Für Heiko Butscher ist das alles nicht so furchtbar kompliziert. „Ich muss doch nur das machen, was ich über die Jahre gelernt habe: Fußball spielen. Das kann ich.“ Durfte er nur nicht.
Heiko Butscher spielt seit 1999 professionell Fußball, beim Karlsruher SC, beim SV Sandhausen, beim VfB Stuttgart, dem VfL Bochum, dem SC Freiburg und jetzt bei Eintracht Frankfurt. Mehr als 260 Spiele in erster, zweiter und dritter Liga hat er absolviert. Der Allgäuer ist das, was man einen alten Fahrensmann nennen würde. Seit Januar 2012 ist er bei der Eintracht, er kam auf zwölf Einsätze, alle in der zweiten Liga. Der Verteidiger, den keiner Heiko nennt, sondern „Butschi“, ist jetzt 32 Jahre alt, seine Karriere neigt sich dem Ende zu. Das hat ihm der Frankfurter Trainer Armin Veh ziemlich deutlich zu verstehen gegeben. Der Trainer plane nicht mehr Butscher, hieß es zu Beginn der Runde, er sei aber dank seiner Ausstrahlung, seiner sozialen Ader und seines Charakters enorm wichtig für das Team. Und: Er möge sich bereit halten. Jetzt sagt Butscher: „Ich bin bereit.“
Wenn nicht alle Anzeichen täuschen, wird Butscher am Samstag um 18.30 Uhr im Spiel gegen den SV Werder Bremen in der Anfangsformation stehen. Zum ersten Mal in dieser Saison. Bundesliga hat er in Frankfurt noch nicht gespielt, nur gegen Aue im Pokal hat er verteidigt − da war ihm ein folgenschwerer Fehler unterlaufen, er führte zum Ausscheiden. Seitdem ist Butscher weg vom Fenster. Jetzt wird der Sympathikus gebraucht.
Die Not ist groß im Abwehrverband der Eintracht. Deshalb trägt Butscher Gelb. Auch gestern beim Training trug er das Leibchen, das die A-Mannschaft immer anhat, wenn es ernst wird beim Üben. Er weiß, was das bedeutet: „In der Regel ist das gut, wenn man das gelbe Leibchen trägt.“ Er trainieren jetzt noch bewusster als vorher. „Ich gebe immer 100 Prozent im Training.“ In der Tat ist es so, dass sich der Innenverteidiger trotz seiner scheinbaren Chancenlosigkeit nie hat hängen lassen. Irgendwann, findet der Hobby-Trommler, wird dann auch Fleiß und ehrliche Arbeit belohnt.
„Ich kenne meine Rolle“, sagt er. Anfangs sei es schwer gewesen, das zu akzeptieren. Kein Wunder, die Rolle ist nicht schön. Nicht mehr gebraucht zu werden als Spieler, allenfalls so eine Art Stand-by-Profi zu sein, die Spiele in zivil auf der Tribüne zu verbringen. Und trotzdem keine schlechte Laune zu verbreiten. Dafür freilich ist er nicht der Typ, die Rolle als Motivator im Hintergrund, als guter Geist, hat er angenommen.
Nun ist er zurück. „Ich freue mich riesig, sollte ich tatsächlich spielen“, sagt der Mann, der seit Sommer auch Vater ist. „Ich habe doch nix zu verlieren.“ Mit Carlos Zambrano an seiner Seite soll er die wackelige Abwehr stabilisieren. Im Training klappt das schon, „ich bin zufrieden mit seinen Trainingsleistungen“, sagt Armin Veh. Allerdings hat Butscher das letzte Mal am 19. August ernsthaft in einem Pflichtspiel gegen den Ball getreten, eben in Aue. Ein gewisses Risiko bleibt, andererseits: Vadim Demidov und Marc-Oliver Kempf, der A-Jugendliche, haben die Latte nicht sehr hoch gelegt. Butscher kann das packen.
Im Trainingsspielchen gestern war ihm nur einmal Gegenspieler Rob Friend entwischt − und prompt mit Kevin Trapp zusammengerasselt. Der Torwart blieb nach dem Zusammenprall mit Friend kurz liegen, hielt sich das Knie. Nach kurzer Behandlung konnte er weiterspielen. Friends Stürmer-Kollege Olivier Occean, auch ein Sorgenkind, vergab im Übungsspiel zwei prima Möglichkeiten. „Es war ja kein Wettkampf“, war Veh nachsichtig. „Wir müssen an ihn glauben“, empfahl er noch. Im Training sei er fleißig, und „wichtig: Er läuft.“
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