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Eintracht Frankfurt
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26. November 2012

Eintracht Frankfurt: Der Eintracht gehen die Spieler aus

 Von Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein
Zur Zeit läuft es für Olivier Occean nicht gerade optimal.Foto: Stefan Krieger

Ausgerechnet vor dem Nachbarschafts-Duell gegen den FSV Mainz 05 muss der Frankfurter Trainer Armin Veh arg improvisieren: Wer spielt im Sturm, wer in der Abwehr?

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Die letzte Aktion dieses rassigen Spiels bei Schalke 04 war eine sehr symptomatische für den Auftritt des Frankfurter Stürmers Olivier Occean. Der Kanadier, momentan ohnehin nicht mit besonders breiter Brust unterwegs, kam in der dritten Minute der Nachspielzeit vor dem eigenen Strafraum an den Ball, die Kollegen hatten die Kugel zuvor irgendwie und mit vereinten Kräften aus der gefährlichen Zone befördert. Und nun also hüpfte der Ball vor Occeans Füße, er hätte nur noch mit Vollspann beherzt dagegentreten müssen und die Kugel wäre geflogen bis zum anderen Tor, sehr wahrscheinlich hätte Schiedsrichter Günter Perl die Partie stante pede abgepfiffen, waren ja sowieso nur noch ein paar Sekunden auf der Uhr. Dieser Befreiungsschlag gehört nun nicht zu den schwierigeren Aufgaben für einen Fußballer, das hätte jeder Kreisligakicker geschafft. Occean schaffte es nicht.
Der 31-Jährige schoss den vor ihm stehenden Roman Neustädter an, und Sekunden später herrschte noch mal höchste Gefahr im Eintracht-Strafraum, Jefferson Farfan umkurvte Benjamin Köhler, passte nach innen, doch Klaas-Jan Huntelaar setzte den Ball unter Bedrängnis neben den Pfosten. Nicht nur Occean pustete danach durch, dieses späte Gegentor wäre auf seine Kappe gegangen, es wäre das i-Tüpfelchen auf eine Leistung gewesen, die ihren Namen nicht verdient hatte.

Occean, für 1,3 Millionen Euro von Mitaufsteiger Greuther Fürth an den Main gekommen, ist völlig von der Rolle, kolossal verunsichert, er bringt kein Bein mehr auf den Boden, fast jede Aktion geht schief, seine Pässe sind ungenau, seine Zweikampfwerte ungenügend, seine technischen Möglichkeiten begrenzt. Nur mit dem Kopf hielt er auf Schalke dagegen, zwei Bälle beförderte er aus dem eigenen Sechzehner. Immerhin. Seit Wochen schon ist der 17-fache Torschütze der Vorsaison im Formtief, das Vertrackte an der Situation: Es wird nicht besser, sondern immer schlimmer.
Zuletzt hatte der frühere Angreifer der Offenbacher Kickers seinen Stammplatz schon an Karim Matmour abgeben müssen, doch Matmour ist nach seiner berechtigten Gelb-Roten Karte im Spiel auf Schalke gegen den FSV Mainz 05 gesperrt. Trainer Armin Veh steht nun vor der großen Frage, wie er die Position in vorderster Reihe besetzen wird. Bekommt Occean noch eine Chance, sich zu bewähren, obwohl er von Selbstzweifeln befallen und gänzlich außer Tritt ist? Und obwohl ihn ein Teil der eigenen Zuschauer schon vor dreieinhalb Wochen im Heimspiel gegen Fürth ungehemmt ausgepfiffen hatte? Die Missfallensbekundungen waren völlig deplatziert und daneben, doch sie zeigen auch, wie schwer der Stand des glücklosen Angreifers ist.

Veh hat aber nicht besonders viele Alternativen. Rob Friend hat er aussortiert, der Kanadier dürfte in der zweiten Mannschaft spielen, hat darauf aber keine Lust. Der im Spätsommer verpflichtete Dorge Kouemaha ist eine Wundertüte. Der lange verletzte Kameruner stand am zurückliegenden Samstag in Gelsenkirchen zwar erstmals im Kader, doch wie weit und wie gut er ist, vermag in Frankfurt kaum einer seriös zu beurteilen. Trainer Veh lobt ihn zwar für seinen Trainingseifer, doch wird er es wagen, den so schwer einzuschätzenden Angreifer gleich im Derby ins kalte Wasser zu werfen?

Bleibt der gedrungene Erwin Hoffer, der aber eher ein Konterstürmer und ohnehin noch angeschlagen ist. Ihn plagt eine schmerzhafte Knöchelverletzung, weshalb er schon auf Schalke nicht im Aufgebot stand. Am Sonntagvormittag absolvierte der Österreicher eine Laufeinheit, das zumindest ging problemlos. Dass sich der 1,76 Meter kleine Hoffer gegen die beiden Mainzer Innenverteidiger Bo Svensson (1,90 Meter groß) und Nikolce Noveski (1,90 Meter) durchsetzen kann, scheint eher nicht so wahrscheinlich. Vieles spricht also für eine neuerliche Chance für den leidgeprüften Occean. Das wiederum verdeutlicht, wie dünn die Besetzung im Sturm eigentlich ist.

Jung als Innenverteidiger

Das gilt auch für die Abwehr, da hat die Eintracht ausgerechnet vor dem brisanten Nachbarschaftsduell das nächste Problem. Bamba Anderson musste am Samstag mit einer Bauchmuskelverletzung ausgewechselt werden, in einer ersten Laien-Diagnose stufte Vorstandschef Heribert Bruchhagen die Blessur als „schwere Verletzung“ ein. Anderson fällt gegen die Rheinhessen ganz sicher aus. In Schalke rückte Sebastian Jung von rechts in die Innenverteidigung, einen zentralen Abwehrmann hatte Veh gar nicht auf der Bank. Vadim Demidov war mit Leistenproblemen in Frankfurt geblieben und Routinier Heiko Butscher wurde von Trainer Veh für die Partie erst gar nicht nominiert − obwohl er gesund und fit ist. Butscher, erst im Januar dieses Jahres gekommen, ist wichtig fürs Binnenklima, aber nicht mehr auf dem Platz. Veh rechtfertigte Butschers Nichtberücksichtigung: „Ich hätte ihn ja auch so nicht eingewechselt.“ Weshalb sollte der frühere Freiburger dann also gegen Mainz eine Rolle spielen?

Veh wird auf eine Rückkehr Demidovs hoffen, der Norweger stand am Sonntag mit den Reservisten auf dem Trainingsplatz, verließ das Feld aber vor dem abschließenden Übungsspiel. Ob der bislang sowieso wenig überzeigende Stopper bis Dienstag einsatzfähig sein wird? Andernfalls müsste wohl Jung wieder in die Mitte rücken, der Fast-Nationalspieler machte das auf Schalke sehr manierlich, doch Veh würde damit auch seine rechte Seite schwächen, denn Jungs Stärken liegen klar auf der Außenbahn, da ist er zuletzt − gerade im Spiel nach vorne − immer besser ins Rollen gekommen. „Jetzt wird es eng“, sagte Vorstandschef Bruchhagen, „aber dafür haben wir einen Trainer, der sich etwas einfallen lassen muss.“ Wird er auch. Das zumindest ist sicher.

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