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Eintracht Frankfurt
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04. März 2013

Eintracht Frankfurt: Der Flow ist dahin

 Von  und 
Läuft's bei Meier nicht, hat die Eintracht ein Problem. Foto: S. Krieger

Eintracht Frankfurt in der Krise: Die Leichtigkeit und das Unbekümmerte der Hinrunde sind wie weggeblasen. Kapitän Schwegler ist zuversichtlich: „Die Mannschaft lebt“

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Auch am Tag danach saß der Frust über diese komplett überflüssige Schlappe gegen Borussia Mönchengladbach tief in den Knochen, vermutlich wird es noch ein paar Tage dauern, ehe dieser Schlag unter die Gürtellinie in Frankfurt halbwegs verwunden ist. Selbst ein strahlend blauer Samstagmorgen ließ die Launen der Eintracht-Profis beim Auslaufen nicht aufhellen, allenthalben muffelig bis miesepetrig spulten die Frankfurter Spieler ihr Tagwerk ab. Der einstige Hype ist tiefer Ernüchterung gewichen. Die Krise ist da, unangenehm, klebrig, verstörend. Noch am Samstag war der Kapitän Pirmin Schwegler weitgehend ratlos: „Wie wir dieses Spiel verlieren konnten, kann ich bis heute nicht erklären. Der Gegner kann aber auch nicht erklären, warum er es gewonnen hat.“ Schwegler hatte nach dem Spiel bereits eines klar gestellt: „Das war in der zweiten Hälfte das Beste, was wir in dieser Saison gespielt haben.“

Veh kontra Schiri

Als Pirmin Schwegler in der Nachspielzeit nach einer körperlich sehr robusten Balleroberung gegen den Gladbacher Havard Nordtveit in der Nähe der Mittellinie einen Freistoß gegen sich gepfiffen bekam, war die Aufregung bei Armin Veh groß. Der 52-Jährige lief ein paar Meter aufs Spielfeld und beschwerte sich. Schiedsrichter Deniz Aytekin wurde darüber vom Vierten Offiziellen Markus Schmidt informiert und schickte Veh Richtung Tribüne. „Ich bin dort gar nicht mehr angekommen, weil das Spiel dann ja gleich beendet war und ich ja auch nicht mehr der Jüngste bin “, scherzte der Eintracht-Coach hinterher, als er längst wieder auf normale Betriebstemperatur heruntergekühlt war.
Seine Aufregung erklärte der Eintracht-Coach so: „Es war das x-te Mal, dass ich eine Situation anders gesehen hatte als der Schiedsrichter. Soll ich dann ruhig auf der Bank sitzen bleiben? Ich lebe noch, in mir fließt noch Blut. Also habe ich mich fürchterlich aufgeregt.“
Womöglich hätte Aytekin von Vehs aggressiver Beschwerdeführung außerhalb der Coachingzone gar nichts mitbekommen, wenn der Vierte Schiedsrichter gnädiger gewesen wäre. „Da kommt dann der Herr Schmidt aus Stuttgart“, äzte Veh nach dem bereits vierten Tribünenverweis seiner Trainerkarriere, „und hat es dem Aytekin geflüstert. Der ist ja sehr wichtig, der Herr Schmidt.“

Powerplay in Halbzeit zwei

Tatsächlich hatte die Eintracht in den zweiten 45 Minuten ein wahres Powerplay aufgezogen und die Gladbacher tief in ihrer eigenen Hälfte eingeschnürt. Die Gäste kamen im Grunde kaum mehr über die Mittellinie, allenthalben versuchten sie sich mit Befreiungsschlägen vorübergehend des Frankfurter Drucks zu entledigen. Schwegler fand, dass „es selten vorkommt, dass man einen Gegner in der Bundesliga so beherrscht wie wir die Gladbacher in der zweiten Hälfte.“ Zeitweise fühlte sich der Frankfurter Trainer Armin Veh an Situationen erinnert „wie im Handball“. Die Frankfurter hatten alles im Griff, nur keinen, „der den Ball auch mal rein macht“. Der Frankfurter Fußball-Lehrer ärgerte sich „maßlos und furchtbar“ über diese Niederlage, weil eine Mannschaft als Sieger den Platz verlassen habe, die einen derartig destruktiven Fußball spielte.

Und doch ist diese Niederlage nicht vom Himmel gefallen. Es gibt eine Reihe von Hinweisen darauf, dass Eintracht Frankfurt ein gutes Stück von jener Form aus der Hinrunde entfernt ist, ja selbst von jener Form noch, die zu einem 2:0-Sieg beim Hamburger SV reichte. Natürlich: Die Torflaute ist offenkundig. Seit vier Spielen haben die Hessen kein Tor mehr erzielt, seit genau sechs Stunden und neun Minuten nicht; Veh weiß, was in dieser Woche in den Zeitungen stehen wird, Sebastian Rode schlägt deshalb vor, dass „wir eventuell im Training ein bisschen mehr Abschluss üben müssen“. Das kollektive Versagen der (wenigen) Stürmer wird, anders als noch in der Hinrunde, nicht mehr dadurch aufgefangen, dass das offensive Mittelfeld in die Bresche springt. Stefan Aigner, Takashi Inui und vor allem Alexander Meier finden nicht zum Abschluss. Nach wie vor gilt der Satz: Spielt Meier gut, spielt auch die Eintracht gut. Seinen letzten Treffer hat Meier gegen Bayer Leverkusen erzielt, am ersten Rückrundenspieltag. Das sagt vieles.

