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Eintracht Frankfurt
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10. September 2007

Eintracht Frankfurt: Die verzweifelte Suche des Alexander Huber

 Von THOMAS KILCHENSTEIN

Warum der vielfache Juniorennationalspieler seit seinem Vertragsende bei Eintracht Frankfurt keinen Klub findet, ist allen ein Rätsel.

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Der schönste Tag im Leben des Fußballers Alexander Huber liegt noch kein Jahr zurück. Es war der 2. November 2006, ein Donnerstag, Uefa-Cup-Spiel bei Celta Vigo (1:1), und schon nach 17 Minuten drückte der damals 21-Jährige den Ball zum Ausgleich der Eintracht über die Linie. "Ich konnte es erst gar nicht fassen", sagte er damals, den Ball hatte er gar nicht richtig getroffen, doch genau damit erwischte er den Torwart auf dem falschen Fuß. Dazu muss man wissen: Alexander Huber spielt, wenn er denn spielt, meist rechts hinten. Tore schießt er so gut wie nie. Noch heute sagt er: "Vigo war ein absoluter Höhepunkt."

Heute ist Huber vom internationalen Fußball so weit entfernt wie die Cayman-Inseln vom Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft. "So schnelllebig ist der Fußball", sagt er. Heute hat Huber nicht mal mehr einen Klub. Langsam kriechen schon die verflixten Selbstzweifel hoch: Bin ich vielleicht nicht gut genug? Heute steht hinter dem Namen Huber die Berufsbezeichnung: arbeitslos. Kein Verein aus dem bezahlten Fußball will den Rechtsverteidiger beschäftigen. Weder zweite noch dritte Liga, von der ersten Klasse ganz zu schweigen.

Warum das so ist? Huber, der aus Chudsschaud in Tadschikistan stammt und 1989 mit seinen Eltern im Alter von vier Jahren nach Marburg kam, hat keine Erklärung für seine Ausbootung. "Wenn ich das mal selbst wüsste?" Keiner, der den Jungen ein bisschen kennt, hat eine Erklärung dafür. Auch seinem Berater Thomas Kroth ist das ein Rätsel. "Mir ist völlig unverständlich, warum Alex keinen Verein findet. Er ist das Paradebeispiel eines deutschen Nachwuchsspielers." Huber hat alle Auswahlmannschaften des DFB durchlaufen, insgesamt 45 Juniorenländerspiele bestritten, er stand einmal im so genannten Perspektivteam 2006. Er ist kein schwieriger Charakter, "sauber, ordentlich, bescheiden", sagt Eintracht-Präsident Peter Fischer.

Auch die finanziellen Ansprüche sind überschaubar. "Ob ich jetzt 2000 oder 5000 Euro mehr verdiene, ist mir nicht so wichtig. Ich will spielen", sagt Huber. Aber niemand will ihn spielen lassen. "Und so weit, dass wir übers Gehalt verhandeln konnten, sind wir gar nicht gekommen", ergänzt Berater Kroth. Die Klubs hatten vorher schon abgewinkt; "Nicht überzeugt", "reicht nicht aus", "wir spielen ein anderes System", "zu wenig offensiv" - Kroth rattert die Ablehnungsgründe nur so runter. Im Zweifelsfall stellten die Klubs dann lieber noch einen Ausländer mehr ein. Fast die komplette zweite Liga hat er angesprochen, keiner biss an. "Es gab Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen, aber das wollte er nicht", sagt Kroth.

Vielleicht ergibt sich jetzt was, in der vergangenen Woche war er in Hamburg, beim HSV - zweite Mannschaft, Regionalliga Nord. Karsten Bäron, der Trainer und Ex-Profi, würde ihn nehmen, wenigstens für ein Jahr. Huber will sich die Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Eigentlich will er in der zweiten Liga spielen. Das Zeug dazu hat er. Huber ist kein brillanter Spieler, er ist aber ein solider, ordentlich ausgebildeter Kicker. Als Trainer weiß man, was man an ihm hat. Die Bundesliga ist sicherlich zu hoch für ihn, für die Eintracht hat er dreimal im Oberhaus gespielt, dazu siebenmal zu Zweitligazeiten. Zwischendrin hat er sich in die Regionalliga ausleihen lassen, zur TSG Hoffenheim. Inzwischen hält er sich wieder bei Eintracht Frankfurt fit. Wäre Huber mit seiner Bitte früher gekommen, vielleicht hätte er einen Vertrag bekommen: Vor Wochen fehlte die komplette Innenverteidigung.

Letztmals spielte er ernsthaft Fußball am 20. Mai dieses Jahres, ausgerechnet in Offenbach. Da trug Huber noch das Trikot von Eintracht Braunschweig. Im Winter dieses Jahres wechselte er von Eintracht Frankfurt, für die er seit der C-Jugend gespielt hatte, eine Klasse tiefer nach Braunschweig, wo Trainer Willi Reimann vergeblich den Abstieg verhindern wollte. Huber machte alle 17 Spiele der Rückrunde. "Vielleicht", sagt Thomas Kroth, "war das ein Fehler. Jetzt heißt es: Der kommt von einem Zweitliga-Absteiger." Denn als die Saison vorbei und der Kontrakt ausgelaufen war, blieb das Telefon still. Verdammt still.

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