind ja befreundet, und ich will nur das Beste für den Verein. Da geht es nicht darum, ob ich noch da bin oder nicht.“ Ob Veh seinen Abgang vorbereitet? Der Augsburger sieht es ohnehin als relativ normalen Vorgang, sollte er den Verein nach zwei guten Jahren verlassen. „Mein Vertrag läuft aus. Aber manchmal habe ich das Gefühl, es wäre etwas Unrechtes, wenn ich ihn nicht verlängern würde.“ Das ist es ganz sicher nicht, es ist nur so, dass Veh sich in Frankfurt einen herausragenden Stellenwert erarbeitet hat. Sehr viele Menschen wären einfach enttäuscht, wenn er seinen Weg woanders weitergehen würde.
Veh treibt die Aussicht auf Erfolg an, deutscher Meister würde er gerne noch einmal werden. Das ist mit Frankfurt nicht sehr wahrscheinlich. Oder ist es nicht einfach so, dass es Veh womöglich als klug erachtet, jetzt zu gehen, also auf dem Höhepunkt? Vielleicht will der geradlinige und charismatische Fußballlehrer auch nur vorbauen, eventuell ahnt er ja, dass er in der kommenden Spielzeit nicht viel zu gewinnen, aber ziemlich viel zu verlieren haben wird, weil die Mannschaft in der neuen Runde nicht so gut abschneiden wird wie in dieser Saison.
Es wäre, so oder so, ein sauberer Abgang, Veh hätte seine Mission erfüllt: Aufstieg, Klassenerhalt sowieso, womöglich noch Europapokalteilnahme als Bonus obendrauf. Was will man viel mehr erreichen mit dem finanziell nicht eben sonderlich potenten Traditionsklub vom Main? Ein bestelltes Feld würde er ganz sicher hinterlassen.
Den eingeschlagenen Weg weitergehen
Im Führungszirkel der Eintracht bestehen längst ernsthafte Zweifel, ob der Erfolgstrainer seinen Vertrag in Frankfurt verlängern wird. „Wir werden um ihn kämpfen“, sagt Sportdirektor Hübner. „Aber wir müssen unabhängig planen, es kann sein, dass er ganz zum Schluss nicht verlängert.“ Dieses Szenario haben die Verantwortlichen schon einige Zeit im Hinterkopf, natürlich gibt es ein Anforderungsprofil für einen etwaigen Nachfolger. Er muss den von Veh und Hübner eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen, dazu gehört auch der Spielstil, die Eintracht will diese schnelle, technisch hochwertige und offensive Ausrichtung beibehalten, sie hat sich, wenn man so will, dem schönen Spiel verpflichtet. Auch das ist Veh wichtig: „Wenn ich an Eintracht Frankfurt denke, denke ich an diese Art des Fußballs.“ Und auch die Personalauswahl soll einem ausgearbeiteten Muster folgen: die neuen Spieler sollen möglichst schnell, spielstark, willig und deutschsprechend sein. „Es ist wichtig, eine eigene Philosophie zu haben. Unabhängig vom Trainer“, sagt der Trainer Veh.
Sollte er gehen, würde die Eintracht sicherlich keinen Coach nehmen, der nach der Losung safety first handelt. Defensivfanatiker fallen da eher durch den Rost. Einer, der passen würde, wäre sicherlich Kosta Runjaic, der Duisburger Trainer, der mit Bruno Hübner gut befreundet ist und als moderner, aufgeschlossener, mutiger Offensivtrainer gilt, der erst Darmstadt nach oben in die dritte Liga und jetzt Duisburg aus dem Keller der zweiten Klasse führte. Hübner hält große Stücke auf den 41-Jährigen. Das ist bekannt.
Oder es kommt doch anders und Veh verlängert. Das wäre die Königslösung. Und zumindest eine kleine Überraschung.
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