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Eintracht Frankfurt
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16. April 2013

Eintracht Frankfurt: Die Eintracht will aufholen

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Eintracht Frankfurt will ab der Saison 2013/14 Web-TV anbieten.  Foto: S. Krieger

Eintracht Frankfurt startet zur neuen Saison ein Web-TV-Angebot. Auch soziale Medien wie Facebook und Twitter werden für die Fußball-Bundesligisten immer wichtiger.

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Die Tinte unter dem Vertrag war gerade trocken, als der Liga-total-Fernsehreporter Oliver Forster bereits auf seiner Facebook-Seite die Pressemitteilung von Eintracht Frankfurt über seine Verpflichtung als neuer Leiter Medien- und Öffentlichkeitsarbeit veröffentlichte. Das Marketing in eigener Sache Anfang April funktionierte blendend. Binnen weniger Stunden klickten 156 Menschen „Gefällt mir“. Zudem hingen mehr als hundert Glückwunsch-Kommentare an der Facebook-Pinnwand des 45-Jährigen, der vom 15. Juni an auch das derzeit noch nicht vorhandene Web-TV der Eintracht entwickeln soll.

Eintracht im soliden Mittelfeld

Facebook, Twitter, Youtube, Google +, Web-TV – die Fußball-Bundesligisten haben das Internet als Kommunikationsplattform mit ihren Fans mal mehr, mal weniger professionell entwickelt. Mit zum Teil herausragenden Ergebnissen. Mehr als 183 000 Aufrufe bei Youtube erreichte die Eintracht-Version des Harlem Shakes aus der Umkleidekabine der Frankfurter Profis. Auch Facebook und Twitter werden von der Eintracht bespielt, sie nimmt dabei im Bundesligavergleich einen soliden Mittelfeldplatz ein (siehe Statistik). Drei fest angestellte Mitarbeiter kümmern sich bei den Hessen um die neuen Medien. Das Eintracht Web-Radio wurde allerdings eingestellt. Auf der Homepage entschuldigt man das schon lange damit, „dass wir für die Finanzierung der Übertragung bisher keinen Partner gefunden haben“.

In Sachen Web-TV hinkt die Eintracht um Jahre hinterher, „wir sind der aktuell einzige Bundesligist, der kein Bewegtbildangebot hat“, räumt Vorstand Axel Hellmann ein, weshalb die Einstellung eines Fachmannes zur Verstärkung der nur zweiköpfigen Presseabteilung aus seiner Sicht überfällig war. „Wir gehen das Projekt Web-TV ganz smooth an“, berichtet Oliver Forster, „und werden damit nicht den Markt überschütten.“ Auch bei Twitter und Facebook will der selbstbewusste ehemalige FFH-Hörfunkmann, der sogar einen Wikipedia-Eintrag sowie eine umfangreiche eigene Homepage besitzt, „mehr Dynamik reinbringen“.

Werder macht es gut

Werder Bremen kann dabei als Vorbild dienen. Sechs Jahre in der Champions League haben dafür gesorgt, dass Mediendirektor Tino Polster mit zehn Mitarbeitern im vierten Stock der Geschäftsstelle die öffentliche Wahrnehmung des Klubs sehr aktiv mitgestaltet. „Wir sind inzwischen ein Full-Media-House“, erklärt der einstige TV-Mann Polster.

In einer vergangenen Mai von der Hochschule für Medien und Kommunikation Stuttgart veröffentlichten Studie der Social-Media-Aktivitäten schaffte es Werder vor allen anderen Liga-Konkurrenten auf Platz eins. „Nehmen wir Facebook, da kommt es mir so vor, als ob wir schon zehn Jahre lang aktiv sind“, sagt Tino Polster, „tatsächlich haben wir erst im Oktober 2010 damit angefangen.“ Sein Credo: „Wir transportieren unsere Infos und Emotionen dahin, wo sich viele unserer Fans am liebsten aufhalten, nämlich in den sozialen Netzwerken.“

Die Bundesligaklubs in den sozialen Netzwerken.
Die Bundesligaklubs in den sozialen Netzwerken.
 Foto: FR

Als Polster im Januar 2002 mit einer Kollegin und einem freien Mitarbeiter bei Werder begann, „waren wir froh über 8000 Besucher im Monat, inzwischen haben wir monatlich 1,5 Millionen Visits bei Werder.de.“ Vor sechs Jahren installierten die Bremer ihr Bewegtbild-Angebot im Netz, inzwischen arbeiten zwei Redakteure, ein Volontär und ein Praktikant mit modernster HD-Technik an vier Schnittplätzen fürs Werder- TV, das rund 5000 Fans für 3,99 Euro im Monat abonniert haben. „Damit verdienen wir zwar keine Reichtümer“, räumt Polster ein, verweist aber auch auf den Mehrwert fürs Klubmarketing. „Die Ansprüche unserer Sponsoren gehen immer mehr zum Bewegt-Bild, das können wir ihnen liefern.“ Eine Dienstleistung des Vereins, die die Kunden zu würdigen wissen.


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Aufwand und Output sind immens: Werder-TV produziert Imagefilme, berichtet auch über die Aktivitäten aller anderen Abteilungen im Verein, bei jedem Profitraining steht ein Mitarbeiter aus der Medienabteilung am Übungsplatz, um Online schnell reagieren zu können. Auch bei jedem Auswärtsspiel sind die Werder-TV-Redakteure Markus Biereichel und Felix Ilemann mit von der Partie, auf der Rückfahrt wird das Material im Werder-TV-Bus schon geschnitten und nach der Ankunft ins Netz gestellt. „Wir versuchen außerdem, möglichst viele Test- und Vorbereitungsspiele live zu produzieren“, berichtet Ilemann. Das will auch der neue Eintracht-Medienchef Foster eines wohl eher noch fernen Tages anbieten: „Wir wollen dahin kommen, Sommerfreundschaftsspiele live zu streamen.“

Spieler-Accounts auf Facebook
Spieler-Accounts auf Facebook
 Foto: FR

Im Gegensatz zum Gros der Bundesligaklubs wird die Eintracht allerdings ihr Web-TV, in dem es auch mal Einblicke in die Kabine geben könnte, nicht im eigenen Haus produzieren, sondern durch eine externe Produktionsgesellschaft. „Wir sind zwar die Letzten, die Web-TV machen, aber dafür haben wir den Vorteil, die Fehler der anderen zu vermeiden“, argumentiert Vorstand Hellmann und will erst einmal nicht zu sehr in das Angebot investieren. Er weiß: „Insgesamt sind die Abo-Zahlen in der Liga nicht so hoch, wie viele erhofft haben.“ Das bestätigt der für die Medienarbeit verantwortliche Geschäftsführer Tobias Sparwasser von Mainz 05, möchte aber keine Zahlen nennen. Dem Vernehmen nach haben die Mainzer weniger als tausend Abonnenten, die bereit sind, rund vier Euro im Monat zu zahlen, und denken deshalb über ein frei empfangbares Angebot nach. Eintracht Frankfurts Vorstand Hellmann verspricht: „Unser Eintracht-TV wird weniger als drei Euro im Monat kosten.“

Oliver Forster will derweil vor allem forsch „das bundesweite Profil der Eintracht schärfen“. Der „gesamte Bereich Öffentlichkeitsarbeit“ habe in den vergangenen Jahren „brach gelegen“ , kritisiert der als wortgewaltig bekannte Reporter. Die Eintracht, findet Forster, sei ein „Riesenverein“ aus dem oberen Drittel, der sich aber „jahrelang zu klein gemacht“ habe. Nicht nur im Web-TV.

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