Der Akku wird leerer

Dazu kommt: Die Leichtigkeit, das Unbekümmerte, der Elan und das Unbeschwerte der Hinrunde ist dahin. Man sieht, wie schwer es eben auch sein kann, eine tief und massiert stehende Mannschaft bespielen zu müssen. Man sieht, dass 24 Spieltage an Substanz gekostet haben, man spürt, wie der Akku leerer wird. Im Kern hat Trainer Veh 13, 14 taugliche Spieler zur Verfügung. Formschwankungen, schlechte Tage machen sich direkt bemerkbar. Die Eintracht kann Ausfälle kaum kompensieren. In Hannover fällt Sebastian Rode mit Gelbsperre aus, „unser bester Mann“, stöhnt Boss Bruchhagen, Martin Lanig wird Rodes Platz übernehmen.

Was in der Hinrunde mühelos von der Hand ging, klappt jetzt nicht mehr. Es sind nur Kleinigkeiten, ein unsauber gespielter Pass hier, ein klitzekleiner Stockfehler da − und schon gerät die ganze Maschinerie ins Stocken. Zudem haben sich die Gegner besser auf die Eintracht eingestellt. Schwegler: „Die gucken in der Videoanalyse nicht gute Zeiten, schlechte Zeiten, sondern, wie sie uns beikommen können.“

Fest steht: Der ganz schöne Flow ist dahin. In den sieben Spielen der Rückrunde haben die Hessen nur acht Punkte geholt, bei 5:8 Toren, seit vier Spielen sind sie sieglos. Nur die Schwäche der Konkurrenz lässt die Eintracht weiter auf Platz vier verharren, doch der Vorsprung ist weitgehend aufgebracht. Die Gefahr, durchgereicht zu werden, ist groß. Hannover 96, der nächste Gegner, ist hinter Bayern München das heimstärkste Team.

Symptomatisch für die Talfahrt der Eintracht steht Bastian Oczipka. Der Mann vom linken Flügel ist eine der Entdeckungen der Saison. Neun Vorlage stehen in seiner persönlichen Statistik, dazu kommt er aggressiv und dribbelstark über den Flügel, kaum zu halten. Er schleudert Flanken im Dutzend in den Strafraum, brandgefährlich allemal. Seit einigen Wochen ist der 23-Jährigen nicht mehr im Tritt, er bleibt hängen, wird abgeblockt, er kommt nicht mehr bis zur Grundlinie durch. Seine letzte Vorlage datiert vom Spiel gegen die TSG Hoffenheim, das war Ende Januar. So was spürt dieses feine Gebilde Eintracht Frankfurt sofort.

Zu wenig echte Torchancen

Auf dem anderen Flügel ist es ähnlich: Stefan Aigner spielt derzeit sehr wankelmütig. Nicht gut gegen Nürnberg, überfordert in Dortmund, ordentlich gegen Freiburg, schwach gegen Gladbach, da vergab er die vielleicht klarste Möglichkeit. „Der Kopfball muss sitzen.“ Dazu kommt: Die kreative Abteilung mit Rode/Schwegler/Meier kommt nicht richtig ins Rollen, die Drei kreieren zu wenige echte Torchancen. Am Freitag gegen Gladbach musste deren Torwart Marc-Andre ter Stegen trotz 14 Torschüssen, 28 Flanken, 450 angekommenen Pässen, 577 intensiven Läufen und mehr als 60 Prozent Ballbesitz keinen einzigen schweren Ball halten. Allerdings: Gladbach (126,7 km) lief als Team fast acht Kilometer mehr als die Eintracht (118,8 km).

War das also das Ende des Höhenflugs der Eintracht? Reiht sie sich wieder weiter hinten ein, dort, wo ein Aufsteiger hingehört nach einem Ergebnis, „das wir gar nicht gebraucht können“ (Klubchef Heribert Bruchhagen)? Finanzvorstand Axel Hellmann glaubt nicht an eine Spirale des Misserfolgs. „Dazu haben wir in der zweiten Hälfte zu viel Dampf gemacht und zu viel PS auf den Platz gemacht. Wenn das ein Fehlpass-Festival gewesen wäre, dann würde ich sagen, aufpassen. So aber nicht.“ Auch Veh will aus den zweiten 45 Minuten Honig saugen. „Wir haben im Augenblick auch nicht das Glück.“

Pirmin Schwegler ist ebenso nicht bange um die Zukunft. „Wenn wir weiter so viel investieren, dann kommt auch unsere Zeit zurück. Wir haben immer noch eine sehr gute Ausgangslage, die schenken wir nicht her. Die Mannschaft lebt.“

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