Als ausgerechnet Caio zum vorentscheidenden 2:0 im "wichtigsten Spiel der Hinrunde" getroffen hatte, wie Eintracht-Trainer Michael Skibbe das Derby gegen die Offenbacher Kickers nannte, sind alle Frankfurter Spieler auf den Brasilianer zugestürzt. Alle? Nicht alle. Christoph Spycher, der neue Kapitän, hat einen anderen Weg gesucht und gefunden: Er ist auf Ioannis Amanatidis, der die Vorlage zu diesem Treffer in der 75. Minute gegeben hat, zugelaufen und hat ihn herzlichst umarmt. Eine schöne Geste, die zeigte, dass Spycher selbst in so einem Moment immer noch weiß, was wirklich wichtig ist.
Amanatidis nämlich hat in dieser Woche sehr geräuschvoll sein Amt als stellvertretender Kapitän abgegeben, weil er sich nach seiner Degradierung in seiner Ehre gekränkt fühlte. "Ama hat die richtige Antwort auf dem Platz gegeben. Er hat seinen Worten Taten folgen lassen", sagte der Schweizer Nationalspieler mit dem Gefühl für den Moment. Amanatidis hatte angekündigt, sich nur noch auf seine Leistung zu konzentrieren.
Und es gab noch einen Frankfurter Spieler mit Gespür für den richtigen Moment: Caio, der Umstrittene, hatte zuvor schon die Führung durch Frankfurts Besten, Pirmin Schwegler, vorbereitet. Der Brasilianer war damit an den ersten beiden Toren entscheidend beteiligt, obwohl er wieder sehr viel Leerlauf in seinem Spiel hatte.
Defizite in der Rückwärtsbewegung
Aber er bleibt der Mann für die besonderen Aktionen: ein Tor vorbereitet, das andere selbst erzielt, dazu hatte er in der ersten Halbzeit mit einem beherzten Solo die Frankfurter Lethargie aufgebrochen so kann es weitergehen mit dem Mittelfeldspieler. Die Frage bleibt nur, inwieweit die Defizite des 23-Jährigen in der Rückwärtsbewegung gegen einen stärkeren Gegner, etwa am nächsten Samstag bei Werder Bremen, zu tolerieren sind. Klubchef Heribert Bruchhagen fasste die eher unspektakulären 90 Minuten so zusammen: "Wir haben im richtigen Moment das 1:0 geschossen. Gegen einen kampfstarken Drittligisten darfst du nicht mehr als zwei, drei Chancen auslassen."
Das Derby, mit viel Spannung erwartet, blieb lange Zeit deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Frankfurter brauchten gut und gerne 20 Minuten, ehe sie die Begegnung halbwegs in den Griff bekamen. Die Kickers zogen sich achtbar aus der Affäre, weil sie im ersten Abschnitt kaum gefährliche Aktionen der Gäste zuließen. Und wenn Mounir Chaftar (27.) nicht so phlegmatisch bei der einzigen guten Chance des OFC gegen den Ball gestochert hätte, wer weiß, welchen Verlauf dieses Derby genommen hätte? Bis zur Pause aber plätscherte das Spiel relativ ereignislos vor sich hin, Torraumszenen blieben Mangelware, packende Aktionen auch.
Nach der Pause bauten die Kickers, die allenthalben Lob von Skibbe für ihr engagiertes Spiel einheimsten ("Der OFC hat uns alles abverlangt"), dann aber deutlich ab. Sicherlich nicht so stark, wie Amanatidis sagte ("In der zweiten Halbzeit sind die Kickers ein bisschen auseinandergefallen"), aber es war offenkundig, dass die Gastgeber vor 24 000 Zuschauern das Tempo der Eintracht nicht mitgehen konnten. "Die hatten im ersten Abschnitt 150 Prozent gegeben. Das konnten sie nicht durchhalten", meinte der Stürmer, der ebenfalls eine längere Anlaufphase brauchte. "Ich hatte nie das Gefühl, dass wir verlieren könnten", sagte später auch der sehr engagierte Patrick Ochs. "Jetzt haben wir in Frankfurt gute Stimmung. Jetzt fahren wir auch erhobenen Hauptes nach Bremen." OFC-Trainer Hans-Jürgen Boysen war trotz der schwächeren Leistung in Halbzeit zwei im Kern mit der Leistung des Drittligisten zufrieden: "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen."
Mit entscheidend für den klaren und auch verdienten Sieg, den der ansonsten schwächelnde Alexander Meier in der 86. Minute mit dem 3:0 endgültig besiegelte, war auch die taktische Maßnahme von Skibbe, nach einer guten Stunde Chris für den hibbeligen Selim Teber ins Spiel zu bringen und Schwegler auf die halbrechte Position zu rücken. Prompt war einerseits Ruhe im Spiel und andererseits mehr Zug nach vorne. Und es war kein Zufall, dass der Neuzugang aus Leverkusen in der 71. Minute die Führung "nach einer tollen Kombination" (Skibbe) erzielte. Chris, der in den letzten Wochen große Probleme mit dem Rücken hatte, war sofort präsent, ballsicher, er brachte Ruhe in die Partie. Und wurde prompt von Skibbe mit Lob überschüttet: "Chris ist in unserem Defensivverbund der wichtigste und kompletteste Spieler." Dem Brasilianer reichten im Grunde 20 Minuten, um das mal wieder unter Beweis zu stellen.
Und was sagte Ioannis Amanatidis zur Umarmung von Spycher? Er wollte sie nicht überinterpretiert wissen: "Ich stand halt in seiner Nähe."
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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