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Eintracht Frankfurt
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27. November 2012

Eintracht Frankfurt: Der Ausbügler

 Von Thomas Kilchenstein
Karim Matmour hilft Stefan Aigner nach vergebener Chance auf die Beine. Foto: dpa

Stefan Aigner und die Extreme − der Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt trifft oft vorne und patzt zuweilen hinten.

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Stefan Aigner und die Extreme − der Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt trifft oft vorne und patzt zuweilen hinten.

Als Stefan Aigner am vergangenen Samstag auf Schalke per Kopf den 1:1-Ausgleich besorgte, hat er nicht gejubelt. Er hat nicht die Fäuste hochgerissen, nicht mal gegrinst hat er. Er hat das Tor geköpft, nach prima Vorarbeit von Linksverteidiger Bastian Oczipka übrigens, aber so richtig konnte er sich darüber nicht freuen. Dafür war der Stein, der ihm da gerade von der Seele gepurzelt war, einfach zu groß.
Denn kaum 100 Sekunden zuvor hatte sein Bock zu einem frühen Gegentor geführt. Es war sein Fehler, ganz allein, er wusste es, und es war ein leichter Fehler. Aigner wollte die Kugel zurückspielen, doch er trat eher auf den Ball statt ihn zu spielen. Lewis Holtby, der Schalker Mittelfeldspieler, schnappte sich den dadurch viel zu kurz gepassten Ball, er bediente Klaas-Jan Huntelaar − und das 0:1 war perfekt.

Immer etwas Besonderes

Man kann sich in etwa vorstellen, was in diesem Moment in Stefan Aigner vorging. Er ist ja kein abgebrühter, eiskalter Profi, der so was einfach wegsteckt. Er macht sich schon seine Gedanken, reflektiert sein Tun. Hinterher sagte er: Das Spiel habe Höhen und Tiefen gehabt, „aber bei mir ging’s eher bergab als bergauf“. Selbst nach den 90 Minuten, die ja für Eintracht Frankfurt durchweg positiv verliefen, wirkte der gebürtige Münchner wie ein Häufchen Elend.
Nun also lag der Ball im Tor, die ganzen Bemühungen der Gruppe durch den Patzer eines Einzelnen zerstört. Es gibt sicherlich angenehmere Situationen.
Gemeinhin läuft nach solch einem Fauxpas das Spiel entweder komplett an einem vorbei oder man rafft sich auf und versucht, seinen Fehler wieder wettzumachen. Stefan Aigner brauchte keine zwei Minuten, um seinen Bolzen aus der Welt zu schaffen: Der nächste Angriff, die nächste Flanke − und alles war wieder auf Null gestellt. „Fehler passieren, dann muss man weitermachen und wieder aufstehen“, nahm Kapitän Pirmin Schwegler den Unglücksraben in Schutz. Auch Alexander Meier kreidete seinem Außenbahnspieler den Bock nicht groß an. „Fehler gehören dazu.“

Den muss er machen

Und doch hat dieses Missgeschick Aigner in seinem Spiel in Schalke nachhaltig berührt. Selbst nach seinem Treffer kam der im Sommer ablösefrei vom TSV 1860 München zur Eintracht gewechselte 25-Jährige nicht mehr richtig in Tritt. Ihm gelang wenig, er verlor acht seiner 13 Zweikämpfe, er hatte auch nur 31 Ballkontakte. Er war nicht richtig im Spiel − und vergab prompt, kurz vor dem Seitenwechsel , die allergrößte Möglichkeit der Eintracht auf eine Führung. Diesen Traumpass von Takashi Inui hätte er leicht im Tor unterbringen können, ein paar Meter vor dem Tor zirkelte Aigner die Kugel daneben. „Den hätte ich gemacht“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner in der Halbzeitpause. Er lachte dabei. Aigner hat ihn nicht gemacht, er spürte den Torwart herausstürzen, aber das soll keine Ausrede sein: „Den muss ich machen.“ Womöglich hätte die Eintracht die Partie gewonnen. Es war nicht sein Tag. Nach 64 Minuten musste er vom Feld.

Und doch hat Aigner in seiner ersten Saison bei Eintracht Frankfurt einen enormen Sprung gemacht. Aigner ist sofort zum Stammspieler avanciert, er hat fünf Tore erzielt und vier vorbereitet. Huntelaar zum Beispiel, der zig Millionen schwere Mittelstürmer der Schalker, hat bislang erst viermal getroffen. Aigner stand in allen 13 Spielen in der Startformation. Er ist vollauf integriert, ein wertvolles Mitglied der Mannschaft, auf ihn ist Verlass. Er und Sebastian Jung ergänzen sich prima auf der rechten Seite.

Und dass er derart gut einschlagen würde, hatten nur die wenigsten erwartet. Immerhin war er schon fast 25, als er die zweite Liga verließ. Mehr als 100 Spiele hat er gemacht im Unterhaus, die meisten für 1860 München, 28 auch für Wacker Burghausen. In der vergangenen Saison, als er zu den besten Spielern der zweiten Liga zählte, hatte er elfmal getroffen.

Zuhause läuft es gut

In der ersten Liga schließt der Hunde- und Motorradliebhaber nahtlos an diese Leistung an. In beinahe jedem Spiel zeigt er etwas Besonderes, etwas Außergewöhnliches; sei es ein Treffer, eine Vorlage oder einen besonderes spektakulärer Pass oder Hackentrick. Vornehmlich im eigenen Stadion läuft es gut für ihn, vier seine fünf Tore erzielte er im Stadtwald. Freilich muss Aigner immer ans Limit gehen, um sein Potenzial abzurufen. Er weiß, wie eiskalt Fehler im Oberhaus bestraft werden. Schon gegen Bayer Leverkusen und den FC Augsburg führten seine Ballverluste im Mittelfeld zu Gegentoren. „Das geht unglaublich schnell. Ich hoffe, das passiert mir jetzt nicht mehr.“ Gegen Augsburg war der Bayer in fast allen statistischen Rubriken vertreten, ein Tor geschossen, eines vorbereitet, eines verschuldet.
Das Beste an Stefan Aigner aber ist: Er bügelt seine Bolzen immer wieder selbst aus, gegen Leverkusen, Augsburg und jetzt gegen Schalke traf er nach folgenschweren Ballverlusten höchstpersönlich ins Schwarze.

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FR-"Volltreffer" vom 26.11.2012
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